Mystikerin und Feministin: Zum 500. Geburtstag eine Pilgertour zu Teresa von Avila

Avila, 28.3.15 (kath.ch) Eine stilisierte Ordensfrau, eine Sonne wie ein Feuerball und ein Weg voller Fussabdrücke: So ist die «Teresiana» illustriert, die Urkunde zur neuen Route auf den Spuren der heiligen Teresa von Avila, deren 500. Geburtstag in diesen Tagen begangen wird. 17 spanische Städte haben ihrer prominenten Tochter jetzt einen eigenen Pilgerweg gewidmet. Grossstädte wie Valladolid, Granada oder Sevilla sind genauso dabei wie etwa das Dorf Villanueva de la Jara in der Provinz Cuenca.

Hilde Regeniter

«Wir wollen die Leute anregen, Spanien von einer ganz anderen Seite kennenzulernen», sagt Hector Palencia, der im Stadtrat von Avila für Tourismus zuständig ist. Parteiübergreifend seien die Kommunalpolitiker einig gewesen, dass die neue Route viele Chancen eröffne, gerade auch für die krisengebeutelten kleineren Orte. Und tatsächlich sei das Interesse schon in den ersten Monaten des Jubiläumsjahres stark gestiegen. Besucher kämen vor allem aus dem europäischen Ausland, aber auch aus Südkorea oder den Philippinen.

Clevere Geschäftsfrau

Dabei, so betont Karmeliterpater Antonio Gonzalez im Geburtshaus Teresas, stehen nicht nur die Spuren der Heiligen und späteren Kirchenlehrerin im Vordergrund, sondern genauso die der Mystikerin, Autorin und Feministin. Obwohl Teresa im strikt von Männern dominierten Spanien des 16. Jahrhunderts lebte, gelang es ihr immer wieder, Gelder und Gönner für ihre Klostergründungen aufzutreiben.

Sie, die ihren Nachfolgerinnen ein Leben in strenger Klausur empfahl, legte selbst in einer klapprigen Kutsche Tausende Kilometer kreuz und quer durch Spanien zurück: eine clevere Geschäftsfrau mit spirituellem Tiefgang und viel Sinn für Poesie, wie ihr umfangreiches Werk belegt.

Das gilt auch für ihre Autobiografie «Das Buch meines Lebens», in dem Teresa wortgewandt ihren Lebensweg nachzeichnet, der am 28. März 1515 in Avila begann. Hier verbrachte sie nicht nur ihre Kindheit und Jugend, sondern die ersten 39 Jahre ihres Lebens. Hierher kehrte sie auch in den späteren bewegten Jahren als Klostergründerin immer wieder zurück.

Auf den Weg schauen, um zum Ziel zu kommen

«Du hast die gleichen Wege wie ich beschritten und die gleiche Landschaft angeschaut, die ich gesehen habe», heisst es im kunstvoll kalligrafierten Text der Pilgerurkunde, den der Lokaldichter Jose Pulido der Heiligen in die Feder geschrieben hat. Sie selbst hat vor nicht ganz einem halben Jahrtausend formuliert: «Würden wir auf nichts anderes sehen als auf den Weg, so wären wir bald am Ziel.» (kna)

28. März 2015 | 13:17
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Spirituelle Orte und eindrückliche Landschaft

Das Logo der neuen Teresa-Route ist eine dreiteilige Spur aus Fersenabdruck, Fussballen und Wanderstab. Es führt in Avila zum Beispiel zu jener Stelle, an der einst ihr Geburtshaus stand und heute ein Männerkloster; dann zu ihrer allerersten Gründung, dem Kloster San Jose; und schliesslich zum berühmten Menschwerdungskloster, in das sie als junges Mädchen eintrat und in dem sie später viele mystische Erlebnisse hatte. Die Legende berichtet, wie Teresa hier einst im Kreuzgang auf ein Kind traf. Das fragte sie nach ihrem Namen, und sie antwortete: «Ich bin Teresa de Jesus, Teresa von Jesus – und du?» Und der kleine Junge erwiderte: «Ich bin Jesus de Teresa, Jesus von Teresa.»

In Avila startet auch der Fusswanderweg «Von der Wiege bis zum Grab», der über 118 Kilometer bis zu Teresas Sterbeort Alba de Tormes führt. Auf staubiger Schotterpiste geht es durch die karge Landschaft Altkastiliens, durch schier endlos wirkende Felder und immer wieder an Steineichen. Da fällt es leicht, sich vorzustellen, wie Teresa einst unter den dachartigen Kronen dieser für die kastilische Hochebene typischen Bäume Schutz vor glühender Hitze oder peitschendem Wind gesucht haben mag. (kna)