International

Propstei St. Gerold rüstet auf – auch mit einem Pferdeangebot

Die Propstei St. Gerold in Vorarlberg setzt neu vermehrt auf das Pferd. Die Tiere sollen für Therapien eingesetzt werden. Der ehemalige Abt von Einsiedeln Martin Werlen, heute Propst von St. Gerold, muss zudem grosse Bauvorhaben supervisieren.

Jakob Lorenzi

Von November 2020 bis Mai 2021 musste die Propstei coronabedingt ihre Pforten schliessen. Nun startet sie mit frischer Energie und einer Vielzahl an Plänen und Formaten in das laufende Jahr. Neben personellen Veränderungen waren es insbesondere die Sanierung der Stallung und Reithalle sowie die Vorbereitungen zur Sanierung des Haupthauses, die in den langen Monaten den Takt angaben.

Noch von Pater Kolumban eingeleitet, wird die Propstei St. Gerold seit vergangenem Jahr von einem neuen Leitungsteam geführt. Neben Propst Martin Werlen sind das David Ganahl, der die Bereichsleitung innehat, und Nathalie Morscher als Betriebsleiterin.

«Pater Kolumban war damals als Leiter sehr allein in vielen Sachen», sagt Pater Martin Werlen. «Das war auch der Grund, weshalb er letztlich nach Einsiedeln zurückging.» Ganz im Sinne des Miteinanders, auf welches in der Propstei nun grossen Wert gelegt werden soll, wird die Last nun auf mehrere Schultern verteilt.

Stall und Therapiehalle abgeschlossen

Bereits in wenigen Tagen sollen die Pferdestallungen und die Reithalle wieder bezugsfertig sein. Diese wurden für knapp 1,55 Millionen Euro neu konzipiert und waren bereits in der Vergangenheit mit knapp 600 Klient/innen und 2000 Therapieeinheiten gut ausgelastet.

Propstei St. Gerold: Die Stallung

«Mit diesen Therapien mit Pferden begleiten wir Menschen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden», informiert Julia Joswig. In Zukunft sollen die Pferde auch mehr und intensiver in den regulären Propsteibetrieb eingebunden werden – ganz im Sinne eines neuen Miteinander, das das neue Leitungsteam betont.

Stallungen mit Therapiehalle

Nachdem bereits von 2014 bis 2018 Sanierungsschritte beim Restaurant, den Gästezimmern und Seminarräumen erfolgten und die Stallungen mit der Therapiehalle fertiggestellt wurden, folgt bereits mit Ende Juli/Anfang August der nächste große Bauschritt im Zuge der Sanierung des Haupthauses.

Dieses umfasst teilweise Räumlichkeiten aus dem 11./12. Jahrhundert und soll mit der Sanierung für die Bevölkerung weiter geöffnet werden, so David Ganahl.

10,8 Millionen Euro

Nach der positiven Bauverhandlung am 15. Juni wird mit dem Abriss eines Anbaus aus den 1970er-Jahren gestartet. Dieser soll künftig unterkellert und neu aufgebaut werden. Der neue Anbau soll dann mit Treppenhaus, Pforte, Lift und diversen Zimmern wiedererrichtet werden.

«Dieser erste Bauschritt soll bis Ende 2021 abgeschlossen werden», sagt Propst Martin Werlen über den 1,4 Millionen Euro schweren Neubau. Zeitgleich soll auch das danebenliegende «Wyberhus» an die neue technische Erschliessung angegliedert werden und künftig für Seminare und sonstige Anlässe zur Verfügung stehen.

Blick auf die Propstei St. Gerold

Anschliessend werden die Räumlichkeiten selbst umgestaltet. «Wir haben wunderschöne Räume im Haupthaus, die derzeit als Wäscherei oder als Bügelzimmer dienen», sagt Pater Martin Werlen. Diese zweckentfremdeten Räume werden – wie der barocke Kreuzgang der klösterlichen Anlage – in den architektonischen Urzustand zurückgebracht und der Öffentlichkeit neu zugänglich gemacht.

So wird der bisherige Technikraum beispielsweise zum Ausstellungsraum mit historischem Tonnengewölbe und die Wäscherei zu einem «Calefactorium» (übersetzt Warmraum) mit barocker Stuckdecke. Insgesamt sind für die Sanierung des Haupthauses 10,8 Millionen Euro veranschlagt.

Kloster Einsiedeln hilft mit

Diese werden zu je 20 Prozent vom Kloster Einsiedeln und vom Land Vorarlberg gedeckt, für die verbleibenden 60 Prozent ist die Propstei auf Spenden und Sponsoring angewiesen. «Aufgrund meiner Erfahrung als Abt des Klosters Einsiedeln von 2001 bis 2003 könnte ich mir ein Package zur Mithilfe bei der Finanzierung vorstellen», sagt Propst Werlen. Darunter fallen Vorträge für Unternehmen, Seminare in der Propstei, gemeinsame Medienauftritte und Flächen für einmalige originelle Werbung. Man sei auch offen für neue Ideen.

Neue Ausrichtung, neue Formate

Der Enzyklika «Laudato sì» von Papst Franziskus folgend, möchte man in der Propstei auch zu einem neuen «Miteinander» laden. Dazu gehört, dass die verschiedenen Bereiche besser miteinander verbunden sind, wie beispielsweise die Therapiehalle und der Propsteibetrieb.

Blick in die Propstei St. Gerold

Auch der Garten wird im Sinne der vita contemplativa (des Gebets) und der vita activa (der Arbeit) neu gestaltet und soll einen Kräuter- und Naschgarten beinhalten. Formate wie «Hör-Mahl», «Schau-Mahl» und «Denk-Mahl» sollen die Angebote der Propstei bündeln und mehrfach erlebbar machen. «Einer Lesung folgt dann ein gemeinsames Essen zum Austausch beispielsweise», sagt der Propst.

Bei den PropsDAYS und PropSTAYS sollen Unternehmer, Lernbegeisterte und Erholungssuchende angesprochen werden. «Diese verbringen nicht einfach Tage in einem Seminar- und Gastronomiebetrieb, sondern können das Leben und die Einmaligkeit der Propstei in ihren Alltag integrieren», sagt Betriebsleiterin Nathalie Morscher.


Das Leitungsteam David Ganahl (v.l.), Nathalie Morscher, Julia Joswig und Pater Martin Werlen | © Katholische Kirche Vorarlberg / Jakob Lorenzi
23. Juni 2021 | 18:17
Teilen Sie diesen Artikel!