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Runder Tisch hat ausgedient

Verdingkinder wurden in Heimen oft missbraucht und mussten harte Arbeit verrichten | © zVg

Bern, 9.2.18 (kath.ch) Nach fast fünf Jahren hat der Runde Tisch “seine Aufgaben erfüllt”. Am Donnerstag hat die letzte Sitzung des Gremiums stattgefunden, das sich der Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen – wie Heim- oder Verdingkinder – vor 1981 gewidmet hatte.

Der Runde Tisch wurde 2013 von Bundesrätin Simonetta Sommaruga ins Leben gerufen. Er setzte sich aus Betroffenen und Vertretern der involvierten Behörden, Organisationen und Institutionen, darunter auch der Kirche, zusammen und sollte bei der Aufarbeitung der Vergangenheit eine zentrale Funktion einnehmen. Zu den Betroffenen zählen unter anderem Verding- oder Heimkinder oder auch Menschen, die zu gewissen Handlungen und Massnahmen gezwungen wurden wie Zwangssterilisatiopn oder -abtreibung.

Aufarbeitung ist “in vollem Gang.”

Der Tisch hatte laut Bundesamt für Justiz (BJ) den Auftrag, die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen – die vor 1981 geschehen sind – vorzubereiten und in Gang setzen.

Das Gremium hat gemäss BJ Anlaufstellen in den Kantonen aufgebaut, Empfehlungen erlassen betreffend der Aktensicherung und den Aktenzugang. Er schuf auch einen Sofortfonds für Härtefälle.

“Aufgaben erfüllt”

Somit seien die Aufgaben sind erfüllt: Im BJ bearbeite neu ein Fachbereich die Gesuche mehr um einen Solidaritätsbeitrag. Ebenso sei die wissenschaftliche Aufarbeitung “in vollem Gang”.

Der Abschluss findet jedoch nicht im stillen Kämmerlein statt, sondern wird mit hohem Besuch gefeiert: Die Intitiantin des Runden Tisches, Bundesrätin Simonetta Somaruga, würdigt die Arbeit an einem Abschlusstreffen am 17. Mai.

Gesuche bis März möglich

Nur weil der Runde Tisch aufgelöst wird, heisst das nicht, dass keine Gesuche mehr für einen Solidaritätbeitrag gestellt werden können. Personen, die sich als Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen oder Fremdplatzierung vor 1981 betrachten, könnten noch bis Ende März reagieren. Bei den kantonalen Anlaufstellen und Staatsarchiven werde man unentgeltlich dabei unterstützt.

Bisher sind beim BJ über 5000 Gesuche um einen Solidaritätsbeitrag eingegangen in Höhe von 25’000 Franken. Im letzen August waren es erst 3000, als deshalb eine Flyeraktion gestartet wurde, die Opfer animieren sollte, sich zu meldenn. Gerechnet wird mit insgesamt etwa 20’0000 Betroffenen. Die ersten Beiträge konnten laut BJ im Januar 2018 ausbezahlt werden.  (ft)