André Kolly | © Bernard Bovigny
Schweiz
André Kolly | © Bernard Bovigny

Rätselraten über die Zukunft der bischöflichen Medienkommission

Freiburg i. U., 24.2.15 (kath.ch) «Im Moment schichten wir Dossier aufeinander und fragen uns, wann die Bischöfe Zeit finden werden, um diese zu studieren», sagt der ehemalige Präsident der Medienkommission der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), André Kolly. Die Zukunft der Kommission sei offen. Kolly war von 1988 bis 2009 Leiter des Centre catholique de Radio et Télévision (CCRT) in Lausanne. Heute Mittwoch werden Werner De Schepper, Präsident ad interim der Kommission, sowie der Geschäftsführende Sekretär der Kommission und entlassene Infobeauftragte der SBK, Simon Spengler, aus dem Gremium offiziell verabschiedet.

Die Kommission warte, wie es weitergehen soll, sagte Kolly gegenüber cath.ch. «Wenn die Bischöfe alles selber tun wollen, sollen sie. Wir schauen ihnen dann von weitem zu.» Kolly präsidierte zum Zeitpunkt der Anstellung von Simon Spengler als SBK-Sprecher die Kommission. Dessen Mitarbeit habe die bis dahin eher verschlafene Kommission «beflügelt». Der Geschäftsführende Sekretär habe aber immer zwischen zwei Stühlen gesessen. So sei er sowohl dem Medienbischof wie auch dem Kommissionspräsidenten unterstellt gewesen. Eine weitere Kontrolle sei durch den Generalsekretär der Bischofskonferenz ausgeübt worden, so Kolly.

Das grösste Problem in den Augen des ehemaligen Kommissionspräsidenten bildete der eingeschränkte Zugang des entlassenen SBK-Sprechers zu Informationen und Dokumenten innerhalb der Bischofskonferenz. Die Arbeit der Medienkommission wie jene des geschäftsführenden Sekretärs sei durch Unstimmigkeiten bei den Bischöfen über ihre Öffentlichkeitarbeit behindert worden. Verschiedene Initiativen des entlassenen Bischofssprechers seien blockiert worden, so Kolly.

Den Bischöfen mangle es an Fähigkeit und Wille zur Zusammenarbeit. «Diese sollte nicht Ausdruck der Macht sein», meint Kolly, der im Hinblick auf die Kommission skeptisch in die Zukunft blickt.

Fragen wurden nicht beantwortet

Die Präsidenten der Medienkommission und des Vereins Katholisches Medienzentrum in Zürich hatten Anfang Februar bei SBK-Präsident Markus Büchel ihren Protest gegen die Freistellung von Bischofssprecher Simon Spengler angemeldet. Der St. Galler Bischof habe auf das Schreiben reagiert, aber auf keine der Fragen geantwortet, erklärte Interimspräsident Werner de Schepper, der aus Protest auf die Entlassung von Simon Spengler aus der Medienkommission ausgetreten ist. Medienbischof Alain de Raemy liess bezüglich des Geschehens um die Medienkommission gegenüber dem abtretenden Präsidenten lediglich verlauten, man hoffe, man werde einen guten Nachfolger finden.

Die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) hat vor einigen Jahren mehr Mittel für die Medienarbeit der Bischöfe gesprochen. Dies ermöglichte die Anstellung eines zweiten Bischofssprechers. «Heute überwiegt der Eindruck einer grossen Verschwendung. Die Bischöfe haben dies gewollt und sind das Risiko eingegangen», sagte Werner de Schepper gegenüber cath.ch, der im März die Stelle als Co-Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten» antritt. Er wisse nicht, in welcher Form die Medienkommission weiter bestehen werde. Die Bischöfe hätten diesbezüglich keine Signale ausgesendet. (gs)

 

 

 

Kirche bringt Bauernopfer dar

«Im Fall des entlassenen Mediensprechers der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Simon Spengler, stellen sich die Dynamiken ähnlich dar: Der ehemalige ‘Blick’-Journalist verstand sich zumindest auch als Sprachrohr seiner Zunft gegenüber den Bischöfen, konfrontierte sie mit unbequemen Fragen, zum Beispiel zum Missbrauchsskandal, denen sie selber lieber auswichen. Damit verärgerte Spengler die Vertreter einer kirchlichen Ex-cathedra-Kommunikation, wie sie vor allem im Bistum Chur gepflegt wird. (…) Allerdings wird man in den beschriebenen Fällen den Verdacht nicht los, dass die Kirchen derzeit Bauernopfer bringen. Sie entledigen sich jener unabhängigen Journalisten und potentiellen Brückenbauer, die nach bestem Glauben und Gewissen für ihre Kirche schrieben. ”

In der in Baden AG erscheinenden Wochenzeitschrift «Sonntag» schreibt Remo Wiegand, Redaktor der katholischen Zeitschrift «Auftrag», die Ende 2014 ihr Erscheinen einstellte, über Veränderungen in der kirchlichen Presselandschaft Schweiz. Der «Sonntag» versteht sich als katholische Publikumszeitschrift, die ohne Gelder von Kirchenleitungen oder sonstigen kirchlichen Institutionen auskommt und unabhängig über kirchliche Themen berichtet. (gs)

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