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Sakrale Kunst als Fundament – Vor 375 Jahren starb der Barockmaler Peter Paul Rubens

Bonn/Antwerpen, 25.5.15 (kath.ch) Schönheitskult ist indes kein Phänomen der Moderne. In der Renaissance galten Frauen mit starken Rundungen als verführerisch und besonders gebärfähig, danach kam die Wespentaille in Mode. Und im beginnenden 17. Jahrhundert malte Peter Paul Rubens wieder fülligere Frauen. Am Samstag vor 375 Jahren starb der Barockmaler.

Paula Konersmann (kna)

Auf ihn geht der Begriff «Rubensfigur» zurück. Ein Begriff, der sich um 1900 in der Kunstliteratur findet, ab den 1920er-Jahren auch in Unterhaltungszeitschriften. Heute beschreiben Medien die Komikerin Cindy aus Marzahn als Person, «die voller Selbstironie und Spott mit ihrer Rubensfigur kokettiert».

«Gegenentwürfe zum tatsächlichen Leben»

Rosa gewandet wie die Berliner Kunstfigur waren die Frauen bei Rubens meist nicht. Vielmehr stellte er sie nackt dar – was Forscher keineswegs als Hinweis auf einen ausschweifenden Lebenswandel deuten. Vielmehr seien seine Werke «Gegenentwürfe zum tatsächlichen Leben», schreibt der Kunsthistoriker Martin Warnke in einer Biografie. Rubens gilt bis heute als einer der einflussreichsten Künstler aller Zeiten.

Vermutlich am 28. Juni 1577 wurde Peter Paul Rubens in Siegen geboren. Aus Glaubensgründen lebte die aus Antwerpen stammende Familie im Exil – Vater Jan Rubens war Calvinist. Nach seinem Tod kehrte die Mutter mit ihren sieben Kindern in die belgische Hafenstadt zurück. Peter Paul, der Zweitjüngste, besuchte die Lateinschule und verdingte sich für kurze Zeit als Page, widmete sich jedoch bereits mit 15 Jahren der Kunst. 1598 wurde er nach abgeschlossener Lehre in die Malergilde von Antwerpen aufgenommen.

Wenig später zog es ihn nach Italien, wo er 1604 eine Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit für die Jesuitenkirche in Mantua schuf. Auch in Genua, Mailand und der spanischen Hauptstadt Madrid fand er Inspiration. 1608 rief ihn die Nachricht von einer schweren Erkrankung seiner Mutter zurück nach Antwerpen. Nach ihrem Tod eröffnete er dort sein eigenes Atelier, das bald Schüler aus ganz Europa anzog.

Stammkundschaft auch beim Adel

Hier entstanden Werke wie die monumentale «Kreuzabnahme» (1611). Das Altarbild lockt bis heute Besucher aus aller Welt in die Antwerpener Kathedrale. Kirchliche Aufträge bildeten ein wichtiges Fundament für Rubens’ Arbeit. Oftmals orientierte er sich an berühmten Vorgängern wie Michelangelo und Caravaggio. Die Gegenreformation verschaffte ihm zahlreiche Aufträge über Antwerpen hinaus, besonders für Altarbilder.

Auch aus dem Adel kamen Stammkunden, etwa der französische Hof. Über Rubens’ persönlichen Glauben ist indes wenig bekannt: Er soll täglich die Messe besucht, aber auch Interesse an sektierenden Strömungen gehabt haben.

Erst Künstler, dann Diplomat

Im höheren Lebensalter begann die zweite Karriere des inzwischen hochgeehrten Malers: als Diplomat der spanisch-habsburgerischen Krone. 1628 wurde er Sekretär des Geheimen Rats, verhandelte über den Frieden zwischen Spanien und England – und wurde zum Ritter geschlagen, als der Friedensvertrag nach zwei Jahren unterzeichnet wurde. Rubens seinerseits schenkte dem englischen König Karl I. das Gemälde «Krieg und Frieden». In London erhielt er den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales des Whitehall Palace, zudem malte er viel für den spanischen König Philipp IV.

In seinen letzten Lebensjahren zog Rubens sich zurück, malte einige wenige Selbstbildnisse und zahlreiche idyllische Landschaften, während Europa vom Dreissigjährigen Krieg erschüttert wurde. Das Ende des Krieges 1648 erlebte er nicht mehr: Er starb 1640 an der Gicht.

Über seiner Grabstätte in der Antwerpener Kirche Sankt Jakob steht bis heute eines seiner Werke: eine Darstellung Mariens mit dem Kind und mehreren Heiligen. (kna)

Ausstellung von Bildern des Künstlers Peter Paul Rubens in St. Petersburg. | © Keystone
25. Mai 2015 | 12:49
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«Rubensfigur»

Zuletzt beschwerten sich die dünnen Frauen: Sie fühlten sich von der Kampagne eines sogenannten Plus-Size-Labels verletzt. Die amerikanische Marke Lane Bryant hatte unter dem Motto «I’m No Angel» für weibliche Rundungen geworben – in Abgrenzung zu den sehr schlanken Models der Dessousmarke «Victoria’s Secret», die auf Modenschauen stets als Engel über den Laufsteg schreiten. Besonnene Stimmen mahnten, kein Körperideal solle einem anderen vorgezogen werden. (kna)