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Papst-Besuch bringt Westschweizer Bistum in Geldnot

Jean-Baptiste Henry de Diesbach | © Pierre Pistoletti

Genf, 12.6.18 (kath.ch) Die Kosten für den Gottesdienst am 21. Juni mit Papst Franziskus auf dem Palexpo-Gelände belaufen sich auf mehr als zwei Millionen Franken. Das entspricht den jährlichen Ausgaben des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg. Knapp eine Woche vor der Veranstaltung erneuert der diözesane Ökonom seinen Aufruf zu Spenden.

Pierre Pistoletti

Der Fall ist symptomatisch für die Gewohnheiten des Vatikans bei der Organisation einer solchen Reise. Im Februar wurde Diözesanbischof Charles Morerod vom Apostolischen Nuntius in Bern, Erzbischof Thomas Edward Gullickson, über den Besuch des Papstes beim Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) informiert.

Der Papst wünschte auch eine Messe zu feiern, deren gesamte Organisation und Finanzierung in der Verantwortung der Diözese liegt. Die Nachricht wurde unter Embargo verkündet, so dass sich das Bistum bis zur offiziellen Ankündigung am 28. Februar nicht uneingeschränkt der Organisation der Messfeier widmen konnte.

Das Organisationskomitee

Von da an wurde ein Organisationskomitee aktiv, dessen Struktur ebenfalls von Rom vorgegeben wurde: ein Projektleiter, ein liturgischer Leiter und ein Kommunikationsbeauftragter. Für diese Posten wurden der Wirtschaftsfachmann Gautier Porot, der Genfer Pfarradministrator Alain Chardonnens und Bistumssprecherin Laure-Christine Grandjean ausersehen.

Der Diözesan-Ökonom Jean-Baptiste Henry de Diesbach trat dem Trio bei und kümmert sich nun um die Finanzen des Grossereignisses in Genf. Die Ausstellungshalle Palexpo wird nun für den Gottesdienst hergerichtet. Auf der Fläche hätten sechs Fussballfelder Platz.

Der Schatzmeister sieht dem Ereignis sorgenvoll entgegen: “Wir haben das Budget noch nicht vollständig im Griff. Es hat aber bereits die Zwei-Millionen-Grenze überschritten – und das alles zu Lasten des Bistums.”

Eine Million für die Sicherheit

Der Hauptaufwand – die Hälfte der Kosten – betrifft die Sicherheit. Über 40’000 Menschen haben sich für den Gottesdienst angemeldet. Sicherheitsleute müssen mobilisiert und Sicherheitsschleusen eingerichtet werden. Die medizinische Betreuung muss sichergestellt werden. Das Parkplatzproblem muss geregelt werden. Die Signalisation muss stimmen. Und dann kommen noch zwanzig Lastwagen, welche die Stühle für den Gottesdienst bringen.

Die Infrastruktur

Die Kosten für die Infrastruktur belaufen sich bereits auf 600’000 Franken. Dazu gehören die Miete der Halle und der Aufwand für jene Fachleute, welche die Halle einrichten werden. Ein weiterer grosser Brocken sind Ton und Bild. Der Bistum-Ökonom sieht dafür 400’000 Franken vor.

Fünf riesige Bildschirme mit je 30 Quadratmetern Fläche werden aufgestellt. Dazu kommt eine Beschallungsanlage, die in der Lage ist, Reden und Lieder optimal zu übertragen. Weiter muss die Beleuchtung und alles notwendige Material installiert werden, um die Veranstaltung live in alle Ecken der Welt übertragen zu können.

Bis ins Details durchdenken

Alles muss bis ins Detail geregelt werden: Wer entlädt die Lastwagen? Wer sorgt für sichere Tribünen? Wer teilt den Platz in der Gottesdiensthalle ein? Dem Organisationskomitee stehen 300 Freiwillige zur Seite.

Viele Fragen sind noch nicht geklärt. Daher rühre die Unsicherheit im Budget, erklärt Henry de Diesbach. Die Organisatoren arbeiten unter Zeitdruck und leisten Überstunden. Der Finanzchef des Bistums gibt sich zuversichtlich: “Wir haben sehr gute Kontakte zu unseren Lieferanten, die sich zum Teil sehr grosszügig zeigen.”

Spendenaufruf des Bischofs

Beim Geld werden die Dinge noch komplizierter. Die katholische Kirche in der Schweiz ist im Grunde nicht arm. Das Geld zirkuliere aber oft ausserhalb der Bistümer, erklärt der Finanzchef. Diözesanbischof Charles Morerod hat bereits die Pfarreien seiner Diözese um finanzielle Unterstützung gebeten. “Rund fünfzehn haben schon mit einer Spende von durchschnittlich 1500 Franken reagiert. Das ist aber zu wenig”, erklärt der Diözesanschatzmeister.

Die kantonalen Körperschaften und Verbände wollen auf Antrag der Römisch-katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) 300’000 Franken an den Kosten beitragen und übernehmen eine Defizitdeckung von 250’000 Franken.

Breite Suche nach Spenden

Noch bleibt ein Loch von 1,5 Millionen Franken übrig. Um dieses zu stopfen werden die Gläubigen, die Priester und Pfarrblätter mobilisiert. Spender und Gönner werden angefragt. Dank ihnen konnte bereits die Finanzierung des Podiums sichergestellt werden, auf dem der Altarraum zu stehen kommt.

Der Spendenaufruf richtet sich an jedermann, der die Feier in Genf mit einer Spende unterstützen will. Der Vatikan, der sich nicht an den Kosten beteiligt, schliesst aus, dass an der Feier vom 21. Juni das Opfer für die Organisation des Gottesdienstes aufgenommen wird.

Das Gespenst der roten Zahlen

Wenige Tage vor der Zeremonie steht das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg deshalb vor einer grossen Herausforderung: Es möchte die Bilanz nicht mit roten Zahlen abschliessen. “Unsere Eigenmittel belaufen sich auf 370’000 Franken”, stellt der Finanzchef fest. Ohne Unterstützung geraten wir in Zahlungsschwierigkeiten.” Er geht aber davon aus, dass das Bistum nicht auf einen “Bankrott” zusteuert.

“Zwischen den Zeilen lesen”

Und wo platziert der Diözesanschatzmeister die Vorsehung in seiner Buchhaltung? “Nicht weit weg”, sagt er lächelnd. “Wir haben darüber nachgedacht, wie wir die religiösen Gemeinschaften der Diözese einbeziehen können. Wir haben ihnen unsere finanziellen Sorgen mitgeteilt, indem wir sie baten, eine Novene zum heiligen Josef zu beten, damit wir auf unsere Beine zurückfinden können. Im Bistum hoffen wir, dass sie zwischen den Zeilen lesen können.” (cath.ch/Übersetzung: gs)