Herbert Volken in «Das Schlachtross des Papstes» | © 2015 SRF
Schweiz
Herbert Volken in «Das Schlachtross des Papstes» | © 2015 SRF

SRF-Dokfilm über Kardinal Schiner – unsägliche Klischees über die Walliser

Zürich, 11.9.15 (kath.ch) Von Kardinal Matthäus Schiner, einem Machtmenschen und Kirchenpolitiker des 16. Jahrhunderts, führt eine direkte Linie zu Christoph Blocher. Über die Schlacht von Marignano (1515). Während Schiner als Heerführer des Papstes veranwortlich für die Vernichtung von 12’000 Eidgenossen war, stilisiert der SVP-Politiker heute diese historische Niederlage zum Symbol der Schweizer Neutralität. Der DOK-Film von SRF «Das Schlachtross des Papstes», ausgestrahlt am Donnerstag, 10. September, will diese These widerlegen. Dies ist gründlich misslungen.

Charles Martig

Wie weit kann eine dokumentarische Recherche gehen, um die Einschaltquoten in der Prime-Time hochzuhalten? Exotisches, Skurriles kombiniert mit klischiertem Storytelling: das bietet der Film «Das Schlachtross des Papstes» von Roland Huber. Er stellt den CVP-Politiker Herbert Volken in den Mittelpunkt. Dieser hat sich in den Kopf gesetzt, dass die sterblichen Überreste von Kardinal Matthäus Schiner (1465-1522) vom Vatikan in seinen Heimatkanton Wallis überführt werden soll. Huber begleitet den umtriebigen Präfekten aus dem Goms, der zusammen mit dem Historiker Werner Bellwald und dem Bohrspezialisten Christoph Rieder im Vatikan unterwegs ist.

Die Walliser – ein Volk von Schlawinern?

Der Regisseur gefällt sich im Herunterleiern von ewiggestrigen Klischees. Die Walliser sind in diesem Storytelling rückständig und naiv, stur und anarchisch, religiös und skurril. Im Kopf eines durchschnittlichen Mittelland-Journalisten hat sich eingenistet, was der urbane Mainstream in den Medien befiehlt: Das Wallis gilt als eine Bananenrepublik, die man als aufrechter Journalist und Regisseur entlarven muss. Wie sonst ist es zu verstehen, dass auf der Musikspur ein sehr banaler Titelsong unterlegt wird, der in dem Diktum «Schiner … Schlawiner» endet und mit einer süffisanten Reggae-Musik unterlegt ist? Die Suche von Herbert Volken nach den Gebeinen Schiners wird belächelt und denunziert.

Marignano als Ursprung der Schweizer Neutralität

Im zweiten Teil der Dokumentation wird klar, welche verdeckte Agenda Roland Huber verfolgt. Kardinal Schiner als Heerführer des Papstes in der Schlacht von Marignano dient nur als Vorwand für eine Aktualisierung. Während Jahrzehnten wurde duch die SVP Schweiz versucht, die Schlacht von Marignano als Ursprungsmythos der schweizerischen Neutralität wiederzubeleben. Namentlich Christoph Blocher gilt als grosser Verfechter dieser Ideologie. Hier spielt auch das bekannte Wandgemälde «Rückzug aus Marignano» (1900) von Ferdinand Hodler eine zentrale Rolle. Sobald es im Film erscheint, ist klar, worauf die Dokumentation zielt. Die Sichtweise von Christoph Blocher und seinen politischen Gefährten soll widerlegt werden. Markus Somm, Chefredaktor der Basler Zeitung und Historiker, vertritt die Neutralitätsideologie der SVP. Ihm gegenüber wird Jean Ziegler ins Feld geführt, der für eine weltoffene Schweiz eintritt. Die Debatte um Marignano befindet sich hier auf einer ganz anderen Ebene, zwischen Politik und Geschichte angesiedelt.

Tendenziöser Journalismus

Warum sich Roland Huber auf die Ebene des tendenziösen Thesenfilms herunterlässt, um die SVP-Ideologie anzugreifen, ist kaum nachvollziehbar. Insbesondere diffamiert er den Kanton Wallis, der in diesem Jahr seine 200-Jahr-Feier zum Beitritt in die Eidgenossenschäft abhält. Die beiden Teile des Films sind nur lose miteinander verknüpft und zeigen eine unausgegorenes Machwerk, das dem renommierten DOK-Sendungsformat nachhaltig schadet. (cm)

Das Schlachtross des Papstes, SRF DOK, 2015

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