Jose Domingo Ulloa Mendieta, Erzbischof von Panama-Stadt | © KNA
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Jose Domingo Ulloa Mendieta, Erzbischof von Panama-Stadt | © KNA

«Was wir anbieten, soll von ganzem Herzen kommen»

Panama-Stadt, 6.12.18 (kath.ch) Jose Domingo Ulloa (61) ist Erzbischof von Panama und Gastgeber des Weltjugendtags 2019 vom 22. bis 27. Januar. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erklärt er, welche Bedeutung die internationale Grossveranstaltung für sein Land und ganz Zentralamerika hat.

Michael Althaus und Alexander Pitz

Herr Erzbischof, warum ist Panama der richtige Ort für den Weltjugendtag 2019?

Jose Domingo Ulloa: Die Wahl war eine sehr persönliche Entscheidung des Papstes, um seine Worte von der «Kirche im Aufbruch», die an die Ränder gehen soll, in die Tat umzusetzen. Franziskus sieht die Chance, Tausenden benachteiligten Jugendlichen aus Zentralamerika und der Karibik eine Stimme zu geben. Oft handelt es sich um Ausgeschlossene der Gesellschaft, die heimatlos umherziehen. Viele sind von Bandenkriminalität und Menschenhandel betroffen. Deshalb ist es so wichtig, dass diese Veranstaltung in Panama stattfindet. Das Treffen wird den jungen Menschen helfen, an ihre Potenziale zu glauben.

Wieso im Januar?

Ulloa: Weil es hier in dieser Zeit kaum Regentage gibt. Wir wollten sicherstellen, dass der Weltjugendtag nicht durch schlechtes Wetter beeinträchtigt wird.

Was werden die wichtigsten Themen sein?

Ulloa: Wir wollen uns auf vier zentrale Punkte konzentrieren. Der erste ist die Lebenswirklichkeit der Jugend speziell hier in der Region. Ein weiterer ist die Umweltenzyklika «Laudato si» von Papst Franziskus. Dazu gehört das Bewusstsein, dass gerade die jungen Menschen auf unsere Erde, «das gemeinsame Haus», Acht geben müssen. Ein weiteres Thema, das uns umtreibt, ist die Jungfrau Maria als Symbol für die Rolle der Frau in der Kirche. Als letzten zentralen Punkt wollen wir die Entwicklung der Kirche Zentralamerikas beleuchten, die im Oktober mit der Heiligsprechung des salvadorianischen Erzbischofs Oscar Romero einen Höhepunkt erreicht hat.

«Wir haben Wert darauf gelegt, möglichst viele Jugendliche an den Planungen zu beteiligen.»

Wie laufen die Vorbereitungen für den Weltjugendtag?

Ulloa: Wir haben Wert darauf gelegt, möglichst viele Jugendliche an den Planungen zu beteiligen. Im Team dabei sind viele Freiwillige, die der Kirche eher fern sind. Ich halte das für einen grossen Gewinn. Zudem war es uns wichtig, die älteren Generationen mit einzubeziehen. Sie sind das Gedächtnis unserer Gesellschaft. Die Kinder sollten ebenso wenig aussen vor bleiben. Sie sind die Zukunft, die Jugendlichen sind die Gegenwart. Insgesamt hat die Planungsphase etwa zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen. Jetzt sind wir so weit, dass wir die Projekte in die Tat umsetzen können.

«Wir wollen die jungen Pilger aus aller Welt bei uns aufnehmen wie Familienmitglieder.»

Welche Atmosphäre erwartet die zahlreichen Gäste, die Panama im Januar besuchen?

Ulloa: Was wir anbieten, soll von ganzem Herzen kommen – mit viel Freude und Gastfreundschaft. Wir wollen die jungen Pilger aus aller Welt bei uns aufnehmen wie Familienmitglieder. Sie sind eine Bereicherung für uns, aber auch wir können sie mit unseren Erfahrungen in Sachen Kirche und Glauben bereichern. Ich bin überzeugt: Das Wichtigste beim Weltjugendtag ist der persönliche Austausch. Man kann anderen Jugendlichen von Angesicht zu Angesicht begegnen, die ähnliche Träume, ähnliche Ideale haben. Das macht den Reichtum der Kirche aus. Davon werden auch unsere Nachbarländer profitieren, etwa bei den Tagen der Begegnung in Costa Rica.

«Die Erwachsenen sehen immer und überall Schwierigkeiten, die Jugendlichen nicht.»

Was entgegnen Sie den Kritikern, die befürchten, Panama könnte sich mit der Organisation einer solchen Grossveranstaltung übernehmen?

Ulloa: Ich verstehe diese Sorgen, die es nicht zuletzt unter den Panamaern selbst gibt. Man sollte die Sache positiv sehen und an unsere Jugend glauben. Das ist das Entscheidende. Keinesfalls dürfen wir so kleinlich sein, ihr die Chance auf ein solches Ereignis wegen irgendwelcher Bedenken vorzuenthalten. Es sind die Erwachsenen, die immer und überall Schwierigkeiten sehen, für die Jugendlichen ist das alles kein Problem. Meine Devise ist: Lasst uns jetzt erst einmal den Januar abwarten, danach können wir alles besprechen. (kna)

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