Kardinal Kurt Koch gibt dem neuen Basler Bischof Felix Gmür den Friedensgruss. | © Barbara Ludwig
Schweiz
Kardinal Kurt Koch gibt dem neuen Basler Bischof Felix Gmür den Friedensgruss. | © Barbara Ludwig

Pfarrei-Initiative Schweiz fordert Mitsprache statt Geheimniskrämerei

Zürich, 21.4.17 (kath.ch) Die derzeitige Praxis bei Bischofsernennungen werde der Würde des Volkes Gottes nicht gerecht, schreibt die Pfarrei-Initiative Schweiz in einer Mitteilung vom Freitag. Der Zusammenschluss Deutschschweizer Reformkatholiken fordert deshalb eine Mitwirkung des Kirchenvolkes bei der Bestellung von Bischöfen und ein transparentes Wahlverfahren. Er kritisiert die gängige «Geheimniskrämerei» und das «unwürdige Ränkespiel».

Barbara Ludwig

Die Pfarrei-Initiative Schweiz äusserte sich am Tag des Rücktritts des umstrittenen Churer Bischofs Vitus Huonder. Im vergangenen Herbst habe sich der Verein mit Vertretern der Pfarrer-Initiativen aus Deutschland und Österreich mit dem Thema «Bischofsernennungen» befasst, so die Mitteilung weiter. Dabei stellte man offenbar ein «länderübergreifendes Unbehagen» fest.

Angst vor dem Volk Gottes?

Willi Anderau, der Sprecher der Pfarrei-Initiative Schweiz, konnte auf Anfrage nicht sagen, ob es auch ausserhalb der deutschsprachigen Länder eine Unzufriedenheit mit dem Status quo gebe und aussereuropäische Reformbewegungen ähnliche Forderungen stellten. Die Art und Weise, wie Bischöfe ausgewählt würden, sei zumindest in Zentraleuropa ein wichtiges Thema, so der Deutschschweizer Kapuziner. «Die Pfarrei-Initiative Schweiz sucht deshalb insbesondere Lösungen für die deutschsprachigen Länder.»

Der Verein stösst sich an der Intransparenz der Verfahren, etwa daran, dass im Falle des Bistums Chur die Kandidatenliste, die der Nuntius nach Rom schickt, geheim bleibt. «Die Intransparenz der Verfahren zeugt von einer Angst vor der Öffentlichkeit und einer Angst vor dem Volk Gottes.» Das Volk Gottes werde wie Kinder behandelt, kritisierte Anderau. Intransparenz bei der Bestellung eines neuen Bischofs sei kein Einzelfall, sondern «eher der Normalfall» in der Weltkirche, schreibt der Verein in seiner Mitteilung.

Recht auf Mitsprache der Ortskirche

Die Pfarrei-Initiative Schweiz beruft sich mit ihrer Forderung nach Mitwirkung der Ortskirche auf eine frühere «jahrhundertelange Praxis der Wahl eines Diözesanbischofs durch Klerus und Volk». Das Kirchenvolk müsse möglichst breit und repräsentativ ins Wahlverfahren eingebunden werden, fordert die Pfarrei-Initiative. Als Beispiel wird ein Wahlkonvent genannt.

Details der konkreten Ausgestaltung müssten aber nicht jetzt festgelegt werden, sagte Anderau gegenüber kath.ch. «Wichtig ist in erster Linie, dass die Ortskirche ein rechtlich abgesicherter Anspruch auf Mitsprache bei der Bischofsbestellung erhält.» Kein Thema ist aus Sicht des Sprechers eine Volkswahl von Bischöfen.

«Es braucht noch Jahre»

Wie stehen die Chancen für eine Reform der Bischofsbestellung? «Es braucht noch Jahre», schätzt Anderau. «Aber der Unmut nimmt zu.» In den europäischen, von der Aufklärung geprägten Ländern beurteile man die aktuelle «zentralistische» Praxis der Bischofsernennungen je länger je mehr als negativ.

Der Kapuziner hält verschiedene Entwicklungen für möglich: Zum einen wäre es möglich, dass die Resignation sich verstärke und noch mehr unzufriedene Katholiken der Kirche den Rücken kehrten. Möglich wäre aber auch das Gegenteil; dass plötzlich bei den Bischöfen der Weltkirche – wie damals beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) wieder Kräfte erwachten, die der Kirche vor Ort mehr Kompetenzen zubilligten. Anderau betonte, dass dies auch ein Anliegen von Papst Franziskus sei.

Keine Hoffnung auf Unterstützung durch Kardinal Koch

Zur Bischofskongregation unterhält die Pfarrei-Initiative nach Angaben von Anderau keine Kontakte. Von ihr erhoffe man sich auch keine Unterstützung für eine Reform der Bischofsbestellung, sagte Anderau weiter. Auch nicht vom Schweizer Kardinal Kurt Koch, der Mitglied in dem Gremium ist. «Ich schätze ihn als Befürworter des zentralistischen Systems ein. Bislang hat er sich in Reformanliegen vornehm zurückgehalten.»

Die Pfarrei-Initiative Schweiz wurde im September 2012 lanciert. Im Dezember 2014 entstand aus der Bewegung von Reformkatholiken ein Verein. Dieser setzt sich unter anderem für eine Mahlfeier mit Gläubigen anderer christlicher Kirchen ein. Die Pfarrei-Initiative Schweiz wird von über 540 Seelsorgerinnen und Seelsorgern unterstützt. Zurzeit bekunden rund 1180 Personen ihre Sympathie mit den Anliegen der Initiative.


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