Papst Paul VI. in der in kolumbianischen Stadt Bogota am 24. August 1968. | © KNA
Schweiz
Papst Paul VI. in der in kolumbianischen Stadt Bogota am 24. August 1968. | © KNA

Theologe übt Kritik an Selig- und Heiligsprechungen von Päpsten

Zürich/Wien, 10.10.2018 (kath.ch) Kritik an der Vielzahl von Selig- und Heiligsprechungen von Päpsten hat der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück geübt. Die «Akkumulation von Heiligsprechungen von Päpsten durch Päpste» rufe inzwischen «selbst bei gläubigen Katholiken ein gewisses Stirnrunzeln hervor», schreibt Tück in der «Neuen Zürcher Zeitung» von Mittwoch.

Anlass der Wortmeldung des Theologen ist die nahende Heiligsprechung von Papst Paul VI. (Giovanni Montini; 1897-1978) am 14. Oktober durch Papst Franziskus. Die Kritik des Theologen entzündet sich dabei nicht allein an der Häufung der Selig- und Heiligsprechungen in den letzten drei Pontifikaten und insbesondere unter Johannes Paul II., sondern vor allem an der aktuellen innerkirchlichen Krisensituation.

«Steht die Selbstsakralisierung der Institution Kirche nicht in krassem Missverhältnis zu den Krisen und Skandalen, die in letzter Zeit publik geworden sind?», fragt Tück entsprechend. «Man könnte meinen», so der Theologe weiter, «dass der anhaltende Bedeutungsverlust, den die päpstliche Autorität in den freien Gesellschaften erlitten hat, durch eine gesteigerte Bedeutungszuschreibung auf der Ebene des Persönlich-Charismatischen aufgefangen werden soll.»

Päpstliche Automatismen

Beispiele für diese vermehrte Selig- und Heiligsprechungspraxis gebe es genug: angefangen bei Pius X. (1903-1914), der 1954 durch Papst Pius XII. (1939-1958) heiliggesprochen wurde, über die Päpste Pius IX. (1846-1878) und Johannes XXIII. (1958-1963), die beide im Jahr 2000 durch Johannes Paul II. seliggesprochen wurden, bis hin zum polnischen Pontifex selbst, den Papst Benedikt XVI. schliesslich 2011 selig- und Papst Franziskus 2014 heiliggesprochen hat. Ein weiteres Seligsprechungsverfahren läuft für den 33-Tage-Papst Johannes Paul I. (1978).

Gewiss würden diese Selig- und Heiligsprechungen die Lebensleistungen der betreffenden Päpste für die Kirche würdigen, jedoch seien sie auch nicht selten kirchenpolitisch motiviert, führte Tück weiter aus – etwa, wenn wie im Fall Pius X. und Pius IX. jeweils ein Anti-Modernist und Liberalismus-Kritiker zur Ehre der Altäre erhoben wurde; oder wenn im Fall Johannes XXIII. jener Papst gewürdigt wurde, der das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) einberufen hatte.

Blick in die Zukunft

Im Blick auf den in Kürze heiligen Papst Paul VI. warb Tück in der NZZ dafür, diesen Papst nicht als «Pillen-Papst» abzustempeln, beziehungsweise den Blick auf sein Wirken nicht auf die bis heute umstrittene Enzyklika «Humanae Vitae» von 1968 hin zu verengen.

Entscheidend sei nämlich, dass Giovanni Battista Montini schon als Erzbischof von Mailand «die gewandelte Lage der Kirche in den pluralistischen Gesellschaften der Moderne deutlich erkannt und als enger Berater von Johannes XXIII. die Reformen des Konzils mit angestossen hat».

Paul VI. habe «klarer als seine Vorgänger gesehen, dass die katholische Kirche eine Weltkirche ist, in der die unterschiedlichen kulturellen Grossräume ein Stimmrecht haben müssen», insofern sei es durchaus gerechtfertigt, in Paul VI. «den ersten Papst der Moderne zu sehen» – und ihn als solchen als Heiligen zu verehren. (kap)

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