Terroranschlag auf Satirezeitung «Charlie Hebdo» in Paris | © 2015 ARD Tagesschau, Screenshot der Sendung «Tagesschau in 100 Sekunden» (7. Januar)
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Terroranschlag auf Satirezeitung «Charlie Hebdo» in Paris | © 2015 ARD Tagesschau, Screenshot der Sendung «Tagesschau in 100 Sekunden» (7. Januar)

Massaker bei «Charlie Hebdo»: Katholisches Blatt «absolut solidarisch»

Aktualisierte Zusammenfassung bis 15 Uhr

Paris, 7.1.15 (kath.ch) Bei einem Anschlag auf das islamkritische Satiremagazin «Charlie Hebdo» in Paris sind mindestens zwölf Menschen erschossen und vier schwer verletzt worden. Zwei vermummte Männer mit Schnellfeuerwaffen überfielen am Mittwochvormittag die Redaktion der Satirezeitung. Die Täter sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiter auf der Flucht.

Staatspräsident Francois Hollande erklärte, es handele sich ohne Zweifel um die Tat von Terroristen. Die Angreifer sollen Medienberichten zufolge bei ihrem Überfall mehrfach «Allah ist gross» gerufen haben. Augenzeugen berichteten zudem, die Täter hätten «Rache für den Propheten» skandiert.

Der Dachverband der Muslime in Frankreich sprach laut der Zeitung «Le Monde» von einem «barbarischen Akt» gegen die Demokratie. Der in Frankreich prominente Imam Hassen Chalghoumi erklärte: «Die Barbarei der Angreifer hat nichts mit dem Islam zu tun.» Auf Hass könne man nicht mit Gegenhass antworten, sagte der aus Tunesien stammende Geistliche dem TV-Sender BFMTV. «Die Journalisten sind die Märtyrer der Freiheit», so Chalghoumi.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb in einem Telegramm an Hollande, diese «abscheuliche Tat» sei nicht nur ein Angriff auf die Franzosen, sondern auch «ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit, ein Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur».

Auch der Bundesrat hat sich am frühen Nachmittag geäussert. «Die Schweiz verurteilt das Attentat in Paris entschlossen und richtet Frankreich ihr Beileid aus», schreibt Bundesratssprecher André Simonazzi im Namen der Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga auf Twitter.

US-Präsident Barack Obama sagte Frankreich Unterstützung bei der Suche nach den Verantwortlichen zu. Der britische Premierminister David Cameron erklärte, Grossbritannien stehe an der Seite seines Verbündeten gegen «jede Form von Terrorismus».

Französische Zeitungen bekundeten unterdessen Solidarität mit «Charlie Hebdo». «Das Magazin hat die Unterstützung aller, auch jener, die es wegen seiner religiösen Satire kritisch sehen», sagte der Chefredakteur der christlichen Wochenzeitung «La Vie», Jerome Anciberro, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Seine Zeitung habe umgehend eine Botschaft «absoluter Solidarität» an die Redaktionsmitglieder von «Charlie Hebdo» und ihre Familien geschickt, so Anciberro. Man sei von dem Angriff «wie vor den Kopf gestossen». Er hoffe aber, dass Frankreich, die Bevölkerung, die Medien und die Politik angesichts einer solchen Provokation ihre Ruhe bewahrten.

Bereits 2011 war nach einer Mohammed-Karikatur auf der Titelseite ein Brandanschlag auf die Redaktion mit Sitz in Paris verübt worden. Wenige Stunden vor dem tödlichen Anschlag hatte am Mittwochmorgen Papst Franziskus eine Gruppe französischer Imame im Vatikan begrüsst. Die islamischen Vorbeter sassen in der ersten Reihe bei der
wöchentlichen Generalaudienz in der Audienzhalle. Aus den Reihen der Imame gab es Applaus für den Papst. Die Imame beraten derzeit im Vatikan gemeinsam mit Vertretern der katholischen Kirche aus Frankreich und Kurienmitarbeitern über Möglichkeiten des interreligiösen Dialogs. (wds/kna)

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