Thomas Wallimann-Sasaki | © 2013 Josef Bossart
Schweiz
Thomas Wallimann-Sasaki | © 2013 Josef Bossart

Rechtlich geklärt – christlich-ethisch ein Schritt in die falsche Richtung!

Zürich, 24.7.15 (kath.ch) Wenn am 1. August in der Schweiz die Verordnung in Kraft tritt, nach welcher Einkaufszentren an Sonntagen unter gewissen Bedingungen ohne spezielle Bewilligungen geöffnet sein können, ist das ein weiterer Angriff auf die Sonntagsruhe. Hier unterwerfe sich die Politik einer Wirtschaft, die auf Kosten menschlicher Bedürfnisse funktioniere, schreibt der Sozialethiker Thomas Walliman-Sasaki in einem Gastkommentar für kath.ch.

Thomas Wallimann-Sasaki*

Die bewilligungsfreie Sonntagsarbeit ab 1. August ist ein Zeichen dafür, welche Werte wirklich federführend sind in der politischen Gestaltung der Arbeitswelt: Konsum, Markt, Wettbewerb! Menschen haben sich diesem Regime zu unterwerfen – sei es als Konsumierende oder als Arbeitende.

In der Tradition einer christlichen Ethik und der Katholischen Soziallehre ist klar, dass die Arbeit und die Wirtschaft für den Menschen da sein muss! Hier ist der Sonntag als Ruhetag ein wert-voller Unterbruch: er gibt nicht nur die Möglichkeit zur religiösen Praxis (Sinnfragen), sondern stoppt für eine kurze Zeit das Hamsterrad von Leistung, Umsatz, Konsum und Erfolgszwang. Der Sonntag gibt dem Leben einen andern Rhythmus und bietet Möglichkeiten für das gemeinschaftliche Zusammensein.

Der Bundesrat macht mit der veränderten Verordnung klar, dass die künftigen Tempel (Kirchen?) dem Konsum geweiht sind. Damit unterwirft sich die Politik den Kräften einer Wirtschaft, die auf Kosten von Lebensqualität und menschlichen Bedürfnissen funktioniert. Eine Wirtschaft, die wenige Gewinner, aber sehr viele Verlierer zurücklässt. In dieser Zeit, in der viele Menschen über zunehmenden Druck in fast allen Arbeitsbereichen klagen, setzt der Bundesrat mit dieser Verordnungsänderung ein Zeichen gegen die Menschen! Die von der Verordnung gesetzten Rahmenbedingungen mögen die gröbsten Ausnützungsversuche zwar mildern (etwa beim Lohn), doch die Richtung ist klar. Die wohlwollenden Äusserungen zum (baldigen) Gesuch aus Landquart senden jedoch Signale, dass diese Rahmenbedingungen kaum ernsthaft eingehalten werden wollen.

Ich bedaure diese Entwicklung ausserordentlich. Noch vermehrt sind Kirchen und konsumkritische Kräfte gefordert, für ihre Wertvorstellungen von Lebensqualität, Solidarität und Sinnfindung einzustehen. (ms)

* Thomas Wallimann-Sasaki ist interimistischer Präsident von Justitia et Pax Schweiz und Leiter des Sozialinstituts KAB

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