Kinder spielen in einem Armenviertel von Colon (Panama). | © KNA
Ausland
Kinder spielen in einem Armenviertel von Colon (Panama). | © KNA

Weltjugendtagsfieber trotz grosser Herausforderungen in Panama

Panama-Stadt, 20.1.19 (kath.ch) In Panama bereiten sich selbst die Ärmsten für die Aufnahme von Gästen zum Weltjugendtag vor. Auch wenn weniger Besucher kommen als erwartet, stellen diese das Land nicht zuletzt vor logistische Probleme.

Michael Althaus

In dem abgelegenen Dorf Santa Rosa mitten im Urwald Panamas ist meist nicht viel los. Die belebte Hauptstadt Panama-Stadt liegt über eine Autostunde entfernt. Statt Hochhäusern säumen Kaffee- und Bananenbäume die Strasse. Doch seit einigen Wochen herrscht Nervosität unter den rund 500 Einwohnern: Zum Weltjugendtag haben sich Gäste aus dem Ausland angekündigt. Wie viele es sein werden und woher sie kommen, wissen die Dorfbewohner noch nicht.

«Bei meiner Mutter ist auch noch Platz»

Trotzdem hat sich fast jeder bereiterklärt, Pilger zu beherbergen. «Ich möchte den Leuten unser Dorf zeigen», sagt Ingris. Die 35-Jährige ist alleinerziehende Mutter von sechs Kindern. Ihr Haus hat gerade einmal zwei Zimmer. «Aber nebenan bei meiner Mutter ist auch noch Platz.»

Der Weltjugendtag in der nächsten Woche findet erstmals in Mittelamerika statt. Vorher verbringen die Teilnehmer einige «Tage der Begegnung» in Gastfamilien in ganz Panama sowie im Nachbarland Costa Rica. Die Haupttage des Welttreffens laufen vom 22. bis 27. Januar in Panama-Stadt.

Zwei Seiten der Realität

Während Weltjugendtage in europäischen Ländern in der Fülle von Grossveranstaltungen oft untergehen, hat die Vorfreude hier schon jetzt das ganze Land erfasst. Das blau-rote Logo der Veranstaltung klebt auf vielen Autos und ziert die Flaggen, die vor fast allen Kirchen gehisst sind. Selbst am Flughafen prangt es auf grossflächigen Plakaten: «Te esperamos» – «Wir erwarten dich».

Mit dem Treffen geraten zugleich die sozialen Probleme in den Fokus: Zwar vermittelt die Hauptstadt mit ihren Wolkenkratzern und dem grossen Kanalhafen ein Bild von Reichtum und wirtschaftlichem Erfolg. Dennoch lebt ein grosser Teil der rund vier Millionen Einwohner in Armut.

Für einheimische Jugendliche zu teuer

Jugendlichen bleibt häufig der Zugang zu Bildung verwehrt, manche rutschen in die Kriminalität ab. Viele können die 250 Dollar für die Teilnahme am Weltjugendtag nicht aufbringen. Ein Solidaritätsfonds soll dafür sorgen, dass niemand ausgeschlossen bleibt.

Viele junge Leute in dem stark katholisch geprägten Land freuen sich indes auf die Begegnung mit dem Papst. «Er ist sehr beliebt. Es herrscht grosse Begeisterung», sagt der 26-jährige Yithzak. Er hilft bei der Organisation der «Tage der Begegnung» in der Diözese Colon, einer der ärmsten Gegenden des Landes.

Jugendliche sehen Reformbedarf in der Kirche

«In der aktuellen Situation, in der Papst Franziskus die Missbrauchsfälle zum Vorwurf gemacht werden, wollen wir ihm sagen, dass wir hinter ihm stehen.» Dennoch sehnten sich auch die panamischen Jugendlichen nach Veränderungen in der Kirche: «Sie muss einen Weg finden, ihre Lehre an die Lebensrealität der Menschen anzupassen.» Reformbedarf sieht Yithzak vor allem bei der Rolle der Frau und der Sexualmoral.

«Jungen Menschen helfen, an ihre Potenziale zu glauben.»

«Das Treffen wird den jungen Menschen helfen, an ihre Potenziale zu glauben», ist der Erzbischof von Panama-Stadt, Jose Domingo Ulloa, überzeugt. «Papst Franziskus hat bewusst Zentralamerika als Veranstaltungsort ausgewählt, weil er an die Ränder der Gesellschaft gehen will», sagt er nicht ohne Stolz.

Die Vorbereitungen sieht Ulloa auf gutem Wege. Mehr als 200’000 Pilger hatten sich angemeldet, davon die meisten aus Lateinamerika. Unterdessen wurde die Zahl auf 150’000 Teilnehmer nach unten korrigiert.

Verkehrsnetz ist chronisch überlastet

Für Panama-Stadt mit seinem chronisch überlasteten Verkehrsnetz wird die Grossveranstaltung eine Herausforderung. Eine zweite Metrolinie sowie ein neues Flughafen-Terminal für den Transport der Pilger sind derzeit noch im Bau.

«Für die Jugendlichen ist das alles kein Problem.»

Ulloa gibt sich dennoch gelassen: «Es sind die Erwachsenen, die immer und überall Schwierigkeiten sehen, für die Jugendlichen ist das alles kein Problem.» Und auch Ingris im gut 50 Kilometer entfernten Santa Rosa hat derzeit andere Sorgen: Bis die Gäste eintreffen, will sie auf jeden Fall noch einen Großputz machen und das Haus aufräumen. (kna)

Helfer sammeln am Strand von Panama 17 Tonnen Müll

Panama putzt sich heraus: Vor dem am Dienstag beginnende Weltjugendtag in Panama haben freiwillige Helfer der Kirche den Strand im Ortsteil Juan Diaz in Panama-Stadt von 17,5 Tonnen Müll gereinigt. Mehr als 1000 Helfer aus dem ganzen Land beteiligten sich daran.

Organisiert wurde die Aktion von der NGO «Eco Creando». Insgesamt hätten die Helfer vier Stunden lang gemeinsam gearbeitet, berichtete die Tageszeitung «Prensa» am Sonntag. Das Thema Umweltschutz wird beim Weltjugendtag in dem mittelamerikanischen Land einen besonders grossen Stellenwert einnehmen. (kna)

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