Bischof Vitus Huonder erklärt sich in der Boulevard-Zeitung Blick | © 2015 Sylvia Stam
Schweiz
Bischof Vitus Huonder erklärt sich in der Boulevard-Zeitung Blick | © 2015 Sylvia Stam

Vitus Huonder gegenüber Blick: «Ich bin ein Bischof, kein Hassprediger»

Chur, 13.8.15 (kath.ch) Der Churer Bischof Vitus Huonder hat sich am Donnerstag, 13. August den Fragen der Boulevard-Zeitung Blick gestellt und dabei Vorwürfe, er sei ein Hassprediger oder seine Aussagen erinnerten an das Dritte Reich, von sich gewiesen. Im Gegenzug bezeichnete er laufende Bemühungen um ein Anti-Diskriminierungsgesetz als «Ausdruck einer Meinungsdiktatur».

Regula Pfeifer

Auf die Frage, ob er ein Hassprediger sei, antwortete Bischof Huonder: «Ich bin ein Bischof, der 100 Prozent zur Lehre der Kirche steht.» Grundlegend sei für ihn das Gebot der Gottes-und Nächstenliebe, sonst wäre er nicht Priester geworden. Den Vorwurf, sein Bibelzitat am Vortrag erinnere an das Dritte Reich, als man Homosexuelle im Konzentrationslager tötete, liess Huonder nicht gelten. Er konterte: «Solch ein Vergleich ist eine schreckliche Banalisierung des Dritten Reiches. Eine Beleidigung der Opfer, insbesondere der Millionen von ermordeten Juden.» Denn bei ihm handle es sich um einen Fachvortrag, in dem er über die pastorale Liebe gegenüber homosexuellen Menschen gesprochen habe. «Das hat man ausgeblendet und das Todesstrafe-Zitat wie meine persönliche Gesinnung dargestellt.»

Zum Zitat aus dem Levitikus meinte er: «Mir ging es darum, dass wir als Christen verstehen, wie drastisch das Alte Testament an einigen Stellen spricht. Das macht uns bewusst, was das Neue Testament und Jesus Christus uns gebracht haben.»

Die Strafanzeige, die die Schwulenorganisation gegen ihn eingereicht hat, wollte Huonder im Interview nicht kommentieren. Er bestand aber darauf, «dass die katholische Kirche ihren Glauben weiterhin unverkürzt vertreten kann.» Die Forderung nach Meinungs- und Glaubensfreiheit verband er mit einem Seitenhieb gegen Menschen, die «für sich Toleranz fordern, aber die Meinungs- und Glaubensfreiheit von Andersdenkenden abschaffen wollen.» Dabei verwies er auf geplante Anti-Diskriminierungsgesetze. Diese seien «in Wahrheit nur Ausdruck einer Meinungsdiktatur.»

Huonder: Graben geht mitten durchs Volk

A propos Hirt ohne Schafe meinte der Bischof, die Gesellschaft bewege sich immer mehr weg von christlichen Grundpositionen, etwa bei der Abtreibungsfrage, der Sterbehilfe oder der Präimplantationsdiagnostik. Der Graben gehe mitten durchs Volk, meinte er. Denn viele Menschen stünden zum kirchlichen Lehramt. (rp)

Link zum Interview im Blick: «Bischof Huonder rechtfertigt seine schwulenfeindlichen Aussagen»

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