Schweiz

Roberto Martullo-Blocher fordert Rücktritt von Franziska Driessen

Zürich, 9.5.18 (kath.ch) Franziska Driessen kritisiert die SVP, und prompt verlangen Partei-Mitglieder eine Entschuldigung, überlegen sich den Kirchenaustritt und wollen gar Driessens Rücktritt. Driessen steht jedoch zu ihrer Meinung.

Die SVP fordert eine Entschuldigung seitens Franziska Driessen, wie einem Bericht der «Luzerner Zeitung» (8. Mai) (LZ) zu entnehmen ist. Die neu gewählte Synodalratspräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich hatte in einem Interview mit derselben Zeitung (7. Mai) die Asylpolitik der SVP kritisiert: «Der Churer Weihbischof Peter Henrici sagte 2004, ein guter Christ könne nicht SVP wählen», so Driessen, «Ich glaube, ich könnte ihm recht geben.»

Entschuldigung reicht nicht

Dieser Satz passt den SVP-Anhängern ganz und gar nicht. Roberto Martullo-Blocher, SVP-Mitglied und Ehemann von SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher, fordert laut Zeitung sogar Driessens Rücktritt. Diese tritt ihr Amt erst am 1. Juni an.

«Am besten wäre, wenn sie zurücktreten würde.»

«Eine öffentliche Entschuldigung der Zürcher Synodalpräsidentin ist das Mindeste», so Martullo-Blocher gegenüber der Zeitung. «Am besten wäre, wenn sie zurücktreten würde.» Weiter befand Martullo, Driessen vergesse «woher die meisten Steuergelder ihrer Kantonalkirche kommen: von den SVP-Leuten.»

«Ich überlege mir, ob ich zur reformierten Kirche soll.»

Der Schwiegersohn von Alt-Bundesrat Christoph Blocher ist laut Zeitung anfangs Jahr aus der Körperschaft der katholischen Kirche ausgetreten. Er zahle jedoch in den Solidaritätsfonds des Bistums Chur ein.

Den Ausstritt geben will jetzt vielleicht auch die Aargauer Nationalrätin Sylvia Flückiger, wie diese gegenüber der Zeitung verärgert kundtat. Sie habe das Austrittsformular schon heruntergeladen. «Ich überlege mir, ob ich zur reformierten Kirche wechseln soll.» Ebenso forderte SVP-Nationalrat Thomas Burgherr in der Aargauer Zeitung» eine Entschuldigung von der neuen Synodalratspräsidentin.

Entschuldigung nicht nötig

«Ich bedaure es sehr, dass meine Aussage gewissen Menschen das Gefühl gab, nicht in der Kirche willkommen zu sein», sagte Franziska Driessen auf Anfrage von kath.ch. «Wer bin ich denn, um jemanden auszuschliessen?»

Trotzdem wolle sie sich nicht entschuldigen für etwas, was sie nicht gemacht habe. «Ich will über das Thema Asylpolitik diskutieren», so Driessen. Sie kritisiere nicht die SVP an sich, sondern die Art, wie die SVP Asylpolitik betreibe. «Ich will das Gastrecht verteidigen, das eines der wichtigsten christlichen Werte darstellt.»

Bischof Huonder nimmt SVP in Schutz

Die SVP-Mitglieder bekommen Unterstützung seitens des Churer Bischofs Vitus Huonder. «Der Bischof von Chur bedauert, dass von Frau Driessen in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wurde, die katholische Kirche betrachte eine der Bundesparteien als unwählbar für einen Katholiken», hiess in einer Stellungnahme des Bistums Chur zuhanden der LZ, die kath.ch vorliegt. Denn die römisch-katholische Kirche bevormunde die Gläubigen politisch nicht.

Bistum Basel distanziert sich von Driessens Äusserung

Auch das Bistum Basel zeigt Verständnis dafür, dass die Äusserungen von Driessen Irritation ausgelöst haben. «Die römisch-katholische Kirche lädt alle Menschen guten Willens ein – unabhängig von ihrer politischen Couleur – den Glauben an Gott zu bekennen und gemäss diesem Glauben zu leben», schreibt Bistumssprecher Hansruedi Huber in einer Mitteilung. Das Bistum Basel distanziere sich von jeglicher Polarisierung und politischer Diskriminierung. «Dass es politische Themen gibt, für die sich die Kirche aus ihrer eigenen Perspektive einsetzt, ist etwas anderes als Parteipolitik.» (ft/sys)


«Ich hoffe auf ein Bistum Zürich» | © Francesca Trento
9. Mai 2018 | 16:00
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