Medea Sarbach, Schweizer Delegierte an der Jugend-Vorsynode in Rom | © Bernard Hallet
Schweiz
Medea Sarbach, Schweizer Delegierte an der Jugend-Vorsynode in Rom | © Bernard Hallet

Jugendliche wünschen sich von der Kirche Hilfe in existentiellen Fragen

Basel/Freiburg, 3.10.18 (kath.ch) Am Mittwoch startet in Rom die Bischofssynode zur Jugend. Bischöfe aus aller Welt werden das Thema «Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung» erörtern. Aus der Schweiz nimmt Jugendbischof Alain de Raemy teil.

267  Bischöfe und 23 Experten werden gemäss aktueller Angaben zur Jugendsynode in Rom erwartet. Teilnehmen werden auch 49 ausgewählte Hörer und Hörerinnen (»Auditores»). Sie sollen mitdiskutieren, haben laut Synodensatzung jedoch kein Stimmrecht. Einziger Auditor aus dem deutschsprachigen Raum ist der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Thomas Andonie.

Der Vatikan hat sich schon vor der Synode bemüht, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Eine Gelegenheit war die «Vorsynode der Jugendlichen», die vom 19. bis 24. März in Rom stattfand.

Mehr als 300 junge Menschen aus aller Welt nahmen an dieser teil. Im Juni entstand dann das «Instrumentum laboris" (Arbeitsdokument) der Synodenväter. Dieses stützt sich insbesondere auf die Erfahrungen aus dem vorsynodalen Treffen ab sowie auf  Antworten von über 200’000 Jugendlichen aus aller Welt,  welche über das Internet zu Fragen des Vatikans Stellung genommen haben.

Am vorsynodalen Treffen in Rom nahm aus der Schweiz auch die junge Baslerin Medea Sarbach, Theologiestudentin an der Universität Freiburg, teil. Gegenüber dem Westschweizer Pfarrblatt «L’Essentiel» bezeichnete sie das Treffen im März als «einzigartige Erfahrung». Die jungen Menschen, die verschiedenen Religionen, Überzeugungen und Kulturen angehörten, hätten ehrlich und offen miteinander gesprochen.

Existentielle Fragen und Kirche

Die grössten Schwierigkeiten, die heute Jugendliche hätten und in welchen sie sich Hilfe von der Kirche wünschten, seien existentielle Fragen zu Leben und Berufung, erklärte die Baslerin in der Spezialausgabe, welche «L’Essentiel» im Vorfeld der Bischofssynode veröffentlichte.

«Ich denke nicht nur an die Berufung zum Priestertum, sondern auch an Ehe und Beruf.»

Medea Sarbach führte ihre Aussage weiter aus: «Ich denke nicht nur an die Berufung zum Priestertum oder zum Leben in einer Ordensgemeinschaft, sondern auch an Ehe, Beruf oder den Platz in der Gesellschaft im Allgemeinen.»

Kirche herausfordern

Die Kirche könnte dazu beitragen, die einzigartige Berufung jedes Einzelnen zu erkennen und Antworten auf den Sinn des Lebens zu finden. Der christliche Glaube verändere die Vision der eigenen Identität. «Ich denke, die Frage ‘Wer bin ich?’ ist für viele junge Menschen heute sehr wichtig», sagte Sarbach. Manchmal sei es ziemlich schwierig, die Person zu sein, die man wirklich ist, und dabei «ohne Maske» aufzutreten.

«Ich bin daher sehr dankbar dafür, dass die Kirche Anregungen und Kritik berücksichtigt hat.»

Medea Sarbach beschreibt die Jugend von heute als ehrlich und dynamisch. Sie habe viel Energie und Ideen. Gerade aus diesen Gründen brauche die Kirche junge Menschen. Sie forderten jedoch die Kirche heraus, damit sie aus bekannten Mustern ausbreche und kreativ und mutig werde.

Auch Kirchenfremde einbeziehen

An der Vorsynode nahmen ebenfalls «kirchenfremde» oder atheistisch eingestellte Jugendliche teil, unter ihnen zwei aus der Schweiz. Auch diesen hätten dazu beigetragen, die «jungen Menschen von heute» zu verstehen, so Sarbach.

