Conny Giammarresi, Medium. Szenenbild aus «Winna – Weg der Seelen» | © Printscreen SRF1
Schweiz
Conny Giammarresi, Medium. Szenenbild aus «Winna – Weg der Seelen» | © Printscreen SRF1

Medienkritik zu «Winna»: Seelenwanderwege

Zürich, 14.11.15 (kath.ch) Der Film «Winna – Weg der Seelen» erzählt von den Erfahrungen von Wallisern mit dem Jenseits. Schweizer Fernsehen SRF zeigte den Film in «Sternstunde Religion» (8. November) mit anschliessender Diskussion. Eine Medienkritik von Fabian Kramer, Redaktionsleiter der «Reformierten Presse».

Im Wallis wandern nicht nur die Touristen, sondern auch die Toten. Für letztere gibt es längere Strecken, wie von Visp über den Siwiboden nach Saas-Grund (gut sieben Stunden), oder kürzere wie von Jeizinen nach Faldum im Lötschental (knapp drei Stunden). Hier sind die Seelen der Verstorbenen unterwegs, um Busse zu tun und dem Fegefeuer zu entkommen. So will es alter Volksglaube. Wer das komisch findet, sollte den Film «Winna – Weg der Seelen» sehen, der 2015 erfolgreich in den Schweizer Kinos lief und nun im Rahmen einer «Sternstunde Religion» gezeigt wurde.

Einfache Bergler erzählen darin in breitestem Walliserdeutsch über ihre Erfahrungen mit dem Jenseits. Wunderliche Welt, denkt man sich als Zuschauer und geniesst erst einmal die atemberaubenden Naturaufnahmen. Aber dann macht einen der Freimut der Erzählenden doch neugierig, der Detailreichtum ihrer Geschichten sowieso. Die Skepsis bröckelt wie Walliser Felsgestein, das Misstrauen schmilzt wie Alpenschnee, spätestens, als eine junge Frau bildhaft berichtet, wie sie als Kind nachts zum ersten Mal ihr ganzes Zimmer voller Totengeister sah.

Aber eigentlich geht es in «Winna» gar nicht so sehr darum, das Publikum von der Wirklichkeit irgendwelcher Geistwesen zu überzeugen. Der Film zeigt durchaus Humor im Umgang mit seinem Thema. Als beim Dreh plötzlich das Licht ausgeht, wird gleich ein Verstorbener verdächtigt. Regisseurin Fabienne Mathier gelingt etwas viel Wertvolleres: Sie entführt uns in eine Welt, in der Menschen noch ein magisches Verhältnis zur Natur und zu ihren Wesen pflegen. In dieser Welt zählen Geschichten, nicht Meinungen, und sie können wahr sein, selbst wenn sie erfunden sind.

Bei der an den Film anschliessenden Diskussion zwischen einer protestantischen Theologin und einem professionellen Medium über Jenseitskontakte standen sich die Meinungen dann leider wieder wenig versöhnlich gegenüber. Spiritualistische Erfahrungsberichte trafen auf wissenschaftliche Skepsis. Irgendwann kam Moderator Norbert Bischofberger zum Schluss, dass man sich in den Raum-Zeit-Kategorien unseres Lebens gar nicht sinnvoll über das unterhalten kann, was nach dem Tod ist. Immerhin darin waren sich alle einig. (fk)

Dieser Artikel erschien erstmals in der «Reformierten Presse» (Nr.46/13. November 2015).

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