Roter Platz in Moskau mit Basilius-Kathedrale | © pixabay.com
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Roter Platz in Moskau mit Basilius-Kathedrale | © pixabay.com

Menschenrechtler kritisieren russisches Verbot von Zeugen Jehovas

Moskau/New York, 21.4.17 (kath.ch) Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisiert das vom Obersten Gericht Russlands ausgesprochene Verbot der Zeugen Jehovas. Das am Donnerstag in Moskau veröffentlichte Urteil sei ein gravierender Verstoss gegen Russlands Verpflichtung auf Achtung der Religions- und Versammlungsfreiheit, erklärte die Organisation am Freitag in New York.

Mehr als 100’000 Angehörige der Glaubensgemeinschaft in ganz Russland sind nach Angaben der Organisation betroffen. Die Zeugen Jehovas kündigten unterdessen an, sie wollten die Entscheidung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anfechten.

Als extremistische Gruppe eingestuft

Das Oberste Gericht hatte am Donnerstag einen Antrag des Justizministeriums gebilligt, in dem die Glaubensgemeinschaft als extremistische Gruppe eingestuft wird, die die öffentliche Ordnung bedrohe und Familien zerstöre. Die Zentrale der Gruppe und ihre 395 Regionalverbände würden geschlossen, ihr Besitz beschlagnahmt, hiess es. Laut Human Rights Watch drohen Zeugen Jehovas, die ihren Glauben weiter ausüben, künftig Strafverfolgung, Geldstrafen oder gar Gefängnis bis zu zehn Jahren.

Verbot von Publikationen

Die Menschenrechtsorganisation verweist auf Angaben des russischen Justizministeriums, nach denen seit 2007 bereits mehrere Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas verboten worden seien. In den meisten Fällen sei das mit dem Argument untermauert worden, die Zeugen Jehovas beanspruchten eine Überlegenheit gegenüber anderen Religionen und hielten ihre Auslegung der Bibel für allein gültig. Im Februar war die Zentrale der Zeugen Jehovas in Sankt Petersburg durchsucht worden. Weltweit haben die Zeugen Jehovas rund acht Millionen Mitglieder. (kna)

 

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