Ein Iraner erzählt von seiner Konversion| © Regula Pfeifer
Schweiz
Ein Iraner erzählt von seiner Konversion| © Regula Pfeifer

Muslimische Asylbewerber finden Weg zu Freikirchen

Zürich, 17.7.17 (kath.ch) Nach der Flüchtlingswelle 2015 fing alles an: Muslimische Flüchtlinge konvertierten immer öfters zum Christentum. Dieser Trend aus Deutschland hat nun auch die Schweiz erreicht wie die «NZZ am Sonntag» (NZZaS 16. Juli) berichtete. Insbesondere evangelische Freikirchen sind an den Flüchtlingen interessiert.

Francesca Trento, Georges Scherrer

Morgens früh in der Bahnhofshalle Freiburg: Die Passanten eilen auf ihre Züge. Zwei dunkelhäutige Asylsuchende verteilen Handzettel an die Pendler; auch an ein Mitglied der kath.ch-Redaktion. Beim näheren Hinblicken entpuppt sich das dargebotene Papier nicht als eine Werbebroschüre für ein neues Süssgetränk, die am Bahnhof verteilt wird. Das Blatt zeigt vielmehr Jesus. Abgedruckt ist ein Gebet und die Anschrift einer französischsprachigen evangelischen Freikirche in der Stadt.

Die Diskussion mit dem Mann, der das Blatt verteilte, erübrigt sich. Er spricht nur ein paar Brocken Französisch. Wer mehr zum Thema Jesus wissen will, muss sich an die Freikirche wenden. Die Begegnung befremdete. Doch das Thema Freikirchen und Asylsuchende nimmt in der Schweiz an Bedeutung zu, wie verschiedene Zeitungen berichten.

Bibelstunden und Taufvorbereitungen

Bibelstunden und Taufvorbereitungen würden Asylbewerbern von gewissen Freikirchen angeboten, heisst es in der NZZaS. Unter den Konvertiten sind laut Zeitung vor allem Iraner und Afghanen zu finden. Dass Flüchtlinge Freikirchen besonders anziehend finden, kann der Islamwissenschaftler Jörn Thielmann aus Erlangen verstehen.

Deren Gemeinschaften böten mehr Nestwärme und zeigten mehr Offenheit für die Konversion von Muslimen als die grossen Landeskirchen, wie er gegenüber der NZZaS sagte.

Stimmt der Trend?

Im Bistum Basel wurden in den letzten Jahren Konversionen von Muslimen zum Christentum vermerkt, wie Mediensprecher Hansruedi Huber auf Anfrage feststellte. Die Statistiken zeigen jedoch nicht, ob es sich bei den Konvertiten um Asylsuchende handelte oder nicht. Lediglich acht Prozent der Konvertiten im Jahr 2016 sind laut Statistik muslimischen Glaubens gewesen.

Die Freikirche ICF konnte diesen Trend auf Anfrage von kath.ch jedoch nicht bestätigen. Der Dachverband freikirche.ch, bei dem 16 Freikirchen Mitglieder sind, war für eine Auskunft nicht erreichbar. Die katholische und reformierte Landeskirche des Kantons Bern konnten ebenso keinen «Tauf-Trend» bestätigen. Das Phänomen zeigt sich also nach Recherchen von kath.ch eher bei kleineren Freikirchen.

«Tauf-Trick»

«Muslimische Flüchtlinge setzen auf Tauf-Trick» betitelte die Zeitung «Blick» (16. Juli) diesen Trend. Flüchtlinge würden sich immer mehr Schweizer Freikirchen anschliessen, um als Christen nicht ihr Herkunftsland zurückgeschickt zu werden, so der Vorwurf in der Zeitung. «Die Behörden haben aber die Masche durchschaut», heisst es weiter. Das Bundesverwaltungsgericht, die letzte Instanz bei Asylsuchenden, beschäftigt sich laut der NZZaS mittlerweile rund 30-mal pro Jahr mit solchen Fällen. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) sei vor allem gegenüber Asylsuchenden aus Iran skeptisch.

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