«Die Vielfalt der verschiedenen Religionen, Überzeugungen und Kulturen, aber auch der verschiedenen Gemeinschaften und Bewegungen, hat dazu beigetragen, das Abschlussdokument der Vorsynode zu formulieren», erklärte die Studentin aus Basel. Über Menschen, die der Kirche nicht nahe stehen, sei es für diese leichter zu verstehen, welchen Eindruck sie der Gesellschaft von sich vermittelt. «Ich bin daher sehr dankbar dafür, dass die Kirche ihre Anregungen und Kritik berücksichtigt hat.»

Auf zwei Ebenen hören

Jugendbischof Alain de Raemy kommt in der Sonderausgabe des Pfarrblatts ebenfalls zu Wort. Für ihn werden die Bischöfe an der Synode vor allem eines tun müssen: «Zuhören.» Der Jugendbischof präzisierte den Gedanken: «Wir werden gemeinsam hören müssen, was der Heilige Geist der Kirche im Allgemeinen und den über die ganze Welt verstreuten Kirchen im Besonderen sagt.»

«Verstehen, was Gott will und was ich will und was mir widerfahren ist.»

Das könne nur auf zwei Ebenen geschehen. Zum einen über das gemeinsame Gebet. Dieses beinhalte auch das Hören auf die anderen Bischöfe, welche «für die gleichen Anliegen wie ich beten». Zum anderen werde de Raemy in seinen Überlegungen auf all dem aufbauen, was er mit den Jugendlichen bisher erlebt und ausgetestet habe. Diese beiden Ebenen werde er zusammenfügen und «sehen, was daraus wird».

Eigene Erfahrung einbringen

Der Bischof sieht es als richtig an, dass Papst Franziskus der Familiensynode von 2015 eine Synode über die Jugend folgen lässt. Den Themen Jugend und Glaube habe der Papst das Thema «Berufungsunterscheidung» beigefügt.

«Das ist sein Steckenpferd», so de Raemy. Es liege im Adrenalin des Jesuiten Jorge Mario Bergoglio, dass sich alles «in der Kirche und zugleich bei jedem Gläubigen» entwickle. Dabei müsse die Fähigkeit mitspielen, zu verstehen, was Gott wolle und «was ich will und was mir widerfahren ist».

Jede Situation verlangt gemäss de Raemy geeignete Schritte nach vorne. Allgemeine Antworten gebe es nicht. Gott berücksichtige alle und jeden Einzelnen. Bezüglich des Themas der Jugendsynode brauche es Jugendliche und weniger junge Menschen, «die uns helfen, das Leben von heute klarer zu erfassen.» Und danach werde es darum gehen, das Jetzt zu analysieren. (cath.ch/gs)

«Die vielen Jugendlichen sind ein Zeichen, dass die Kirche nicht tot ist»

Jugendbischof Alain de Raemy | © Pierre Pistoletti
Jugendbischof Alain de Raemy | © Pierre Pistoletti
Weihbischof Marian Eleganti | © Marsch fürs Läbe
Weihbischof Marian Eleganti | © Marsch fürs Läbe

Warum Marian Eleganti als Jugendbischof zurücktrat

Im März dieses Jahres trat der Churer Weihbischof Marian Eleganti an der Vollversammlung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) überraschend als Jugendbischof zurück. Hintergrund war die Wahl des stellvertretenden Delegierten für die Bischofssynode. Eleganti habe Weihbischof Alain de Raemy, bis dahin Jugendbischof für die französische Schweiz, selbst vorgeschlagen, wie er im März gegenüber kath.ch sagte.

Bei der Wahl eines Ersatzbischofs, für den Fall, dass de Raemy erkranken sollte, entschied sich die SBK für Urban Federer, Abt von Einsiedeln und ebenfalls Mitglied der Bischofskonferenz. Eleganti, damals Jugendbischof für die deutschsprachige Schweiz, fühlte sich von der Mehrheit der SBK in seinem Amt nicht gestützt und trat daraufhin als Jugendbischof zurück.

Da die Delegierten erst noch vom Vatikan bestätigt werden mussten, durften die Namen im März noch nicht bekannt gegeben werden. Erst Mitte September bestätigte der Vatikan, dass Alain de Raemy die Schweiz an der Bischofssynode vertreten wird. (sys)

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