Silja Walter | © Josef Bossart (Archivbild)
Schweiz
Silja Walter | © Josef Bossart (Archivbild)

Silja Walter hat oft auch eine Prostest-Stimme in der Kirche erhoben

Zürich, 18.11.18 (kath.ch) Nächstes Jahr wäre die Schweizer Ordensfrau und Dichterin Silja Walter hundert Jahre alt geworden. Mit einer Reihe von Jubiläumsausgaben gedenkt der Paulusverlag des Jubiläums, wie es bei Verlag auf Anfrage hiess. Das erste Buch der Reihe wird am Montag in Zürich der Öffentlichkeit vorgestellt. Silja Walter lebte im Kloster Fahr bei Zürich. Priorin Irene Gassmann erklärt, welchen Stellenwert die Dichterin heute in der Gesellschaft hat.

Georges Scherrer

Was bedeutet Schwester Hedwig, beziehungsweise Silja Walter, wie ihr bürgerlicher Name lautet, für das Kloster Fahr?

Irene Gassmann: Schwester Hedwig war eine unserer Mitschwestern, sie lebte über 60 Jahre in unserer Gemeinschaft und gehörte zu uns. Je länger je mehr wird mir bewusst, wie sehr sie unsere Spiritualität mitgeprägt hat, einerseits durch ihre Texte und Hymnen im Stundenbuch, aber auch im Austausch mit uns. Sie war stets auf der Suche nach dem Dahinter und ermutigte uns auch, tiefer zu graben und in der Heiligen Schrift Nahrung und Ausrichtung für unser monastisches Leben zu suchen.

«Sie war für mich eine Wegbereiterin für das Anliegen ‘Für eine Kirche mit* den Frauen’.»

Schwester Hedwig gelang es, unser Leben und Dasein in Worte zu fassen. In ihren beiden Texten Kloster Fahr und Gebet des Klosters am Rand der Stadt fasst sie treffend in Worte, was unser Leben im Fahr ist. Durch Silja Walter und ihr Werk bekam das Kloster am Rand der Stadt einen grossen Bekanntheitsgrad.

Irene Gassmann, Priorin Kloster Fahr | © zVg
Mit ihren Texten hat Silja Walter oft auch eine Prostest-Stimme in der Kirche erhoben. So etwa in der Gedichtsammlung «Keine Messgebete». So war und ist sie für mich eine Wegbereiterin für das Anliegen «Für eine Kirche mit* den Frauen».

Was ist die Aktualität der verstorbenen Ordensfrau für die heutige Zeit?

Gassmann: Mit ihrer Sprache kann sie auch heute suchende Menschen ansprechen. Ihre Texte sind aus meiner Sicht auch nach 50 oder 60 Jahren höchst aktuell und nicht «abgedroschen», sie sind immer wieder neu.

«Die Texte von Silja Walter müssen «gekaut» werde.»

Gleichzeitig sind es keine leichten Texte. Es sind eben verdichtete Texte, welche Gotteserfahrung ins Wort bringen. Die Texte von Silja Walter müssen «gekaut» werden und sind nicht bloss eine Berieselung. Sie wollen anregen, sich selber auf die Suche zu machen.

Ich staune immer wieder, wie aktuell einzelne Texte sind. So zum Beispiel der Gottesdienst zu Maria Magdalena. Dieser entstand Anfang der 1970-er Jahre und hat nichts an Aktualität verloren. Oder auch die Texte «Keine-Messgebete».

Auf welche Weise kann man Silja Walter am besten begegnen: Lesen ihrer Bücher oder Besuch des Klosters, in dem sie gelebt hat?

Gassmann: Ich denke, dass die Menschen unterschiedliche Zugänge zu Silja Walter haben. Eine gute Möglichkeit dieser Nonne und Schriftstellerin zu begegnen ist ein Besuch im Silja Walter-Raum. Hier gibt es Tonaufnahmen und Videos, in denen Silja Walter im O-Ton begegnet werden kann. Auch besteht die Möglichkeit, in ihrem vielfältigen Werk zu blättern und lesen.

Ein Gastaufenthalt im Kloster Fahr ermöglicht eine Selbsterfahrung vom Leben als Benediktinerin im 21. Jahrhundert. Unsere Gästezimmer stehen Frauen offen. Die Gäste können am Rhythmus von uns Benediktinerinnen teilnehmen, auch beim Gebet, und essen mit uns bei Stillschweigen und Tischlesung im Refektorium.

«Dazu möchte ich noch nicht mehr verraten!»

Im kommenden Jahr begehen wir den 100. Geburtstag von Silja Walter. Ab dem Datum ihres Geburtstages, dem 23. April, wird es im Kloster Fahr verschiedene neue, kreative Angebote geben, um Silja Walter zu begegnen – dazu möchte ich noch nicht mehr verraten!

Zudem werden wir Anfang 2019 die Silja Walter-Webseite: www.siljawalter.ch wieder aufschalten, um auf die verschiedenen Angebote aufmerksam zu machen.

 

Begegnung mit Silja Walter in Zürich

Die Vernissage des Silja Walter-Lesebuches «Ich habe den Himmel gegessen» findet am Montag, 19. November, um 19:30 Uhr im Zentrum Spiritualität (Werdstrasse 53) in Zürich statt. Ulrike Wolitz, die Herausgeberin des Werks der Benediktinerin, wird aus dem Buch vorlesen. (gs)

 

 

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