Newsweek: «Ist der Papst katholisch?»

New York/Rom, 11.9.15 (kath.ch) Das US-Magazin «Newsweek» fragt in seinem neuesten Titel: «Ist der Papst katholisch?» In der Unterzeile beantwortet es die rhetorische Redewendung selbst: «Natürlich ist er es – aber Sie würden bei einer Presseschau nicht drauf kommen.» Deutlichen Widerstand gegen das vereinfachte Eheannullierungsprozedere gibt es anscheinend nicht nur in den USA, sondern auch in der Kurie selber.

Das Titelbild zeigt den Papst mit gesenktem Kopf und in einem Licht, als wären die Scheinwerfer im Studio gerade abgeschaltet worden. Der Blick geht ins Leere. «Ist der Papst katholisch?» bedeutet im Englischen so viel wie: «Ist eine Zitrone sauer?»

Hintergrund der Titelgeschichte sind die jüngsten Reformen im katholischen Kirchenrecht, die die Annullierung katholisch geschlossener Ehen erleichtern sollen. Konservative Kritiker sprechen von einer «katholischen Scheidung».

In den USA und auch in der US-Kirche gibt es Vorbehalte und Widerstände gegen den Reformkurs des Papstes, der sich vor allem für Barmherzigkeit gegenüber den Ausgeschlossenen der Gesellschaft sowie für Umweltschutz und eine Umkehr in der Klimapolitik einsetzt.

US-Kardinal Raymond Burke sieht durch das neue Gesetz die Ehe einem «teuflischen Angriff» durch die Gesellschaft und bestimmte katholische Kreise ausgesetzt. Selbst innerhalb der Kirche zögen manche vor, «im Namen der Toleranz zum Angriff auf die Gültigkeit der Ehe zu schweigen», sagte er diese Woche.

Widerstand in der Kurie wächst

Gemäss der Deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» regt sich auch in Europa Widerstand gegen den Kurs des Papstes. In der Kurie und darüber hinaus zirkuliere ein «Dossier», in welchem hochrangige Geistliche im Vatikan die jüngsten Entscheidungen des Papstes kritisierten. Das Dossier liste «die vermeintlichen Sünden des Papstes systematisch» auf, so die Zeitung in ihrer Beilage «Christ und Welt». Viele «Monsignori» in der Kurie seien «ausser sich».

Auslöser sei das am vergangenen Dienstag von Papst Franziskus veröffentlichte Motu Proprio mit dem Titel «Mitis Iudex Dominus», das das Ehenichtigkeitsprozedere vereinfachen und beschleunigen will. In besagtem «Dossier», das auch in der Glaubenskongregation und im Staatssekretariat Verbreitung finde, werde das Gesetz zur Erleichterung der Ehenichtigkeits-Prozesse «juristisch in seine Einzelteile zerpflückt». Die Hauptvorwürfe lauteten, der Papst habe die bei einer für die Kirche derart essentiellen Materie zuständigen Gremien umgangen und de facto die «katholische Scheidung» eingeführt.

Von einer «bedenklichen Entwicklung» sei in dem mehrseitigen Schreiben die Rede, das geregelte Verfahren der Gesetzgebung in der Universalkirche sei «ausgehebelt» worden. Die meisten Sicherungen im Eheprozess seien wissentlich «ausgeschaltet» worden. (kna/gs)

Artikel Newsweek

11. September 2015 | 13:30
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