Blick auf Chur und Bistumskathedrale | © Regula Pfeifer
Schweiz
Blick auf Chur und Bistumskathedrale | © Regula Pfeifer

Von Missbrauch und Täuschung keine Spur

Zürich, 30.1.19 (kath.ch) Jetzt ist der Fall «Adebar» definitiv entschieden. Das Bundesgericht lehnt die Klage des Bistums Chur ab. Doch die Beschwerdeführer sehen sich als Gewinner. Ein Kommentar von Charles Martig, Direktor Katholisches Medienzentrum.

Oberste Bistumsvertreter wollten erreichen, dass die Landeskirche die Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle «Adebar» finanziell nicht mehr unterstützt. Die Beschwerde gegen das «Corpus catholicum», die Legislative der Katholischen Landeskirche Graubünden, wurde durch alle Instanzen geführt. Bischof Vitus Huonder und sein Generalvikar Martin Grichting haben als Beschwerdeführer verloren.

«Hier wird mit vollen Rohren geschossen.»

Pikant ist dabei nicht der Entscheid aus Lausanne. Nein, es ist die Medienmitteilung des Bistums Chur, die zu denken gibt. Hier wird mit vollen Rohren weiter gegen die Landeskirche und das Staatskirchenrecht geschossen. Es ist von «Täuschung» und «Missbrauch» des Namens der katholischen Kirche die Rede.

Das ist ein schwerer Vorwurf gegen das Corpus catholicum, das sich im Kanton Graubünden als Teil der katholischen Kirche versteht. Das Parlament hat nämlich dafür gesorgt, dass die finanziellen Beiträge an die Beratungsstelle «Adebar» an bestimmte Bedingungen geknüpft werden.

Am meisten ist den Beschwerdeführern vom Churer Bischofssitz wohl aufgestossen, dass sie in diesem Rechtsfall als «Dritte» bezeichnet werden. Da spielt wohl ein gerütteltes Mass an Ohnmacht mit, ein Verlust an Deutungshoheit. Diese Verschiebung der Machtverhältnisse kann durchaus heilsam sein. Da nützt kein Zähneknirschen und kein Grollen.

«Die Verschiebung der Machtverhältnisse kann heilsam sein.»

Es wäre wohl angebracht, dass die Beschwerdeführer einsehen, dass das duale System nicht einfach des Teufels ist. Nein: Es ist durchwegs katholisch, dass wir in der Schweiz demokratisch gewählte Parlamente haben, die autonom über Finanzen entscheiden können. Damit gibt es eine Form von Ausgleich zwischen Bistum und Landeskirche, die sich gegenseitig ergänzen, aber auch kontrollieren und in die Schranken weisen. Das ist gutschweizerisch: von Missbrauch und Täuschung keine Spur.

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