Pakistan: Stürmung von Christenviertel im letzten Moment verhindert

Islamabad, 26.5.15 (kath.ch) In Pakistan ist im letzten Moment die Stürmung eines Christenviertels durch aufgebrachte Muslime verhindert worden. Nach einer angeblichen Beleidigung des Islam durch einen jungen Christen habe eine Menschenmenge am Sonntag, 24. Mai, den Verkehr zur alten Christensiedlung von Lahore unterbrochen, Reifen angezündet und Steine in Richtung der Häuser geworfen, meldet der römische Pressedienst Zenit am Dienstag.

Auf Vermittlung von Erzbischof Sebastian Francis Shah und einiger Muslimführer sei die Polizei noch rechtzeitig eingeschritten und habe die Menge bis Mitternacht zurückgedrängt. «Es ist das erste Mal, dass die Regierung rechtzeitig reagiert und Menschen und Häuser gerettet hat», betonte Shah gegenüber Zenit.

Ausgelöst wurden die Protest durch einen jungen, offenbar geistig zurückgebliebenen Mann, der beim Aufräumen seines Hauses einige Zeitungsblätter verbrannt haben soll, auf denen auch Koranverse abgedruckt waren. Eine genaue Klärung sei bislang nicht möglich gewesen, er werde versuchen, im Gespräch mit dem Mann den Ablauf zu ermitteln, betonte Erzbischof Shah. Das rasche Eingreifen der Polizei führte er auf die jüngsten Kontakte zu örtlichen Politikern und Muslimführern nach heftigen Ausschreitungen Mitte März zurück. Damals war es bei Anschlägen auf zwei Kirchen in Lahore zu heftigen Ausschreitungen gekommen.

Shah beklagte, dass bei Verstössen eines einzelnen Christen in seinem Land stets die ganze Gemeinde in Mitverantwortung gezogen werde. «Wenn dagegen ein Muslim wegen Blasphemie belangt wird, muss er allein die Konsequenzen tragen.» Das pakistanische Zivilgesetz sieht in Artikel 295 B, dem sogenannten Blasphemie-Paragrafen, eine Gefängnisstrafe für jeden vor, der den Koran schändet. Ein geistiger Defekt habe keine mildernden Umstände, schreibt Zenit unter Berufung auf Fachjuristen der römischen Lateran-Universität. (kap)

26. Mai 2015 | 15:24
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