Bundeshaus in Bern | © Barbara Ludwig
Schweiz
Bundeshaus in Bern | © Barbara Ludwig

Politik: Das Wort hat die Kirche – oder eben nicht

Zürich, 14.10.15 (kath.ch) Es ist alle vier Jahre in etwa dasselbe Spiel: Tausende wollen einen der begehrten Sitze im eidgenössischen Parlament ergattern oder verteidigen. – Was hat das mit der Kirche zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten schon viel mehr. Ein Kommentar von Martin Spilker zum Verhältnis von Kirche und Politik kurz vor dem Wahlwochenende.

Um im Plakatwald der lächelnden Gutmenschen aufzufallen, gilt es für die Kandidatinnen und Kandidaten, mit klaren und möglichst kurzen Botschaften auf sich aufmerksam zu machen. Dort dominieren Stichworte wie «Freiheit», «sichere Arbeitsplätze», «tiefe Steuern» oder – immer mehr – Aussagen wie «wahre Werte». Was aber steht hinter solchen Schlagworten? Und was wäre zu tun, wenn Themen angeprochen werden, zu denen auch aus kirchlicher Optik etwas zu sagen wäre? Mitreden.

Wie der Luzerner Politikwissenschaftler Antonius Liedhegner im Interview mit kath.ch sagt, beziehen sich einige Kandidatinnen und Kandidaten sogar ausdrücklich auf Gott und das Christentum. Gerade solchen Leuten lässt sich ganz gut auf den Zahn fühlen, wie es beispielsweise die katholische Hochschulgemeinde in Zürich vor kurzem mit drei Nationalratsmitgliedern gemacht hat. Die haben sich denn auch, Mann und Frau will ja vor den Wahlen gesehen werden, gerne in die Höhle des Löwen gewagt und ihre religiösen Bekenntnisse offengelegt. Allerdings haben alle drei auch hervorgehoben, dass sie – trotz Dutzenden von Wahlveranstaltungen – noch nie ausdrücklich zu einer Diskussion zum Thema Religion eingeladen worden seien.

Kirche ist politisch

Die Kirche soll sich aus der Politik heraushalten, ist eine landläufige Haltung. Aber das kann sie gar nicht! Wann immer sich Vertreter und Vertreterinnen der Kirche öffentlich zu Wort melden, hat das eine politische Dimension. Das mag ein grosses Wort sein. Aber zum einen dürfen wir uns glücklich schätzen, dass – auch für Kirchenvertreter – in unserem Land Meinungsäusserungsfreiheit besteht; zum anderen hat die Kirche eine grosse und starke Botschaft. Und damit hat sie einiges zu sagen in dieser Gesellschaft.

Botschaft der Bischöfe kommt an

Doch damit sind wir auch schon bei einer anderen Herausforderung, die da lautet: Wer in der Kirche nimmt zu politischen Themen wann und wie Stellung? Und in wessen Namen? Nun, das ist zugegebenermassen schon die höhere Schule der Politik. Und wie aus der Politik bestens bekannt, kann man sich hier auch ganz schön die Finger verbrennen. Das aber sollte für Kirchenvertreter und -vertreterinnen kein Grund sein, sich bei Fragen, die ihr Kerngeschäft betreffen, auch in die Diskussion einzubringen. Die Schweizer Bischöfe machen das laut dem Experten Liedhegner mehrheitlich gut, so dass die Botschaft ankommt. Und darum geht es in der Politik. Wer sich aber nicht einbringt, der kann auch nicht wahrgenommen werden. (ms)

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