Blick auf die sizilianische Hafenstadt Palermo | © Katharina Wieland Müller/<a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>
Vatikan
Blick auf die sizilianische Hafenstadt Palermo | © Katharina Wieland Müller/pixelio.de

Papst Franziskus besucht Sizilien und ehrt einen Anti-Mafia-Priester

Rom, 14.9.18 (kath.ch) Am Samstag reist Papst Franziskus nach Sizilien. Dort ehrt er einen Anti-Mafia-Priester und reist an die Peripherie im Zentrum der Insel. Eine Pastoralreise ganz in seinem Sinne. Mit Gelegenheiten für deutliche Worte.

Roland Juchem

Am Samstag ist es genau 25 Jahr her, dass Don Puglisi sterben musste – durch einen Genickschuss an seinem 56. Geburtstag. Als Pfarrer in Palermo hatte er sich dezidiert gegen die Mafia ausgesprochen und dabei auch örtliche Bosse namentlich genannt. Das war den «Paten» auf die Nerven gegangen, wie einer der Auftragskiller später zu Protokoll gab. Es war der erste Mord an einem Geistlichen, den die Mafia auf Sizilien beging.

Vor gut fünf Jahren hat die katholische Kirche den mutigen Priester seliggesprochen. Rund 100’000 Menschen waren zu der Zeremonie unter freiem Himmel gekommen – ein Gottesdienst als Anti-Mafia-Demonstration. Zu Puglisis 81. Geburtstag kommt nun Papst Franziskus, um erneut den Seligen und sein Werk zu ehren. Aus Puglisis Engagement für die Armen entstanden Einrichtungen der Jugendhilfe und der Sozialarbeit, die nach ihm benannt sind.

Mafia und Kirche haben nichts gemein

Zugleich will der Papst noch einmal klar machen, dass Mafia und Kirche nichts gemein haben. Nicht immer hatte die Kirche sich deutlich gegen die örtlichen Mafiosi gestellt. Puglisis Einsatz für Jugendliche, die er den Fängen der Bosse entziehen wollte, und seine offene Kritik an Verbrechen und Korruption waren so deutlich, dass die Mafia dies nicht mehr duldete. Vier Monate vor dem Mord an ihm hatte Johannes Paul II. Sizilien besucht und in einer Predigt die Mafia und ihre Verbrechen verurteilt. In der öffentlichen Wahrnehmung eine Wende.

Ehrerbietungen vor Häsern von Mafia-Bossen

Doch bis in jüngste Zeit gibt es immer wieder Berichte von kirchlichen Prozessionen in Süditalien, bei denen es vereinzelt zu Ehrerbietungen vor den Häusern örtlicher Bosse kommt. Die Bischöfe suchen das zu unterbinden. Und der Papst hat bereits früher bekräftigt, dass Mafiosi sich durch ihre Taten automatisch exkommunizieren.

Bei seinem eintägigen Besuch auf Sizilien reist Franziskus zunächst nach Piazza Armerina in der Mitte der Insel und anschliessend in die Hauptstadt Palermo. Erwartet wird der Papst in Piazza Armerina um 8.30 Uhr. Nach Begrüssung und einer Rede vor Gläubigen auf dem zentralen Platz des Ortes fliegt das Kirchenoberhaupt um 10.15 Uhr mit dem Hubschrauber nach Palermo.

Zweistündiger Besuch – drei Tage Fest

Den ersten Papstbesuch überhaupt in dem südsizilianischen Bistum und der 22’000-Einwohner-Stadt versteht Bischof Rosario Gisana als Besuch einer «existenziellen Peripherie»: paradoxerweise nicht am Rande, sondern in der Mitte der Insel. Und so will Piazza Armerina trotz des kaum zweistündigen Aufenthaltes des Papstes drei Tage lang feiern, wie Bürgermeister Antonino Cammarata der Zeitung «La Sicilia» sagte.

Holzkreuz aus Flüchtlingsboot

In Palermo ist für 11.15 Uhr eine Messe unter freiem Himmel zu Ehren Don Puglisis vorgesehen. Im Anschluss besucht der Papst eine der Einrichtungen, die auf den Anti-Mafia-Priester zurückgehen. Dort isst er mit Gästen sowie einigen Strafgefangenen und Migranten zu Mittag. Anschliessend ist ein privater Besuch im Stadtteil Brancaccio geplant, einem sozialen Brennpunkt in dem Puglisi vor allem wirkte.

Bei zwei weiteren Begegnungen, in der Kathedrale mit Klerikern und Ordensleuten sowie anschliessend auf der Piazza Politeama mit Jugendlichen, wird Franziskus zwei weitere Ansprachen halten. Auf dem Platz soll ein 4,60 Meter grosses Holzkreuz errichtet sein, gezimmert aus den Trümmern eines Flüchtlingsbootes. Für 18.30 Uhr ist die Rückreise nach Rom vorgesehen.

Für Migranten und gegen Mafia

Die eintägige Reise bietet Franziskus genügend Gelegenheiten, zu den Themen Stellung zu beziehen, die ihm wichtig sind: Einsatz für Migranten und andere Schwache der Gesellschaft sowie gegen die Mafia. Ganz im Sinne von Don Puglisi, einem aussergewöhnlich vorbildhaften Priester. Dass solch ein Einsatz aus dem Glauben mitunter auch gefährlich ist, daran erinnert der Besuch zum 25. Todestag. Beim Prozess berichtete sein Mörder, Puglisi habe vor seinem Tod gelächelt und gesagt: «Damit hatte ich gerechnet.» (cic)

 

 

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