Schweiz

Kniefall oder faire Lösung?

Gastkommentar von Eugen Koller

Luzern, 29.4.2015 (kath.ch) Es kam zu einem heftigen Wirbel, nachdem Anfang Jahr bekannt geworden war, dass Wendelin Bucheli, Pfarrer im urnerischen Bürglen, im letzten Herbst ein homosexuelles Frauenpaar gesegnet hat. Das Bistum Chur hat einen dadurch entstandenen Konflikt zwischen dem Pfarrer und dem Bischof öffentlich gemacht und bediente vorab eine Sonntagszeitung und dann weitere Adressaten mit einer Mitteilung, wonach der Bürgler Pfarrer demissionieren werde. Nur fehlten zu diesem Zeitpunkt die dringend notwendigen Gespräche und Klärungen zwischen den Direktbetroffenen.

Der vorzeitige Gang an die Öffentlichkeit und der mangelnde Einbezug des für diese Bistumsregion zuständigen Generalvikars sollten sich rächen. Das konnte nur Aufruhr geben und 30’000 Personen gaben ihre Unterschrift und setzten sich ein für das Verbleiben des Pfarrers im Amt.

Nun kam eine Einigung zustande, die auch in einer gemeinsamen Medienmitteilung bekanntgemacht wurde. Alle hätten gewonnen, wird darin festgehalten und Erleichterung macht sich breit. Wendelin Bucheli musste sich beugen, sich entschuldigen, sich verpflichten, der kirchlichen Lehre voll und ganz zu entsprechen und nichts mehr Derartiges – weder in der Öffentlichkeit noch geheim – zu praktizieren. Er ist also wieder auf der Linie der Kirche und konnte so sein Amt als Pfarrer in Bürglen retten.

Was bei dieser Segnung wirklich geschehen war, wurde in den Gesprächen hoffentlich geklärt; kommuniziert wurde es nicht. Es hätte ihm wohl kaum in nächster Zeit eine Amtsenthebung gedroht, denn ein solches Verfahren hätte sich hingezogen. – Was wäre das für ein Zeichen gewesen, wenn eine pastorale Unkorrektheit eines sich für seine Pfarrei einsetzenden Priesters zur Versetzung und Amtsenthebung geführt hätte? Wie heisst es doch in der Bibel: Probleme sollen unter vier Augen und dann mit weiteren Betroffenen besprochen und geregelt werden.

Wendelin Bucheli hat bedauert, dass «durch die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares viele Menschen verletzt wurden.» Wird nun, nachdem der «Fall Bürglen» gelöst ist, auch bedauert, dass für viele Menschen, die gleichgeschlechtlich lieben, diese Dokumentation von kirchlichem Recht und Praxis eine Katastrophe ist? Weshalb konnten in diesem Zusammenhang nicht ansatzweise Wege aufgezeigt werden, wie konkret gleichgeschlechtliche Menschen im kirchlichen Kontext eine Beheimatung finden können? Wie ein Weg aussehen könnte, wenn gleichgeschlechtlich orientierte Menschen ihren gemeinsamen Lebensweg mit der Kirche gehen wollen? Ich hoffe sehr, dass sich Seelsorgende, auch im Bistum Chur, dieser Thematik annehmen und diesen Menschen eine spirituelle Begleitung anbieten. (ek)

Eugen Koller ist Theologe, Klinik- und Gefängnisseelsorger und Redaktor des Pfarreiblatts Urschweiz.

Eugen Koller, Katholischer Theologe, Seelsorger und Redaktor des Pfarreiblatts Urschweiz | © 2015 Christoph Wider zVg
29. April 2015 | 18:28
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