Jerusalem  | © pixabay.com CC0
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Jerusalem | © pixabay.com CC0

Pastoren-Segen für US-Botschaft in Jerusalem sorgt für Schlagzeilen

Washington, 16.5.18 (kath.ch) Die «New York Times» hebt ihre Verwunderung in die Schlagzeile. «Pastor, der sagte, Juden gingen in die Hölle, spricht Gebet bei Eröffnung der Jerusalemer Botschaft», titelt das Blatt über einer Geschichte, die beleuchtet, wen US-Präsident Donald Trump darum bat, den Segen bei der Eröffnung der US-Vertretung nach deren umstrittenen Umzug innerhalb Israels zu spenden.

Bernd Tenhage

Der eine, Pastor Robert Jeffress, erklärte 2010 in einem Interview mit dem Trinity Broadcasting Network, Muslime, Mormonen und Juden folgten falschen Lehren. «Sie können nicht gerettet werden, wenn Sie Jude sind.» In einer Predigt 2008 wurde der Pastor der «First Baptist Church» im texanischen Dallas noch deutlicher. «Die Hölle wird gefüllt sein mit guten, religiösen Menschen, die die Wahrheit Christi zurückgewiesen haben.»

Bei der Botschaftseröffnung am Montag in Jerusalem hielt sich Jeffress mit derlei Äusserungen zurück. Stattdessen lobte er in seinem Segen US-Präsident Donald Trump, «der auf der richtigen Seite von Dir, Gott, steht, wenn es um Israel geht».

Holocaust Teil des Plans Gottes

Des Lobes voll zeigte sich auch der Gründer der Organisation «Christians United for Israel», Pastor John Charles Hagee. Trump habe mit der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem ein klares Zeichen gesetzt. «Lasst jeden islamischen Terroristen die Botschaft hören: Israel lebt.»

Die Botschaft, die Hagee für die Juden bereithält, verschwieg er bei seinem Auftritt. Sie müssen aus Sicht des Israel-Freundes auf die Wiederkehr Christi hoffen, um vor der ewigen Verdammnis gerettet zu werden. Verstörend auch das, was er in einer Predigt vor seiner Gemeinde im texanischen San Antonio Ende der 1990er-Jahre sagte. Da vertrat Hagee die Ansicht, der Holocaust an sechs Millionen Juden sei Teil des Plans Gottes gewesen. «Warum passierte das? Weil Gott sagte, meine oberste Priorität für das jüdische Volk ist, es dazu zu bringen, zurück in das Land Israel zu gehen.»

Als der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain 2008 von den Äusserungen des evangelikalen Predigers erfuhr, distanzierte er sich von dem Pastor, der seine Kandidatur öffentlich unterstützt hatte.

Wiederkunft Jesu Christi

Die Ansichten der beiden Pastoren über Israel und die Juden sind unter US-Evangelikalen verbreitet. Zugleich leben viele von ihnen im Glauben, dass die Ansammlung der Juden in Israel und ihre Kontrolle über Jerusalem als Hauptstadt die Voraussetzung für eine Wiederkunft Jesu Christi ist.

Donald Trump hatte im Wahlkampf die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels und die Verlegung der US-Botschaft dorthin zu einem zentralen Versprechen gemacht. Damit umwarb er sowohl jüdische US-Wähler als auch weisse Evangelikale, für die das Thema eine zentrale Bedeutung hat. Letztere gehören zu denjenigen, die Trump überhaupt erst an die Macht brachten.

Guatemala eröffnet als zweites Land Botschaft in Jerusalem

Nach den USA hat auch Guatemala seine Botschaft in Jerusalem eröffnet. Das Land bringe eine Botschaft von «Liebe, Frieden und Brüderlichkeit» nach Israel, sagte Guatemalas Präsident Jimmy Morales laut Bericht der israelischen Tageszeitung «Haaretz» am Mittwochmorgen bei der Eröffnung des Botschaft im Technologiepark im Jerusalemer Stadtteil Malha.

Am 21. Mai will auch Paraguay eine Botschaft in Jerusalem eröffnen. Tschechien, Rumänien und Honduras kündigten laut Medien an, ebenfalls die Verlegung ihrer Botschaften nach Jerusalem zu prüfen.

Am Montag hatten die USA als erstes Land ihre Botschaft offiziell von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt. Der Schritt war im Vorfeld auf scharfe Kritik in der arabischen Welt und Unverständnis in vielen westlichen Staaten gestossen. Der endgültige Status Jerusalems solle erst im Rahmen einer Friedenslösung geklärt werden, so die internationale Position. (kna)

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