Vatikan

Papst an Jugendliche: Mischt euch ein!

Rom, 13.1.17 (kath.ch) Papst Franziskus hat Jugendliche in einem persönlichen Brief zu mehr Mitsprache aufgerufen. Die Kirche wolle auf ihre Sensibilität und ihren Glauben, aber auch auf Zweifel und Kritik hören. Der Ruf der jungen Generation müsse «bis zu den Hirten gelangen», appellierte er in dem am Freitag veröffentlichten Schreiben.

Franziskus verwies auf die Weisung des Ordensgründers Benedikt an Äbte, bei wichtigen Entscheidungen auch junge Mönche zu hören, denn oft werde «einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist».

Anlass der Papstbriefs ist die Weltbischofssynode 2018, deren Vorbereitungsdokument am Freitag in Rom vorgestellt wurde. Das Bischofstreffen steht unter dem Motto «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungspastoral». Jugendliche Delegierte seien nicht vorgesehen, sagte der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri. Einige sollten jedoch als Hörer – sogenannte Uditores – den Debatten folgen und an Arbeitsgruppen teilnehmen.

Ihr Schrei steigt auf zu Gott

Franziskus schrieb, die Jugendlichen seien aufgerufen, «hinauszugehen» und eine gerechtere und geschwisterlichere Welt aufzubauen. Viele erlebten dieses Hinausgehen hingegen als Flucht vor Machtmissbrauch, Ungerechtigkeit und Krieg. «Ihr Schrei steigt auf zu Gott», so der Papst.

Er bestärkte die jungen Menschen in ihrem Drang nach Veränderung, der «sich nicht der Wegwerfkultur beugen noch der Globalisierung der Gleichgültigkeit das Feld überlassen» wolle. «Hört auf diesen Schrei, der aus eurem Inneren aufsteigt!», schrieb Franziskus.

Umfrage im Web

Jugendliche sind aufgerufen, sich im Internet direkt an der Umfrage zu beteiligen. Die Seite www.sinodogiovani2018.va soll laut Baldisseri am 1. März freigeschaltet werden.

Jugendliche als Synodenteilnehmer seien nicht vorgesehen, sagte Baldisseri. Einige sollten jedoch als Hörer – sogenannte Uditores – den Debatten folgen und an Arbeitsgruppen teilnehmen.

Bessere Begleitung gefordert

Zum Synodenmotto «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungspastoral» betont das Dokument, dass «Berufung» sich nicht auf Priesteramt oder Ordensleben beschränkt, sondern auch die Entscheidung für Familie, berufliches, soziales oder politisches Engagement umfasst. Selbstkritisch verzeichnet der Text «Improvisation und Inkompetenz» bei der kirchlichen Begleitung Jugendlicher. Unvorbereitete und unreife Erwachsene in der Jugendarbeit könnten negative Abhängigkeiten schaffen; dies könne «bis hin zum Missbrauch führen».

Digitale Welt für Jugendliche Realität

Das Schreiben nimmt auch die unterschiedliche Situation katholischer Jugendlicher weltweit zur Kenntnis, etwa im Blick auf die Altersstruktur der Gesellschaft, religionssoziologische Verhältnisse oder Geschlechterrollen. Betrachtet werden unter anderem Faktoren wie Armut, Arbeitslosigkeit, Migration und Multikulturalität für die Lebenserfahrung von Heranwachsenden. Die digitale Welt sei für Jugendliche «ein echter Lebensort geworden». Hier baue die Kirche ihre eigene Präsenz teils erst auf. «Hier kann sie bestimmt etwas von den Jugendlichen lernen», heisst es in dem Text. (cic)

Papst fordert Jugend zu Kritik auf | © KNA
13. Januar 2017 | 16:59
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