Missbrauch | © European Parliament/Pietro Naj-Oleari
Vatikan
Missbrauch | © European Parliament/Pietro Naj-Oleari

Neue Kinderschutzkommission wird von Betroffenen beraten

Rom, 17.4.18 (kath.ch) Zum fünfjährigen Amtsjubiläum von Papst Franziskus Mitte März konzentrierten sich Medien oft auf die Themen Kurienreform und schleppender Umgang mit Missbrauch. Dass in der Sport- und Filmwelt dieses Thema erst sieben Jahre nach Bekanntwerden und beginnender Aufarbeitung in der katholischen Kirche Schlagzeilen machte, wird weniger wahrgenommen. 

Roland Juchem

Nicht, dass alles glatt liefe bei der Aufarbeitung des Skandals in der Kirche. Das zeigt aktuell der Missbrauchsskandal in Chile, der den Papst zu einem Schuldeingeständnis zwang und nun eine tiefgreifende Aufarbeitung der Fälle verlangt.

Eine solche nun ist nicht die Aufgabe der päpstlichen Kinderschutzkommission. Diese soll vielmehr helfen, Voraussetzungen zu schaffen, damit so etwas möglichst nicht mehr passiert. Von Donnerstag bis Sonntag trifft sich die Kommission erstmals in neuer Besetzung in Rom. Geleitet wird sie wie bisher von Kardinal Sean O’Malley aus Boston, Mitglied des K9-Kardinalsrates, der den Papst bei der Kurienreform berät. Die neue Kommission besteht aus 16 Personen, neun von ihnen wurden neu berufen – unter ihnen auch Opfer sexueller Gewalt.

Aus Frust zurückgetreten

Ob die Betroffenen als solche an die Öffentlichkeit treten, ist offen. Ob es überhaupt ratsam ist, dass in einer solchen Kommission selbst Opfer mitarbeiten, wird durchaus diskutiert. So war in der ersten Kommission Peter Saunders als Vertreter eines Opferverbandes suspendiert worden, weil er sich nicht an Abmachungen der Kommission gehalten habe. Die Irin Marie Collins war aus Frust über langsame Arbeit in Vatikanbehörden vor gut einem Jahr zurückgetreten.

Betroffene dabei

Nun soll es zudem einen Beirat geben, dem Betroffene von Missbrauch angehören. Zusammengestellt wird dieser von der britischen Psychiaterin Sheila Hollins, die der ersten Kommission angehörte. Eventuell gibt es schon vor Beginn der Tagung ein Treffen von Mitgliedern der Kommission und des Beirats.

Jünger und digital versierter

Insgesamt ist das neue Gremium jünger – was ihr Wissen um die digitale Welt verbessert – und internationaler. So sind erstmals Indien und der portugiesische Sprachraum vertreten. Mit dabei auch der Leiter des italienischen Kindernotrufs «Telefono Azzurro», Ernesto Caffo, und der Kinderrechtsexperte des UN-Menschenrechtskommissariats, Benyam Dawit Mezmur aus Äthiopien.

Neue Mitglieder

Neu ernannt wurden zudem die niederländische Professorin für Kirchenrecht in Erfurt, Myriam Wijlens, der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche in Australien, Neville John Owen, der Gründer des Drogenentzugszentrums Fazenda da Esperanca in Brasilien, Nelson Giovanelli Rosendo, sowie Teresa Kettelkamp, frühere Direktorin des Kinderschutzbüros der US-Bischofskonferenz.

Zu viele Anfragen

Der deutsche Psychologe und Theologe Hans Zollner, Leiter des 2012 gegründeten Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, gehört der Kommission seit 2014 an. Mehr als 250 teils mehrtägige Schulungen auf allen Kontinenten hat der Jesuit in den letzten drei Jahren abgehalten. Inzwischen sei das Bewusstsein für das Problem immerhin so gross, dass er mehr Anfragen bekomme, als er und sein Team erfüllen könnten.

Auf dem Stand der Gesetzgebung Deuschlands

Kritik daran, dass manches nur langsam vorangeht, kann der 51-Jährige zum Teil nachvollziehen. Was ihn wundert, sind falsche Erwartungen. So sind für die innerkirchliche Aufarbeitung von Missbrauchsfällen Kirchengerichte zuständig sowie die Disziplinarabteilung der Glaubenskongregation. «Das Kirchenstrafrecht ist da auf dem Stand der Gesetzgebung etwa in der Bundesrepublik Deutschland», betont Zollner.

Informieren und schulen

Die Kinderschutzkommission soll den Papst als Oberhaupt der Gesamtkirche beraten. Ihr Aufgabenfeld erstreckt sich neben dem Kontakt zu Betroffenen in erster Linie auf Initiativen und Möglichkeiten, Minderjährige im kirchlichen Raum zu schützen. Zweitens geht es darum, kirchliche Leitlinien zu Prävention und Intervention zu verbessern und anzuwenden – dazu könnte etwa der Papst sie befragen, wenn er den Skandal in Chile nun gründlicher aufarbeiten will. Schliesslich soll die Kommission Verantwortliche informieren und schulen.

Zweimal jährlich

Treffen wird sich die Kommission vermutlich zweimal jährlich in Rom. «Jeder von uns hat noch etliche andere Aufgaben», weist Zollner auf das begrenzte Zeitbudget der Kommissionsmitglieder hin. Welche einzelnen Arbeitsgruppen es geben wird und wann die sich gegebenenfalls auch regional treffen – all das soll ab Donnerstag in Rom besprochen werden. (cic)

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