Filmtipp

Wir lassen uns den Mund nicht verbieten!

1968 werden in den USA Polit-Aktivisten verhaftet, die friedlich gegen den Vietnamkrieg protestieren. Es kommt zum Prozess. Die Kritiker der konservativen Nixon-Regierung sollen mundtot gemacht werden.

Sarah Stutte

Im Jahr 1969 löste der Schauprozess gegen sieben Aktivisten einen Proteststurm aus – auch weil dieser das amerikanische Rechtssystem der Lächerlichkeit preisgab. Basierend auf den sich tatsächlich zugetragenen Ereignissen ist Regisseur Aaron Sorkin ein hochspannender Politthriller gelungen, der die Machtstrukturen innerhalb des Justizapparats und die Rolle der Medien selbstironisch und bissig entlarvt.

Schauprozess als Farce

Doch von Anfang an: Beim Parteitag der Demokraten in Chicago protestieren 1968 die grössten linksliberalen Gruppierungen im Land – Studenten, Hippies, Pazifisten und Black Panther – geschlossen und friedlich gegen den Vietnamkrieg. Doch die gewaltbereite Polizei lässt die Situation eskalieren. Die Schuldigen sind schnell auf der anderen Seite gefunden, denn die Leader besagter Organisationen stellen für die konservative Nixon-Führungsebene eine Gefahr dar. Die erhobene Anklage dient nur dazu, die Kritiker mundtot zu machen.

Meinungsfreiheit als wichtiges Gut

Das stellt Sorkin von Beginn an klar und inszeniert auch den ganzen 151 Tage dauernden Prozess als die Farce, die sie tatsächlich war. Das wirkt aus heutiger Sicht durchaus komisch, hat aber sehr ernste Untertöne und Bezüge zur Gegenwart. Dann nämlich, wenn ein schwarzer Beschuldigter gefesselt und geknebelt auf der Anklagebank sitzt.

«The Trial of the Chicago 7» lebt von den starken schauspielerischen Leistungen sowie den gestochenen Dialogen und lässt nicht vergessen, dass man stets für die Meinungsfreiheit kämpfen sollte.

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«The Trial of the Chicago 7», USA 2020, Regie: Aaron Sorkin; Besetzung: Sasha Baron Cohen, Mark Rylance, Joseph Gordon-Levitt; Serienwebseite: https://www.netflix.com/ch/title/81043755

Seit dem 16. Oktober auf Netflix

Abbie Hoffman (Sasha Baron Cohen) und Jerry Rubin (Jeremy Strong) von der «Youth International Party» (Yippies) | © Niko Tavernise/Netflix 2020
17. Dezember 2020 | 05:59
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