Petersplatz und Petersdom im Abendlicht | © Andrea Krogmann
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Petersplatz und Petersdom im Abendlicht | © Andrea Krogmann

Luxemburgischer Theologe plädiert für Entmachtung der Kurie

Luxemburg, 2.4.15 (kath.ch) Der frühere Generalvikar des Erzbistums Luxemburg, Erny Gillen, regt eine radikale Neuausrichtung und Entmachtung der römischen Kurie an. Die Kirche solle sich weg von Rom und der Macht zu einer «Gott-unter-den-Menschen-Kirche» entwickeln, fordert der Theologe in einem offenen Brief an Papst Franziskus. Der 75-seitige Aufruf wurde am Donnerstag im Grossherzogtum als Buch mit dem Titel «Wie ein Papst Kurienkrankheiten heilen kann» veröffentlicht.

Der Theologe schlägt dem Papst vor, als römischer Bischof vom Vatikan in die römische Lateranbasilika umzuziehen. Durch diesen «heilsamen Schock» würde die Kurie ihren Referenzpunkt verlieren, so Gillen. Auch die Verwaltung solle aus dem Vatikan ausziehen, denn «die hohen Mauern und der Geruch einer höfischen Kultur erdrücken ihre Lebendigkeit». Im Zuge einer Dezentralisierung der katholischen Kirche, deren Kommissionen auf alle Erdteile verstreut werden sollten, gelte es, die regionalen Ebenen zu stärken.

Vatikan als «humanitäres Leuchtfeuer»

Gillen schlägt vor, Bischöfe künftig durch die nationalen Bischofskonferenzen auswählen zu lassen. «Nicht die Kurie gibt die Richtung vor, sondern das Volk und die Gläubigen», müsse das Leitbild der Reformen lauten. Der Vatikan solle seine Gebäude und Kunstschätze an gemeinnützige Organisationen übertragen. Freiwerdende Büros und Dienstwohnungen sollten als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden. Der Vatikan werde dadurch «als humanitäres Leuchtfeuer mitten in einer opulenten und korrupten Welt» erscheinen.

Gillen kritisiert, dass Franziskus zwar Reformen angestossen habe, die Funktionsweisen des Vatikans bislang aber «zum Entsetzen der meisten Gläubigen unangetastet» geblieben seien. «Das System hat schon manchen Papst überlebt und viele Mitarbeiter», so der Autor. In der Kurie gebe es ein abwägendes statt unterstützendes Verhalten gegenüber den Reformbemühungen des Papstes. Auch in der Weltkirche hätten sich viele Bischöfe lediglich äusserlich angepasst und «auf mit Gold und Edelsteinen verzierte Brustkreuze» verzichtet.

Antwort auf päpstliche Kurienschelte

Mit dem Buch antwortet Gillen laut eigenen Angaben auf eine Ansprache des Papstes, der zu Weihnachten 2014 eine Liste von negativen Verhaltensweisen aufgezählt hatte, die er als 15 Kurien-Krankheiten bezeichnete. Der 1960 im luxemburgischen Differdingen geborene Gillen war im Februar nach dreieinhalb Jahren als Chef der Verwaltung des Erzbistums zurückgetreten. Er lehrte von 1988 bis 2012 Theologische Ethik in Luxemburg und ist seit 2007 bis zum kommenden Mai Vorsitzender von Caritas Europa. Theologie hatte er zunächst in Chur und dann im belgischen Louvain-La-Neuve studiert. (kna)

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