Frauen Pilgern nach Rom – Startgottesdienst in St. Gallen | © 2016 Sylvia Stam
Schweiz
Frauen Pilgern nach Rom – Startgottesdienst in St. Gallen | © 2016 Sylvia Stam

Pilgerschaft «Kirche mit den Frauen» ist gestartet: «Damit uns Männern die Augen aufgehen»

St. Gallen, 2.5.16 (kath.ch) Endlich ist es soweit: Nach monatelanger Vorbereitung hat sich das achtköpfige Pilgerteam «Kirche mit den Frauen» am Montag, 2. Mai, zu Fuss auf den Weg von St. Gallen nach Rom gemacht. Nach einem Gottesdienst mit Bischof Markus Büchel machte sich die achtköpfige Pilgergruppe auf den Weg, begleitet von zahlreichen Sympathisantinnen und Sympathisanten.

Sylvia Stam

Der Einladung des Pilgerteams, bei der Eröffnungsfeier in der Kathedrale St. Gallen dabei zu sein, waren zahlreiche Interessierte gefolgt: Durch eine volle Kathedrale ziehen die Pilgerinnen und Pilger sowie weitere Unterstützende ein, gemeinsam mit Markus Büchel, Bischof von St. Gallen, und Martin Gächter, emeritierter Weihbischof des Bistums Basel, und zahlreichen Schwestern aus dem Kloster Fahr

«Gerne wüssten wir, was die Pilgerinnen und Pilger wohl letzte Nacht geträumt haben», beginnt Markus Büchel seine Begrüssungsrede. Denn: «Heute macht sich die Kerngruppe auf den Weg – mit Leib, Geist und Seele. Nicht, um denen in Rom Beine zu machen, sondern um zu zeigen, dass vor jedem Ziel eine Wegstrecke zu gehen ist.» Begleitet von sichtbar vielen Menschen – «denen euer Anliegen am Herzen liegt.»

Der Start am Gedenktag der Heiligen Wiborada, die sich als Frau mit ihren Gaben für die Kirche eingesetzt habe, freut ihn besonders. Bei der Ankunft im Rom werde zwar nicht die Heiligsprechung der Pilger erwartet. «Wir hoffen aber, dass euer Weg ein wichtiger Anstoss ist für das grosse Anliegen: Kirche – nicht ohne – mit den Frauen», so Büchel, der auch Grüsse vom Einsiedler Abt Urban Federer überbrachte.

Ein Reissverschluss und ein Läufer für den Papst

Hildegard Aepli, Pastoralassistentin und Initiantin des Projekts, freute sich ihrerseits über die zahlreich erschienenen Menschen. «So viele Menschen sind hier, die für uns einstehen. Dafür, dass Männer in der Kirche nicht mehr ohne Frauen über die Rolle in der katholischen Kirche entscheiden sollen.»

Aus fast allen Bistümern sind Gläubige angereist, die meisten aus St. Gallen und Basel. Applaus bekommen Gläubige aus den Bistümern Chur, Sitten und Freiburg-Lausanne-Genf, aber auch aus Deutschland. Ein Reissverschluss, symbolisch für das Miteinander von Mann und Frau, soll nach Rom mitgetragen und dort Papst Franziskus übergeben werden. Ebenso ein Läufer aus dem Kloster Eschenbach, bestickt mit Daten und Namen des Projekts, um den Weg, den das Projekt gegangen ist, aufzuzeigen. «Auf dem Läufer gibt es noch viel leere Flächen: Das Projekt ist nicht fertig, wenn wir in Rom sind. Für eine Kirche mit den Frauen müssen wir wahrscheinlich noch lange einstehen», so Aepli.

Auch Männer unterstützen das Projekt

Applaus erhält auch Willi Anderau, Kapuziner und Priester, der seine Gedanken zum Evangelium der Emmaus-Jünger formuliert und den Frauen zuruft: «Wandert nach Rom, damit uns Männern die Augen aufgehen und die Herzen brennen!»

Franz Mali, einziger Mann der engeren Pilgergruppe, die den ganzen Weg laufen wird, begründet sein Engagement damit, dass es nicht ausschliesslich ein Frauenprojekt ist: «Es geht um ein Miteinander und Zueinander in der katholischen Kirche. Weil wir nicht nur etwas für die Frauen, sondern auch von den Frauen erwarten, und nicht nur etwas von den Männern, sondern auch für die Männer erwarten», so Mali, der Priester und Professor für alte Kirchengeschichte an der Universität Freiburg i. Ü. ist.

Persönlicher Reisesegen

Mit auf den Weg nehmen die Pilgerinnen und Pilger auch Fürbitten, die von den Anwesenden auf kleine Zettel geschrieben wurden. In einem feierlichen Zug durch die Kathedrale sammeln die Schwestern des Klosters Fahr, deren Priorin Irene Gassmann die Etappe von Assisi nach Rom mitpilgern wird, die Zettelchen auf dem Läufer ein, ehe sie in einem der grossen Pilgerrucksäcke verschwinden.

