Filmtipp

Selbstfindung mit Esel

Die junge Antoinette will ihren verheirateten Geliebten auf seiner Esel-Wandertour mit der Familie überraschen. Doch so einfach und unkompliziert ist das Trekking mit Esel und nervigen Mitwanderern nicht …

Die junge Frau, die den Gastraum der Herberge betritt, sieht ziemlich abgekämpft aus. Mit ihrem geliehenen Lastesel Patrick hat sie endlich das Etappenziel auf ihrer Wanderung durch die Cevennen erreicht und möchte eigentlich nur ihre Ruhe. Aber ihr Ruf eilt ihr voraus. Die anderen Wanderer möchten in voyeuristischer Vorfreude alles über DIE Antoinette erfahren, die ihren verheirateten Liebhaber auf der beliebten Route überraschen möchte.

Ein Esel als Therapeut

Dumm nur, dass Antoinettes Angebeteter nicht allein, sondern mit Frau und Tochter unterwegs ist. Und diese Tochter ist Antoinettes Schülerin … Als Antoinette dann tatsächlich auf ihren Geliebten samt Anhang trifft, öffnet ihr dessen Frau die Augen. Sie ist eine von vielen. Zum Glück gibt es da noch Patrick, dem Antoinette all ihren Kummer und ihre Hoffnungen anvertrauen kann. Eine unbeabsichtigte Therapie, die Antoinette aber darin bestärkt, dass sie gut ist, wie sie eben ist.

Pilgern kann ganz schön nerven

Caroline Vignal hat mit «Antoinette dans les Cévennes» eine leichtfüssige Komödie inszeniert, die trotz einer bisweilen arg naiven Protagonistin einen durchaus kritischen Blick auf das Pilgern und/oder Wandern als Selbstfindungserfahrung wirft. Das therapeutische Gehen in der wunderschönen Landschaft wird durch den störrischen Esel und die nervigen Mitwanderer bisweilen nämlich zu einer wahrhaften Tour de Force.

Auf der Route des grossen Autors

Doch Antoinette lässt sich nicht davon abbringen, unverdrossen ihr persönliches Glück zu suchen. Genau so, wie fast 150 Jahre vor ihr der «Dr Jekyll and Mr Hyde»-Autor Robert Louis Stevenson. Auch er war unglücklich verliebt, allerdings in eine verheiratete Frau. Um zu sich und endlich eine Lösung für das «Liebesproblem» zu finden, wanderte er ebenfalls durch die Cevennen. Stevensons Bericht «Reise mit dem Esel durch die Cevennen» setzte der Wanderung ein literarisches Denkmal. Der populäre Wanderweg durch besagte Region ist dem Autor zu Ehren «Stevensonweg» benannt.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Antoinette dans les Cévennes», Frankreich 2020; Regie: Caroline Vignale; Besetzung: Laure Calamy, Benjamin Lavernhe, Olivia Côte; Verleih: Frenetic, Filmpage: https://www.frenetic.ch/katalog/detail//++/id/1185,

Zum Streamen auf: www.myfilm.ch oder cinefile.ch



Antoinette (Laure Calamy) mit Esel Patrick unterwegs in den Cevennen © Frenetic Films
8. April 2021 | 06:21
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