Andreas Thiel nimmt Stellung zur Satire nach «Charlie Hebdo» l © 2015 kath.ch
Schweiz
Andreas Thiel nimmt Stellung zur Satire nach «Charlie Hebdo» l © 2015 kath.ch

Nach «Charlie Hebdo»: Video zur Selbstzensur bei den Schweizer Karikaturisten

Zürich, Basel 17.1.15 (kath.ch) Gibt es seit dem Attentat von Paris eine Schere im Kopf? kath.ch hat namhafte Karikaturisten in der Schweiz interviewt. Felix Schaad vom Tages-Anzeiger, Marco Ratschiller vom Nebelspalter und das enfant terrible der Schweizer Satire-Szene, Andreas Thiel – ebenfalls Cartoonist, nehmen Stellung vor der Kamera.

Hans Merrouche

Für Felix Schaad vom Tages-Anzeiger ist es ganz klar, dass eine Form der Selbstzensur besteht. «In einem gewissen Grad arbeiten alle mit einer Schere im Kopf. Ich versuche eigentlich immer etwas Elegantes zu sagen … Die Karikatur hat unendlich viele Möglichkeiten, etwas auch indirekt anzudeuten.» Auch Marco Ratschiller, Chefredaktor des Nebelspalters, gehört zu den Tauben unter den Karikaturisten. Seiner Meinung nach geht es gar nicht um Selbstzensur: «Wir stellen uns die Frage, was der Leser will … Unsere Leser schätzen eher eine Satire, die zwischen den Zeilen stattfindet. Dazu braucht es nicht eine Satire, die vor allem der Provokation dient.» Offensichtlich steht der Schweizer Nebelspalter in einer anderen Satire-Tradition als Charlie Hebdo.

Der Satiriker Andreas Thiel bringt den Konflikt im Video von kath.ch auf den Punkt: «Die Schere im Kopf ist sicher nicht gut. Jetzt unmittelbar nach den Anschlägen, wenn ich etwas zu Mohammed sage, stellt sich die Frage: Mache ich es nun erst recht … oder will ich kein Öl ins Feuer giessen? Das muss jeder für sich entscheiden.» Dieser Rückzug auf die individuelle Entscheidung bedeutet für Thiel eine neue Tonlage. In den vergangenen Monaten hat er öffentlich den Koran als gewalttätige Schrift angeklagt. Dabei war auf weite Strecken nicht deutlich, ob er hier als Satiriker auftrat, oder die Rolle des «agent provocateur» übernommen hat. Nach dem Attentat auf Charlie Hebdo stellt sich auch für Andreas Thiel die Lage vollständig neu dar. Er ist überzeugt: »Für den Satiriker gelten genau dieselben, klaren, moralischen Regeln wie für jeden anderen Menschen auch.»

Das Video «Schweizer Karikaturisten nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo» ist abrufbar auf kath.ch in der Rubrik «Highlights».

(cm)

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