Vatikan

Medienrüffel: Papst kritisiert verzerrte Berichterstattung über Familien

Rom, 23.1.15 (kath.ch) Papst Franziskus ruft Eltern auf, ihre Kinder zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Neuen Medien zu erziehen. Solche Kommunikationsmittel könnten in Familien «sowohl hinderlich als auch förderlich sein», heißt es in der am Freitag veröffentlichten Botschaft des Papstes zum Mediensonntag, der in der Schweiz unter dem Motto «Good News» dieses Jahr am 17. Mai begangen wird.  Franziskus kritisiert eine verzerrte Berichterstattung über Familien in den Medien. Diese dürften nicht nur als «Problem oder Institution in der Krise» dargestellt werden.

Bedenklich seien Neue Medien dann, erklärt der Papst, wenn sie dazu führten, nicht mehr zuzuhören, sich innerlich abzusondern und «jeden Augenblick der Stille und des Wartens zu übertönen». Hilfreich seien sie hingegen, wenn sie den Austausch und das Erzählen förderten oder Kanäle seien, um «Dank zu sagen und um Verzeihung zu bitten und immer wieder Begegnungen zu ermöglichen».

Franziskus fordert die Familien auf, ihr Verhältnis zu den Neue Medien selbst aktiv zu gestalten und sich nicht von diesen steuern zu lassen. Dies könne jedoch nur gelingen, wenn die persönliche Begegnung ihren zentralen Stellenwert im Familienleben behalte. Eltern müssten auf diesem Feld die «ersten Erzieher» sein, so Franziskus. Hierbei dürften sie jedoch nicht alleingelassen werden und müssten von christlichen Gemeinden Unterstützung erfahren.

Papst: Medien reden zuwenig über die konkrete Realität in den Familien

Weiter wendet sich der Papst gegen eine «Tendenz» der Medien, Familien nur als «abstraktes Modell» oder Ideologie darzustellen, die es zu verteidigen oder anzugreifen gelte. Es fehle oft der Blick auf die konkrete Realität der Familie als Ort, «wo wir alle lernen, was es bedeutet, in der empfangenen und geschenkten Liebe zu kommunizieren».

Insgesamt hebt Franziskus in dem dreieinhalbseitigen Schreiben die zentrale Rolle der Familie als Schule der Kommunikation hervor. Der «positive Kreislauf» von Empfangen und Geben sei die Kernkompetenz der Familie und das Muster für jede Kommunikation. Der Mutterleib bezeichnet er als «erste Schule der Kommunikation».

Kindern Nutzung von sozialen Netzwerken nicht verbieten

Medienerziehung sollte nach Ansicht des Vatikan ein größere Rolle in der katholischen Familienseelsorge spielen. Die Gemeinden müssten Eltern mehr dabei helfen, ihren Kindern einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Neuen Medien beizubringen, forderte der Präsident des päpstlichen Medienrats, Erzbischof Claudio Maria Celli, am Freitag im Vatikan. Zugleich wandte er sich dagegen, Kindern die Nutzung sozialer Netzwerke ganz zu verbieten. «Das bringt überhaupt nichts», so Celli. Die Eltern müssten ihnen vielmehr zeigen, wie man damit richtig umgehe. Celli äußerte sich bei der Vorstellung der päpstlichen Botschaft zum katholischen Weltmedientag.

Der 1963 ins Leben gerufene katholische Welttag der sozialen Kommunikationsmittel wird in der Schweiz dieses Jahr am 17. Mai begangen. Das diesjährige Thema lautet: «Darstellen, was Familie ist: Privilegierter Raum der Begegnung in ungeschuldeter Liebe.»

«Good News» für Familien auch in der Schweiz ein Thema

In der Schweiz läuft die Kampagne zum Mediensonntag seit einigen Jahren unter dem übergreifenden Motto «Good News». Auch bei uns wird die Kampagne auf das Thema Familie fokussiert. Nicht zuletzt im Hinblick auf die Weltsynode im Herbst in Rom zu «Kirche, Familie und Partnerschaft» kommt den kirchlichen Medien eine grosse Bedeutung zu. Auch das katholische Medienzentrum kath.ch will dazu Anstösse für die kirchliche Debatte geben. Zudem wird wieder ein Good-News-Preis vergeben. Dieses Jahr für Menschen oder Organisationen, die das Thema Familie und Partnerschaft positiv als «Good News» in die Medien brachten.

Der Papst veröffentlicht seine Botschaft zu diesem Thementag jährlich am 24. Januar, dem Fest des heiligen Franz von Sales (1567-1622); er ist Patron der Journalisten. (cic/dsw)

Grosses Medeinthema: der Kindermord in Flaach | © 2015 Werner de Schepper
23. Januar 2015 | 12:00
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