Schweiz

Nach Versöhnungswort von Pfarrer Bucheli: Bischöfe hüllen sich in Schweigen

Bürglen/Freiburg i.Ü./Chur, 16.2.15 (kath.ch) Der Pfarrer von Bürglen UR, Wendelin Bucheli, hat am Sonntag, 15. Februar, zu seiner Lesben-Segnung Stellung genommen. Im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst räumte Bucheli ein, die Segnung des Paares «nicht genügend diskret» vorgenommen zu haben. Zudem versprach der Pfarrer, sich dafür einzusetzen, dass in der Pfarrei wieder Ruhe und Frieden einziehe. Weder das Bistum Chur noch die Diözese Lausanne-Genf-Freiburg wollen sagen, ob Bucheli nach dieser Erklärung in Bürglen bleiben darf. Generalvikar Martin Kopp, der direkte Vorgesetzte von Bucheli, kann auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Barbara Ludwig

Bucheli soll seine Pfarrei verlassen, weil er im vergangenen Oktober in der Pfarrkirche von Bürglen ein Lesben-Paar gesegnet hat. Am 8. Februar hatte das Bistum Chur mitgeteilt, der Westschweizer Bischof Charles Morerod rufe «nach Absprache mit Bischof Vitus Huonder» Bucheli in sein Heimatbistum zurück. Der Pfarrer hat aber nicht vor, in die Westschweiz zurückzugehen. Dies liess er Anfang vergangener Woche über eine gemeinsame Mitteilung des Kirchenrates und der Gemeinde Bürglen verlauten.

Wie Bucheli als Seelsorger arbeitet

Am Sonntag, 15. Februar, hat Bucheli selber öffentlich zur Lesben-Segnung Stellung genommen. Dabei erklärte der Pfarrer auch, an welchem «Leitwort» er sich in der Seelsorge orientiere: «Verbinde dich mit Christus. Lasse dich auf das ein, was dir begegnet. Du wirst erkennen, was zu tun ist.» In dieser Haltung habe er auch die Anfrage der beiden Frauen vernommen. Er sei «in die Stille gegangen» und habe Rat gesucht bei einem Priester und Jesuiten.

Dann sei es für ihn eine «grosse Freude» gewesen, den beiden Personen sagen zu dürfen, dass Gott Ja zu ihnen sage, «so wie sie sind». «Mit tiefem Frieden im Herzen sagte ich ihnen, dass Gott sie auf dem gemeinsamen Weg beschütze werde, und erteilte ihnen den Segen Gottes», sagte Bucheli in Gegenwart zahlreicher Katholiken aus seiner Gemeinde.

Bucheli bereut Segnung nicht

Bucheli räumte aber auch ein, dass er die Segnung «nicht genügend diskret» vorgenommen habe. Es seien deswegen Menschen verletzt worden. «Jene, die ich zu wenig geschützt habe und die dadurch verletzt worden sind, bitte ich um Verzeihung.» Dass der Pfarrer die Segnung als solche bedaure, sagte er nicht. Bucheli versprach zudem, dass er sich im Gespräch mit Huonder für eine Wiederherstellung des Vertrauens einsetzen wolle. Oberstes Ziel sei Versöhnung. Dem Pfarrer ist es wichtig, dass wieder «Ruhe und Frieden» in der Pfarrei einzieht.

Ziehen die Bischöfe mit dieser Erklärung Buchelis die Strafversetzung zurück? Am Tag nach der Erklärung hüllen sich die Bischöfe Huonder und Morerod in Schweigen. In Freiburg wolle man das Gespräch zwischen dem Priester und Morerod abwarten und sich zurzeit nicht zur Angelegenheit äussern, teilte Bistumssprecherin Laure-Christine Grandjean am Montag, 16. Februar, mit. Der Gesprächstermin sei noch offen. Das Bistum Chur verweist ebenfalls auf dieses Gespräch; bis auf weiteres werde es keine öffentlichen Aussagen zum Fall Bucheli machen, teilte Bistumssprecher Giuseppe Gracia mit.

Auch Generalvikar Martin Kopp, der direkte Vorgesetzte von Bucheli, kann auf Anfrage keine Stellung nehmen. Er sei über die Erklärung Buchelis «nicht informiert», so Kopp am Montag, 16. Februar, gegenüber kath.ch. Am Gottesdienst in Bürglen habe er nicht teilgenommen.

Generalvikar kritisiert mangelhafte Untersuchung

Gegenüber Radio SRF4 News (16. Februar) kritisierte Kopp jedoch deutlich die Reaktion Churs auf die Segnung. Zwar hätte «jedem Pfarrer, der sich in diesem Rahmen bewegt» bewusst sein müssen, «dass eine Reaktion folgen muss». Dennoch hätte es eine «richtige Untersuchung» geben müssen, in der «alle Elemente» zusammengetragen werden. Der Betroffene hätte zu Wort kommen müssen im Rahmen der Untersuchung, «nicht nur in einem letzten kurzen Gespräch». Ausserdem hätte man eine Gewichtung der Motive vornehmen müssen, so Kopp gegenüber SRF. Der Generalvikar bezeichnete das Vorgehen der Diözese als «problematisch».

Kopp hofft, dass Bucheli in Bürglen bleiben kann. «Er ist ein viel zu guter Seelsorger. Ich kann als Personalchef nicht auf ihn verzichten.» Die Segnung hält Kopp jedoch für einen «unklugen Akt», wie er vergangene Woche gegenüber kath.ch sagte.

Über 35’800 Personen unterstützen Online-Petition für Pfarrer

Im Konflikt mit Huonder geniesst Bucheli den Rückhalt seiner Pfarrei. Auch die Gemeinde Bürglen steht hinter ihm. Die am Sonntag, 8. Februar, auf der Internetplattform avaaz.org gestartete Online-Petition zugunsten von Bucheli wurde unterdessen von über 35’800 Personen unterzeichnet (Stand 16.30 Uhr). (bal)

Wendelin Bucheli, Pfarrer von Bürglen UR, gibt am 15. Februar 2015 in der Pfarrkirche eine Erklärung zur Lesben-Segnung ab. | © 2015 Hans Merrouche
16. Februar 2015 | 17:25
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