Universität Luzern | © Georges Scherrer
Schweiz
Universität Luzern | © Georges Scherrer

Luzerner Regierungsrat weist Vorwürfe von Theologieprofessor Mark zurück

Luzern, 16.8.18 (kath.ch) Der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss, der zugleich Präsident des Universitätsrats ist, weist die Vorwürfe von Martin Mark zurück. Die Finanzabläufe der Universität seien geregelt und transparent, sagte Wyss gegenüber Schweizer Radio SRF. In einer Mitteilung vom 16. August entgegnet Mark, dass die Probleme jedoch tiefer lägen. Das Kantonsgericht Luzern hat die Freistellung Marks, die per Ende Juli erfolgte, inzwischen sistiert.

Er sei im Sommer 2017, damals noch als Dekan der theologischen Fakultät, auf Dinge aufmerksam geworden, sagte Martin Mark gegenüber dem Regionaljournal (14. August). «Mir war seit längerem aufgefallen, dass ich die Budgets seit Beginn meiner Dienstzeit im Herbst 2014 nicht genauer kannte, sodass ich eine eigene Finanzanalyse durchgeführt habe.»

Laut SRF kritisierte er daraufhin in Berichten an den Rektor und an den Universitätsrat fehlende Kontrollmechanismen, Kompetenzüberschreitungen, Begünstigungen, verdeckte Finanzströme sowie Intransparenz in der Budgetierung und Rechnungsführung der Theologischen Fakultät. «Es geht um asymmetrische Zuteilungen und Insiderwissen, das nur bestimmten Leuten zugänglich war», so Mark gegenüber SRF. Entsprechend habe er mehr Transparenz gefordert.

«Keine Missstände bei finanziellen Abläufen»

Reto Wyss, Luzerner Regierungsrat | © Kanton Luzern
Regierungsrat Reto Wyss weist in der Sendung die Vorwürfe zurück. Der gesamte Universitätsrat habe sich detailliert mit den von Mark in einem Bericht festgehaltenen Kritikpunkten befasst. «Die finanziellen Abläufe der Universität sind geregelt. Sie werden im Rahmen der Aufsicht durch die Finanzkontrolle des Kantons Luzern angeschaut.» Dies sei die Revisionsstelle der Universität Luzern. Die Finanzverantwortlichen der Universität hätten dem Universitätsrat aufgezeigt, wie Budgetierung, Rechnungsstellung und die Finanzabläufe vor sich gingen.

«Der Universitätsrat kam zum Schluss, dass das transparent ist und dass es keine Missstände gibt bezüglich der finanziellen Abläufe» – weder an der theologischen Fakultät noch an der Universität insgesamt. Über die Zuteilung der Mittel könne man immer diskutieren, aber «der Prozess ist sehr transparent», so Wyss gegenüber SRF. Laut Wyss gibt es im Bericht von Mark weitere Punkte, zu denen er nicht im Detail Stellung nehmen könne, die aber ernst genommen würden. Es werde geprüft, ob zu gegebenem Zeitpunkt Massnahmen notwendig seien.

Tiefer liegende Probleme

Martin Mark | © Thomi Studhalter
In einer Medienmitteilung vom 16. August bestätigt Mark, «dass die finanziellen Abläufe an der Universität geregelt sind und dass auch entsprechende formale Kontrollen stattfinden.» Die Probleme lägen allerdings tiefer. Es stellten sich Fragen, wie detailliert das Budget sei, wer hinter den einzelnen Ausgabeposten stehe oder ob bei der Zuteilung mit gleichen Massstäben gemessen werde.

Mark erwähnt ausserdem, dass Wyss im Gespräch mit ihm in einigen Punkten Handlungsbedarf erkannt habe und dass Universitätsrektor Bruno Staffelbach prüfe, ob zu gegebener Zeit Massnahmen nötig seien.

Freistellung sistiert

Die Universität hatte Martin Mark per Ende Januar 2019 gekündigt. Das Vertrauensverhältnis für eine Weiterführung der Anstellung fehle, hiess es seitens der Universität. Weitere Angaben würden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht gemacht. Mark geht davon aus, dass seine Kritik im Herbst 2017 zu seiner Absetzung als Dekan und nun zu seiner Freistellung per Ende Juli geführt hat, wie er gegenüber SRF sagte.

Die Freistellung wurde inzwischen durch das Luzerner Kantonsgericht sistiert, wie das Gericht auf Anfrage bestätigte. Über die Gründe und die Dauer der Sistierung dürfe aufgrund des laufenden Verfahrens keine Auskunft gegeben werden, hiess es seitens des Gerichts.

Mark hat die Kündigung auf dem gerichtlichen Weg angefochten. Gleichzeitig versucht er, mit einer aussergerichtlichen Verständigung eine Weiterführung seiner Professur zu erzielen, schreibt er in einem Mail an kath.ch. Er sei jederzeit zu einer fairen und versöhnlichen Einigung bereit. Mark (*1961) war seit Februar 2013 Professor für Exegese des Alten Testaments an der Universität Luzern. (sys)

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