Vatikan

Kurienreform: Kardinäle wollen Caritas und Justitia et Pax massiv aufwerten!

Rom,13.2.15 (kath.ch) Zwei Jahre nach dem Pontifikatswechsel ist das Kardinalskollegium erneut zu einer Vollversammlung zusammentreten. Zwei Tage lang beriet der Senat der Kirche unter Leitung von Papst Franziskus über die künftigen Strukturen der Kurie – eine Reform, die das Vorkonklave vom März 2013 mit Nachdruck angemahnt hatte. Mit der Kurienrefom soll der vatikanische Apparat effizienter, transparenter und schlanker werden und stärker im Dienst der Ortskirche stehen. Das Projekt ist freilich noch nicht von einem Abschluss entfernt. Mit einer Neufassung der Kurien-Konstitution «Pastor bonus» von 1988 sei nicht vor 2016 zu rechnen, heisst es jetzt. Brisant: Caritas, Gerechtigkeit und Frieden (Justitia et Pax) soll zu einer Superbehörde im Range einer Kongregation aufgewertet werden.

Johannes Schidelko

Der Papst wollte sein oberstes Beratergremium in die Beratungen zur Kurienreform mit einbeziehen. So berief er ein Konsistorium ein, an dem rund 170 Kardinäle teilnahmen. In erster Linie ging es um Zwischenberichte über die bisherige Arbeit des mit der Reform beauftragen Kardinalsrates (K9-Rat), die freilich schon manche Eckpunkte für die künftige Vatikanstruktur erkennen ließen.

Bereits vor einem Jahr hat der Papst auf Empfehlung des K9-Rates einen Wirtschaftsrat und ein Wirtschaftssekretariat eingerichtet, der die Finanz- und Immobilienbestände der Vatikan-Einrichtungen erfassen und in eine gemeinsame Bilanz bringen soll. Offensichtlich stoßen die zuständigen Kardinäle George Pell und Reinhard Marx jedoch auch an Grenzen – und auf den Widerstand von Betroffenen. Dem Vernehmen nach will insbesondere die Missionskongregation ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und Eigenständigkeit bewahren. Beim Konsistorium trat das Problem freilich nicht zutage. Im Moment gehe es darum, Statuten für die beiden Finanzeinrichtungen zu erstellen, um deren Kompetenzen genau zu klären, betonte Vatikansprecher Federico Lombardi.

Veränderungen zeichnen sich derzeit insbesondere bei den päpstlichen Räten ab, deren Zahl stark reduziert werden soll. Die Rede ist von zwei Superbehörden im Rang von Kongregationen – für Laien-Familie-Leben sowie für Caritas-Gerechtigkeit-Frieden – in die sechs der bisherigen zwölf Räte eingehen sollen. Die zweite Behörde soll sich auch um den Bereich Umwelt kümmern.

Spekulationen ranken sich derzeit auch um den vatikanischen Kultursektor. Kardinal Gianfranco Ravasi sprach in den vergangenen Tagen vor dem K9-Rat, ohne das Näheres bekannt wurde. Dem Vernehmen nach möchte er den von ihm geleiteten Kulturrat, dem auch die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Geistesströmungen und der Dialog mit Nichtglaubenden obliegt, auch für andere Sektoren wie die Vatikanmuseen oder die Kommission für die kirchlichen Kulturgüter
ausweiten. Diese neue Behörde könnte zudem mit der Bildungskongregation verbunden werden, deren Präfekt Zenon Grocholewski bereits die Pensionsgrenze überschritten hat.

Veränderungen dürfte es auch im Staatssekretariat geben. Es soll stärker von einer vatikanischen Superbehörde zu einem eigentlichen Papst-Sekretariat werden, heißt es. Und seine für die vatikanische Aussenpolitik zuständige Zweiten Sektion könnte wieder selbstständig werden. Vom Tisch scheint dagegen die Idee eines zusätzlichen Kurienmoderators, der für mehr Koordination und Austausch zwischen den Vatikanbehörden sorget. Dies sollte weiterhin Aufgabe des Staatssekretärs und seines «zweiten Mannes», des Substituten, sein. (cic)

Papst Franziskus in einem gelben Regencape bei einem Freiluftgottesdienst in Tacloban am 17. Januar | © KNA
13. Februar 2015 | 17:29
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