Vatikanvertreter: Politik muss Oberhand über Wirtschaft erhalten

Etwas stimmt nicht im Kräfteverhältnis zwischen Wirtschaft und Politik – das zeige die Pandemie auf, findet ein vatikanischer Wirtschaftsexperte. Lizenzen für die Vakzinherstellung müssten kostenlos sein.

Die Politik muss nach Aussage eines vatikanischen Wirtschaftsexperten wieder die Oberhand über die Wirtschaft erhalten. Dass im Verhältnis zwischen beiden Kräften etwas nicht stimme, belege die derzeitige Pandemie, so Stefano Zamagni, Präsident der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, im Interview mit Radio Vatikan am Samstag.

Fünf Konzerne halten Welt in Schach

«Wie ist es möglich, dass fünf Pharmakonzerne die ganze Welt in Schach halten, indem sie anderen Menschen nicht erlauben, lizenzierte Impfstoffe herzustellen?», so der italienische Ökonom. Niemand bestreite, dass die Firmen für ihre Erfindungen «belohnt werden und einen angemessenen Gewinn erzielen sollten». Angesichts der vielen Menschenleben, um die es weltweit geht, müsse aber öffentliches Interesse über Privatrecht stehen.

Lizenzen zur Vakzin-Herstellung sollen kostenlos sein

Zamagni unterstützt Forderungen von Papst Franziskus und des Heiligen Stuhls, für eine kostenlose Lizenzvergabe der Patente zur Vakzin-Herstellung. Anfang Mai plant der Vatikan eine internationale Online-Tagung zu Folgen der derzeitigen medizinischen Entwicklung. Teilnehmen sollen unter anderem der US-amerikanische Infektionswissenschaftler Anthony Fauci und die Chefs der Impfstoff-Konzerne Pfizer und Moderna, Albert Bourla und Stephane Bancel.

Papst Franziskus, so Zamagni weiter, sei sich «mehr als andere» bewusst, dass in den letzten 30 Jahren die Welt der Wirtschaft jene der Politik dominiert. Viele Politiker seien nicht mehr frei, zu handeln «und Entscheidungen für das Gemeinwohl zu treffen, weil sie buchstäblich von Wirtschafts- und Finanzpotentaten erpresst werden». (cic)


17. April 2021 | 13:42
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