Die Rucksäcke werden schliesslich geschultert und in einem bewegenden Moment erteilen die Bischöfe Büchel und Gächter allen acht Pilgern einen persönlichen Reisesegen. Bevor die Pilger die Kathedrale verlassen, ermuntert Aepli die Anwesenden: «Bischof Markus Büchel, Bischof Felix Gmür und Abt Urban Federer kommen am 2. Juli nach Rom. Wir hoffen, ihr alle auch!»

Kirche mit den Frauen

Zur Pilgergruppe gehören ausser Hildegard Aepli und Franz Mali auch die Pastoralassistentin Esther Rüthemann, die vor vier Jahren bereits gemeinsam nach Jerusalem gepilgert sind. Weiter laufen auch Silvia Letsch-Brunner, Cäcilia Koller, Mariette Mumenthaler, Claire Renggli-Enderle und Theres Steger Broger den ganzen Weg von St. Gallen nach Rom.

Zum Projekt gehört eine unterstützende Arbeitsgruppe mit Eva-Maria Faber, Professorin an der Theologischen Hochschule Chur, Irene Gassmann, Priorin des Benediktinerinnenklosters Fahr, Lea Stocker, Ärztin, Damian Keller, Provinzvikar der Schweizer Kapuziner. und Urban Fink, Historiker, Theologe und bis Ende April Redaktionsleiter der Schweizerischen Kirchenzeitung, neu Geschäftsführer der Inländischen Mission.

Das Kernteam lädt dazu ein, am 2. Juli bei der Ankunft in Rom dabei zu sein. Es bestehen ausserdem verschiedene Möglichkeiten, in der Schweiz oder in Italien ein Stück Weg mitzupilgern. Wem dies verwehrt ist, der kann über den täglichen Blog an den Erlebnissen der Pilgerinnen und Pilger teilhaben. (sys)

Bischof Büchel: «Pilgeraktion gibt der Frage der Frauen in der Kirche neuen Schub»

Bischof Felix Gmür: «Eine Kirche ohne die Frauen – das wäre ein Irrsinn!»

Zu Fuss nach Rom – für ein Miteinander von Mann und Frau in der Kirche

Verstört, ergriffen, überwältigt

Weitere Informationen www.kirche-mit.ch.

Eindrücke vom Pilgerstart:

Frauen Pilgern nach Rom – Rucksäcke der Pilger am Altar, im Hintergrund v.l.n.r.: Hildegard Aepli, Markus Büchel, Martin Gächter | © 2016 Sylvia Stam
Frauen Pilgern nach Rom – Rucksäcke der Pilger am Altar, im Hintergrund v.l.n.r.: Hildegard Aepli, Markus Büchel, Martin Gächter | © 2016 Sylvia Stam
Frauen Pilgern nach Rom – Schwestern vom Kloster Fahr sammeln Fürbitten ein | © 2016 Sylvia Stam
Frauen Pilgern nach Rom – Schwestern vom Kloster Fahr sammeln Fürbitten ein | © 2016 Sylvia Stam
Frauen Pilgern nach Rom – Hildegard Aepli, Initiantin des Projekts | © 2016 Sylvia Stam
Frauen Pilgern nach Rom – Hildegard Aepli, Initiantin des Projekts | © 2016 Sylvia Stam
Frauen Pilgern nach Rom – Startgottesdienst mit Hildegard Aepli, Markus Büchel, Marin Gächter | © 2016 Sylvia Stam
Frauen Pilgern nach Rom – Startgottesdienst mit Hildegard Aepli, Markus Büchel, Marin Gächter | © 2016 Sylvia Stam

Warum ich das Projekt unterstütze

«Ich unterstütze das Projekt, weil ich es einen Skandal finde, dass in der katholischen Kirche die Gleichberechtigung der Menschen an der Geschlechtertrennung scheitert», sagt der Priester und Kapuziner Willi Anderau.
«Ich bin aus Solidarität hier», sagt Elisabeth Rudolf aus Luzern. «Es gibt immer Vorkämpferinnen für ein Anliegen, das dann oft viel später zum Tragen kommt. Es braucht solche Leute, die voraus gehen!»

«Die katholische Kirche besteht wesentlich aus Frauen», findet eine Dame aus Gähwil SG. «Doch wie ernst werden sie bei deren Entscheidungen und Entwicklungen genommen? Das Projekt ist ein offizieller Versuch, die Frauen ernst zu nehmen!» Und ihre Kollegin fügt an: «Ich bin hier, weil ich es wichtig finde, dass wir Frauen auch etwas sagen in der Kirche!» (sys)

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