Rauchzeichen

Post aus Rom, Synodaler Weg, Paulus-Akademie: Was diese Woche wichtig wird

Die Gruppe «Vielstimmig Kirche sein» hat für heute eine Mitteilung angekündigt – sie hat Post aus Rom bekommen. Daniel Kosch fordert einen Synodalen Weg für die Schweiz. Und Seelsorger zeigen am Valentinstag, dass die Schweizer Kirche weiter ist als die offizielle Sexualmoral.

Raphael Rauch

Als ich kürzlich Veronika Jehle zum neuen Hungertuch interviewt habe, wollte ich wissen, was derzeit die Chur-Kritiker von «Vielstimmig Kirche sein» machen. «Selbst wenn wir etwas sagen würden: Es würde nichts, aber auch gar nichts daran ändern, dass wir keine andere Möglichkeit haben, als zu warten», war Jehles Antwort.

Die Post aus Rom wird Martin Grichting nicht gefallen

Mittlerweile hat die Gruppe mehr zu sagen. Denn sie hat Post aus Rom bekommen. Der Brief enthält nicht den Namen des neuen Bischofs, dürfte aber trotzdem dem Apostolischen Administrator Peter Bürcher und seinem Generalvikar Martin Grichting nicht gefallen. Die Gruppe wird sich heute äussern. kath.ch wird zeitnah berichten.

SKF-Präsidentin Simone Curau-Aepli.

Gestern hat die Schweiz 50 Jahre Frauenstimmrecht gefeiert. Für katholische Frauen gab es ein kleines Geschenk. Erstmals wird mit der Französin Nathalie Becquart eine Frau Untersekretärin der Bischofssynode im Vatikan.

In dem wichtigen Gremium sitzt nun endlich auch eine Frau mit Stimmrecht. Simone Curau-Aepli vom Schweizerischen Katholischen Frauenbund lobt die Entscheidung – fordert aber weitere Reformen.

Ausländer ohne Stimmrecht

50 Jahre Frauenstimmrecht sollten auch Grund für die Römisch-Katholische Zentralkonferenz sein, der Frage nachzugehen, wie sie den Stimmlosen in der Schweizer Kirche eine Stimme geben kann. In manchen Kantonen müssen Ausländer zwar Kirchensteuern zahlen, dürfen aber nicht bei kirchlichen Wahlen abstimmen.

Sitz des Amts für Migration im Kanton Luzern

Ein Unding für eine Kirche, die predigt: «Denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.» Das unzeitgemässe Wahlrecht in manchen Kantonen zeigt: Die Kantonal- und Landeskirchen sind weniger progressiv, als ihre Forderungen an die Bischöfe manchmal tönen.

Das Thema Missbrauch wird in der Schweiz nicht energisch diskutiert

Weniger Rom, mehr Synodalität: Das ist auch das Anliegen der Frauen und Männer, die in Deutschland um Reformen in der Kirche ringen. RKZ-Generalsekretär Daniel Kosch hat den Synodalen Weg via Livestream verfolgt und einen lesenswerten Bericht verfasst.

Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz

So begrüsst er, dass künftig drei Vertreterinnen und Vertreter des Betroffenenbeirats von Missbrauchsopfern an den Beratungen teilnehmen werden. Die Schweiz könnte hier vorwärts machen: Laut Daniel Kosch werde «die Aufarbeitung der Thematik in Deutschland sehr viel energischer an die Hand genommen» und sei «weiter gediehen» als in der Schweiz.

Tradition und Zeitgenossenschaft

Der Synodale Weg hat die Vision einer synodalen Kirche mit einer «synodalen Kultur, synodalen Strukturen, synodalen Ereignissen und synodaler Repräsentation». Das erfordert eine intensive Zusammenarbeit zwischen Bischöfen und Laien.

Die Schweizer Bischöfe im Jahr 2014 beim Papst

Besonders einleuchtend ist diese Passage aus Daniel Koschs Bericht: «Nimmt man die von Papst Franziskus mehrfach wiederholte Formulierung ernst, dass das Volk Gottes ‘in credendo unfehlbar’ ist, kann es nicht dabei bleiben, dass seine Vertreterinnen und Vertreter bei wichtigen Entscheidungen keine Stimme haben. Mehr Synodalität ist also beides: Rückgriff auf die synodale Tradition der Kirche und Ausdruck ihrer Zeitgenossenschaft.»

«Gestaltwandel des Priesterlichen»

Der RKZ-Generalsekretär hält die Zeit für gekommen, in der Schweiz «die Kräfte zu bündeln und ein gemeinsames Vorhaben auf den Weg zu bringen, um sich ernsthaft, mutig und kraftvoll den Krisenphänomenen im Katholizismus» zu stellen.

Csongor Kozma

Die Paulus-Akademie gewinnt diese Woche an theologischem Profil. Der neue Direktor Csongor Cozma veranstaltet zusammen mit Partnern in Deutschland und Österreich eine Online-Tagung zum «Gestaltwandel des Priesterlichen». Was etwas sperrig klingt, will nichts weniger als das Anliegen des Synodalen Weges weiterführen.

Martin Werlen und Irene Gassmann mit dabei

Die Überlegung lautet: In Zeiten von «Relevanz- und Akzeptanzverlust» der Kirche muss auch über den Piesterberuf neu nachgedacht werden.

Irene Gassmann

An der Tagung mitwirken werden auch der Benediktiner Martin Werlen und die Priorin des Klosters Fahr, Irene Gassmann. Zusammen mit der Professorin Julia Knop wird Priorin Irene Gassmann zum Thema sprechen: «Stellvertreterin Christi, Hirtin, Knechtin: Frauen leiten Kirche». Zur Tagung kann man sich hier anmelden.

Queerer Valentinstag

Am Sonntag ist Valentinstag. Mit Silvester ist Valentin einer der wenigen Heiligen, die es in die säkularen Kalender geschafft haben. Egal ob beim schwulen Seelsorger Meinrad Furrer in Zürich oder beim Dekan von Davos, Kurt Susak: Es ist schön, dass die katholische Kirche den Valentinstag nicht den Blumenhändlern überlässt.

Meinrad Furrer

Stattdessen schafft sie Angebote, die alle Liebende einlädt – gleich welcher sexuellen Identität. Schenken auch wir nicht nur unseren Liebsten, sondern allen Menschen, mit denen wir zu tun haben, ganz viel Liebe!

Einen guten Start in die Woche wünscht Ihnen

Ihr

Raphael Rauch


Im Regiezentrum der Online-Konferenz des Synodalen Weges in Bonn. | © KNA
8. Februar 2021 | 05:00
Teilen Sie diesen Artikel!