Jetzt auch auf Deutsch: Das Buch von Daniel Pittet | © Sylvia Stam
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Jetzt auch auf Deutsch: Das Buch von Daniel Pittet | © Sylvia Stam

Kinderschutz-Verantwortlicher an päpstlicher Uni reagiert auf Pittets Buch

Rom/Freiburg, 17.9.17 (kath.ch) Der deutsche Jesuit Hans Zollner hat die katholische Kirche aufgefordert, sich intensiver mit den Folgen sexuellen Missbrauchs auseinandersetzen. Es fehle eine «Theologie im Angesicht von Missbrauch, eine Theologie der Kindheit», sagte der Präsident des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana bei der Präsentation des Buches «Pater, ich vergebe euch!" des Schweizer Missbrauchsopfers Daniel Pittet am Samstag in Rom.

Obwohl seit rund 30 Jahren sexueller Missbrauch in der Kirche bekannt sei, gebe es noch immer keine theologische Auseinandersetzung mit diesem Thema, so Zollner. Während im 19. Jahrhundert etliche christliche Gemeinschaften entstanden seien, die sich der damaligen sozialen Probleme annahmen, fehlten entsprechende Initiativen für die die Betroffenen heute. Zollner mahnte weiter eine «Kultur des Schutzes der besonders Verwundbaren» an.

Zollner äusserte sich bei der Vorstellung der deutschen Übersetzung des Buches «Pater, ich vergebe euch!» von Daniel Pittet in der Deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl. Darin schildert der Schweizer Autor, wie ein katholischer Kapuzinerpater ihn über vier Jahre hinweg vergewaltigte. Der damalige Jugendpfarrer missbrauchte den Jungen von 1968 bis 1972 auf brutalste Weise.

Gewalt und Scheinheiligkeit

Sich dem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Priester zu stellen, sei «erschütternd und herzzerreissend», sagte Zollner. «Es geht um Sexualität und Gewalt, um Missbrauch des Vertrauens, um zerstörtes Leben und Scheinheiligkeit – all das im Schoss der Kirche.» Doch wer sich der eigenen dunklen Seite nicht stelle, den hole sie «früher oder später umso heftiger wieder ein». Christen müssten «in der Wirklichkeit ankommen», so der Jesuit.

Niemand könne das Böse, auch den Missbrauch von Kindern, jemals ganz besiegen, sagte Zollner. Das sei eine fatale Fehleinschätzung. Es liesse sich aber viel dafür tun, «das Risiko für Übergriffe so gering wie möglich zu halten». (cic)

«Missbrauchsopfer möchten Zeugnis ablegen»

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