Schweiz

Mauro Jöhri: Toskana statt Tessin

Holz sammeln, Reben schneiden und keine Pilger: Das Leben von Mauro Jöhri hat sich geändert, seit er aus dem Tessin in die Toskana gezogen ist.

Georges Scherrer

Der ehemalige Generalmagister der Kapuziner* hatte sich vor einem Jahr in das Kloster Madonna del Sasso oberhalb von Locarno zurückgezogen. Dort lebte er als einfacher Mönch.

Er traf dort auf eine Wirklichkeit, die sich stark geändert hat, erklärt er heute gegenüber kath.ch. Bereits vor dreissig Jahren lebte er schon einmal in diesem Kloster. Damals kamen viele Pilger zum Wallfahrtsort. Sie stiegen die beiden steilen Wege zum Kloster hinauf oder benutzten das Funiculare, die Standseilbahn, um zur Wallfahrtsstätte zu gelangen.

Aufstieg zum Wallfahrtsort Madonna del Sasso.

Heute würden nur noch wenige Pilger den Weg zum Kloster mit dem grandiosen Blick auf den Lago Maggiore nehmen, sagt Mauro Jöhri. Auch der Gottesdienstbesuch sei deutlich zurückgegangen. Die Mitbrüder in Locarno leisteten dank der Unterstützung von Kapuzinern aus der Lombardei gute Arbeit. Mauro Jöhri beschloss, eine neue Aufgabe anzugehen.

Ort der Stille als Treffpunkt

Das Ziel war nun die Internationale Bruderschaft der Kapuziner. Der neue Generalmagister der Kapuziner, Roberto Genuin, und somit Nachfolger von Mauro Jöhri in diesem Amt, hat die Entwicklung des Ordens im Blick.

Die Mitgliederzahlen des Ordens gehen in Europa zurück, stellt Mauro Jöhri fest. Roberto Genuin möchte darum einen Ort schaffen, wo sich Kapuziner aus der ganzen Welt zurückziehen können.

Als Ort des Stille und des Gebets wählte der Generalmagister das Kloster Le Celle nahe der Stadt Cortona. Dieses wurde 1211 durch den heiligen Franz von Assisi gegründet.

«Die Präsenz der Kapuziner gewährleisten.»

Mauro Jöhri

Ordenszukunft im Blick

Der Orden will dort ein Netzwerk internationaler Brüderlichkeit schaffen. Dem Orden soll dies ermöglichen,  die «Präsenz des Kapuziner hier und dort im Hinblick auf eine Zukunft mit weniger, aber hoffentlich immer bedeutenderen Auftritten zu gewährleisten», erklärt Mauro Jöhri.

Er betrachtete, noch in Locarno, die Herausforderung als eine interessante Aufgabe. «Darum bin ich darauf eingestiegen», sagt er über die brüchige Telefonverbindung aus der Toskana. Er verliess das Locarneser Kloster.

Madonna del Sasso

Dort sah er für sich keine Aufgaben mehr. «Ich habe mich nicht gegen etwas entschieden, sondern für eine Arbeit, von der ich sage: Es lohnt sich», erklärt er im Nachhinein.

Projekt für alle

Es schien ihm zudem richtig, dem Orden ein Zeichen zu geben und «mich für ein Projekt zur Verfügung zu stellen, das uns alle betrifft».

Jetzt lebt er in der Einsiedelei bei Cortona. Diese zählt sieben Brüder. Sie stammen aus Italien, Nigeria, Malta, Slowenien und der Schweiz. Ihre Aufgabe ist es, die Mitbrüder und Pilger aus aller Welt zum empfangen.

«Wir leben wie Einsiedler.»

Mauro Jöhri

Warten auf bessere Zeiten

Das Kloster ist auch für Touristen ein wichtiger Anziehungspunkt. Aber nicht in Zeiten des Corona-Virus. Die Besucher blieben aus. «Wir leben wie Einsiedler», kommentiert Mauro Jöhri die Situation.

«Wir beschäftigen uns mit Studium und Handarbeit und warten darauf, dass bessere Zeiten kommen», meint er schmunzelnd am Telefon. Das Gebäude sei in einem «sehr einfachen und armseligen Zustand».

Die Atmosphäre lade aber geradezu zum zurückgezogenen Leben und zur Stille ein.

Arbeit im Wald und Garten

Was heisst für einen Mönch von heute eigentlich «Handarbeit»? Die Mönche von Celle gehen viel in den Wald, wo sie Waldarbeiten erledigen. Das Kloster besitzt Olivenhaine. Die Bäume müssen geschnitten werden.

Zudem sind etliche Vorbereitungsarbeiten für die Aussaat und die Bepflanzung des Gartens zu leiten, erklärt Mauro Jöhri zum Abschluss des Gesprächs.


* Der Generalmagister oder Generalobere steht den nationalen und übernationalen Provinzen eines Ordens vor. Der Bündner Mauro Jöhri war Theologieprofessor in Chur und Lugano und von 2006 bis 2018 Generalmagister der Kapuziner mit Sitz in Rom. Mehr zum Kapuzinerorden im Historischen Lexikon der Schweiz.

Mauro Jöhri | © Hans Merrouche
28. März 2020 | 09:30
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