Papst Franziskus
International

Papst klagt über Krieg und «Migrationshetze»

«Krieg ist völliger Wahnsinn!» Mit klaren Worten kritisiert der Papst internationale «Heuchelei». Das Geld für Waffen fehle an anderer Stelle. Beim Thema Migration macht er ein Klima der Hetze aus – wie in den 1930er Jahren.

Roland Juchem

Mit scharfen Worten hat Papst Franziskus die anhaltenden Kriege im Nahen Osten und in Nordafrika verurteilt. «Krieg ist völliger Wahnsinn; es ist wahnsinnig, Häuser, Brücken, Fabriken, Krankenhäuser zu zerstören, Menschen zu töten», sagte er am Sonntag in der süditalienischen Hafenstadt Bari. In seiner Rede vor rund 60 Bischöfen aus dem gesamten Mittelmeerraum kritisierte Franziskus zudem internationale Heuchelei. «Erst wird auf Konferenzen der Frieden beschworen, und dann kehrt man zurück, handelt weiter mit Waffen und führt Krieg.»

Für sofortiges Ende der Kämpfe in Syrien

In Bari beschloss der Papst eine mehrtägige Konferenz, bei der die Kirchenführer über soziale, politische, religiöse und kulturelle Herausforderungen der Region gesprochen hatten. Krieg sei auch deshalb «wahnsinnig», so Franziskus weiter, weil das Geld für Waffen einer Gesellschaft im Gesundheitswesen, bei Bildung und Familienpolitik fehle.

Namentlich verlangte Franziskus im Namen aller Konferenzteilnehmer ein sofortiges Ende der Kämpfe im Nordwesten Syriens. Alle beteiligten Akteure und die internationale Gemeinschaft sollten die «Waffen zum Schweigen bringen und auf die Schreie der Kleinen und Wehrlosen hören».

Gemeinsame Friedensarbeit der Religionen

Das Kirchenoberhaupt warb auch für gemeinsame Friedensarbeit der Religionen. Wer sich «gemeinsam die Hände schmutzig» mache im Einsatz für Frieden und Bedürftige, werde «sich nicht mehr wegen Glaubensgründen bekämpfen», so Franziskus.

«Die Worte einiger populistischer Redner machen mir Angst.»

Mit Blick auf das Migrationsproblem im Mittelmeerraum beklagte der Papst eine zunehmende Hetze. «Die Worte einiger populistischer Redner machen mir Angst», so Franziskus; sie erinnerten an Reden aus den 1930er Jahren. Natürlich seien die Aufnahme und Integration von Migranten nicht einfach. Man könne dies aber nicht angehen, «indem man Mauern errichtet». Niemals sei zu akzeptieren, dass Menschen, die sich voller Hoffnung auf den Weg über das Meer machten, «sterben, ohne Rettung zu erfahren».

Leider machten sich vielerorts «Gleichgültigkeit und sogar Ablehnung» gegenüber Migranten breit, betonte Franziskus. Angst verleite dazu, gegen eine vermeintliche Invasion «eine Selbstverteidigung aufzufahren». Eine «Rhetorik des Kampfes der Kulturen» diene aber nur dazu, «Gewalt zu rechtfertigen und Hass zu nähren», so der Papst.

Mittelmeerraum als «Epizentrum tiefer Bruchlinien»

Den Mittelmeerraum beschrieb der Papst als ein «Epizentrum tiefer Bruchlinien sowie wirtschaftlicher, religiöser, konfessioneller und politischer Konflikte». Die Kirche dort müsse «für Einheit und Frieden» arbeiten, auch in Kooperation mit anderen Christen, Muslimen und Juden.

Nach Worten von Erzbischof Pierbattista Pizzaballa haben die Konflikte im Nahen Osten und in Nordafrika ihre Ursachen auch in verfehlten Wirtschafts- und Entwicklungsmodellen des Westens. Das sei eine Einsicht des mehrtägigen Bischofstreffens in Bari, so der Leiter des Jerusalemer Lateinischen Patriarchats.

Mitschuld der Kirchen

In der Kolonialvergangenheit seien auch die Kirchen für derart verfehlte Modelle verantwortlich gewesen. «Heute bitten wir um Vergebung dafür, den Jungen eine derart verletzte Welt zu übergeben.»

Nach seiner Begegnung mit den Bischöfen des Mittelmeerraums und einer Messfeier mit rund 40’000 Menschen in der Innenstadt von Bari flog Papst Franziskus am Mittag per Helikopter nach Rom zurück. (kna)

Papst Franziskus | © KNA
23. Februar 2020 | 15:37
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