Päpstliche Kinderschutzkommission: Bischöfe müssen Missbrauch streng ahnden

Rom, 7.2.15 (kath.ch) Die päpstliche Kinderschutzkommission drängt auf schärfere Konsequenzen für Bischöfe, die sexuellen Missbrauch in ihren Diözesen nicht hart genug ahnden. «Das muss Folgen haben», sagte der Leiter des Gremiums, der Bostoner Kardinal Sean Patrick O’ Malley, am Samstag im Vatikan. Die Kommission könne zwar keine konkreten Vorschläge machen, doch die Frage nach dem Umgang mit Bischöfen, die ihrer Pflicht nicht nachkämen, sei ein wichtiger Punkt.

Das von Papst Franziskus eingerichtete Gremium aus Laien und Geistlichen tagt seit Freitag bis Sonntag im Vatikan. Es soll Vorschläge und Initiativen für einen wirksameren Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen im kirchlichen Raum entwickeln.

Missbrauchsopfer: Zölibat spielt eine Rolle

Das britische Missbrauchsopfer und Kommissionsmitglied Peter Saunders erklärte, die Kirche müsse im Umgang mit pflichtvergessenen Bischöfen «einen besseren Job machen». Er wünsche sich auch eine intensivere Debatte über die Motive von Missbrauchstätern. Das Etikett «pädophil» reiche zur Erklärung nicht aus. Seines Erachtens spielen der Zölibat und die Einsamkeit von Priestern eine Rolle. Saunders war als Jugendlicher von einem Priester seiner Schule missbraucht worden.

O’Malley widersprach allerdings der Vermutung, dass die vorgeschriebene Ehelosigkeit katholischer Pfarrer den Missbrauch begünstige. Die meisten Taten geschähen vielmehr in der Familie.

Fast alle Bischofskonferenzen haben Missbrauchsrichtlinien entwickelt

Gleichwohl müsse die Kirche bei Priesteramtskandidaten genauer hinschauen. Nach den Worten des Kardinals haben bisher fast alle Bischofskonferenzen weltweit die von der Glaubenskongregation 2011 angeforderten Richtlinien zum Umgang mit Missbrauch entwickelt und an den Vatikan geschickt. Lediglich aus einigen Ländern mit sehr schwacher Infrastruktur stünden sie noch aus.

Auch Züchtigung ist Thema

Neben dem sexuellen Missbrauch widmet sich die Kommission dem Kardinal zufolge auch Strategien gegen die körperliche Misshandlung von Kindern. Dazu gebe es eine eigene Arbeitsgruppe. Saunders betonte, das Prügeln dürfe in der heutigen Erziehung keinen Platz mehr haben. Papst Franziskus hatte bei seiner Generalaudienz am Mittwoch Irritationen mit einer Äusserung über das Schlagen von Kindern ausgelöst. Sie legte nahe, dass der Papst eine Züchtigung in bestimmten Grenzen billige, nicht aber Schläge ins Gesicht. «Ich glaube, der Papst wusste, dass seine Worte falsch waren, und wollte damit eine Diskussion auslösen», meinte Saunders.

In die Kinderschutzkommission hat Papst Franziskus 17 Laien und Geistliche berufen, darunter zwei Missbrauchsopfer. Sieben Mitglieder sind Frauen, von den zehn Männern sind fünf Priester. Aus Deutschland gehört ihr der Jesuit und Psychologie-Professor Hans Zollner an. (kna)

 

 

 

 

 

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