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Schweizer Sternsinger von Petersdom und Schweizergarde beeindruckt

Die Sternsinger Rebekka, Lea, Enrico und Jana aus Leibstadt vor dem Petersdom in Rom | © Missio/Martin Brunner-Artho

Leibstadt/Rom, 2.1.18 (kath.ch) Die vier Sternsinger-Kinder aus dem aargauischen Städtchen Leibstadt waren zum Jahreswechsel in den Vatikan geladen worden. Im Gespräch mit kath.ch zeigten sie sich von den Dimensionen des Petersdoms und vom Besuch der Schweizergarde beeindruckt. Auch bei den Begleitpersonen – dem Missio-Direktor Martin Brunner-Artho und der Katechetin Yvonne Zimmermann – hinterliess das Erlebnis Spuren.

Regula Pfeifer

“Mich beeindruckte, wie gross der Petersdom von innen ist”, erklärte Rebekka (12) auf die Frage, was sie am Besuch im Vatikan am meisten beeindruckt hat. Sie hätte nie gedacht, dass der Dom so gross wirke. Und sie war überrascht, wie nahe sie während dem Neujahrsgottesdienst am liturgischen Geschehen waren. Die Sternträgerin im Sternsinger-Team aus der Schweiz stand gemeinsam mit der 13-jährigen Jana, die den Kaspar darstellte, in der ersten Reihe – mit freiem Blick auf Papst Franziskus und andere Geistliche, die den Neujahrsgottesdienst gestalteten. Jana war nicht nur vom Petersdom, sondern auch vom “schönen und grossen” Petersplatz überwältigt, der mit einem riesigen Weihnachtsbaum und einer Krippe geschmückt war.

In den vordersten Reihen

Hinter den beiden älteren Mädchen, also in der zweiten Reihe, sassen beim Neujahrsgottesdienst die elfjährige Lea und der zehnjährige Enrico. Lea repräsentierte mit ihrer goldenen Krone den Melchior, Enrico mit dem Turban den Balthasar. Der Neujahrsgottesdienst hat auch Lea sehr gefallen. Vor allem, dass sie den Papst sehen konnte. Sie habe sich ihn so vorgestellt, sagte sie, denn sie kenne das Kirchenoberhaupt vom Fernsehen her. Aber auch andere Momente im Vatikan kamen bei ihr gut an. “Mir hat alles gefallen”, sagte sie deshalb gegenüber kath.ch.

Der Neujahrsgottesdienst war gemäss Martin Brunner-Artho der Höhepunkt im Programm der Schweizer Sternsinger im Vatikan. Er fand am Neujahrsmorgen im Petersdom statt. Brunner-Artho begleitete die Leibstädter Kinder in seiner Funktion als Direktor von Missio. Das katholische Missionswerk mit Sitz im schweizerischen Freiburg organisiert die Sternsinger-Aktion. Für die Sternsinger aus der Schweiz seien an der rechten Altarseite drei bis vier Sitzreihen reserviert worden, erklärte er telefonisch.

Den Papst als “einfachen Mann” erleben

Von dort aus konnte auch Yvonne Zimmermann den Neujahrsgottesdienst verfolgen. Die Katechetin und Jugendseelsorgerin in der Pfarrei Leibstadt erzählte: “Für mich war es sehr eindrücklich live mitzuerleben, was man normalerweise am Fernsehen sieht.” Sie erlebte dabei den Papst als “einfachen, kleinen Mann unter einem riesigen Baldachin”. Er sei beim Treppensteigen von anderen gestützt worden, so Zimmermann. Die Begleiterin der Sternsinger aus Leibstadt beobachtete das Geschehen vor und während dem Gottesdienst. Dabei stellte sie ein “grosses Aufgebot an Klerus” sowie eine Organisation, die nichts dem Zufall überlasse, fest.

Für die Katechetin, die Kinder und den Missio-Direktor war das das erste Gottesdienst-Erlebnis mit Papst Franziskus. Den Petersdom kennt Zimmermann aber von früher, etwa von den internationalen Ministrantenwallfahrten her, bei denen sie ebenfalls als Begleiterin mitreiste. Sie hat die vier Sternsinger-Kinder ausgewählt, nachdem das von Missio gezogene Los auf Leibstadt gefallen war. Die vier Kinder ministrieren in der dortigen Pfarrei.

Empfang bei der Schweizergarde

Der Aufenthalt der Sternsinger im Vatikan hatte am 30. Dezember mit einem Empfang am Sitz der Schweizergarde begonnen. Mit dabei waren die Sternsinger-Delegationen aus Deutschland, Österreich, Ungarn und Slowakei, wie Martin Brunner-Artho von Missio erklärte. Dabei habe man das gemeinsame Sternsinger-Lied und andere Lieder gesungen. Aufgrund ihres “Heimvorteils”, so Brunner-Artho, durften die Schweizer Kinder das Sternsinger-Zeichen an drei Türen der Schweizergarde-Kaserne anbringen. Ihre Schwester Jana haben das machen dürfen, sagte Lea gegenüber kath.ch.

Den Besuch bei der Schweizergarde fand der einzige Bub unter den vier Schweizer Sternsingern “toll”, wie Enrico gegenüber kath.ch sagte. Er habe die Waffen, Helme und Werkzeuge der Gardisten gesehen. Und es sei erklärt worden, wie man Schweizergardist werden könne. Er selbst könne sich aber nicht vorstellen, Gardist zu werden, so der zehnjährige Enrico.

Silvester mit Sicht auf die Dächer von Rom

Am 31. Dezember beteiligten sich die verschiedenen Sternsinger-Delegationen aktiv an einem Gottesdienst in der Kirche Santa Maria della Pietà im Camposanto Teutonico – das zum Vatikan gehört. Einige Kinder waren als Ministranten tätig oder lasen Fürbitten, Begleitpersonen betätigten sich als Lektoren. Nach dem gemeinsamen Abendessen feierten die Sternsinger den Silvester auf dem Dach ihres Gästehauses. Man habe eine “geniale Sicht auf Rom” gehabt, erzählte Martin Brunner-Artho.

Die drei Tage im Vatikan bewegten auch den Missio-Direktor, der zum ersten Mal am Sternsingerbesuch im Vatikan teilnahm. “Es war schön zu spüren: Das ist nicht nur eine kleine schweizerische, sondern eine internationale Bewegung”, sagte er gegenüber kath.ch. Er schätzte am Anlass den Kontakt zu anderen Sternsinger-Gruppen.

Als Heilige Drei Könige verkleidet

Es war das zweite Mal gewesen, dass eine Delegation von Schweizer Sternsingern den Papst besuchen durfte. Die Sternsinger ziehen jeweils in der Weihnachtszeit, vor allem rund um das Dreikönigsfest, als Heilige Drei Könige verkleidet von Tür zu Tür und segnen die Häuser. “20*C+M+B+18” lautet der Segensspruch, den die Sternsinger mit geweihter Kreide über der Haus- oder Wohnungstür anbringen.

Die drei Buchstaben stehen für “Christus mansionem benedicat” – “Christus segne dieses Haus”, sie werden von der neuen Jahreszahl eingefasst. Die Kinder singen Lieder und sammeln Geld für karitative Projekte, die in der Regel Kindern zugutekommen. Dieses Jahr soll unter anderem eine Stiftung in Indien das Geld bekommen, die sich für Schulbildung und Kinderparlamente einsetzt.

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