Schweiz

Katholischer Frauenbund begrüsst Gründung des Vereins «RobinSisterhood»

Der Verein «umsteuern! RobinSisterhood» wird am Montag in Deutschland gegründet. Er will Selbsthilfegruppen und Einrichtungen unterstützen, die Menschen helfen, denen Gewalt und Diskriminierung in und ausserhalb der Kirche angetan wurde. Der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) begrüsst die Gründung.

Viele Missbrauchsfälle seien juristisch verjährt. Eine Strafverfolgung sei nicht mehr möglich, erklärt SKF-Pressesprecherin Sarah Paciarelli auf Anfrage. Der Aufarbeitungsprozess in Deutschland ziehe sich hin und sei für Menschen, denen Gewalt und Diskriminierung durch die Kirche angetan worden sei, schmerzhaft.

Umso wichtiger sei die zivilgesellschaftliche Initiative, die den betroffenen Menschen Gehör schenke, sie unterstütze, ihnen Zuversicht spende und vor allem sage: «Ihr seid nicht allein!» Der Handlungsbedarf sei immens.

Warten in der Schweiz

Die katholische Kirche weltweit werde in Zukunft unter anderem daran gemessen werden, wie sie der Verantwortung der Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch jeglicher Art gerecht werde.

Sarah Paciarelli spricht auch die Situation in der Schweiz an. «Die Schweizer Studie zu Missbrauch im kirchlichen Milieu steht noch immer aus. Wir hoffen, dass die seit längerer Zeit angekündigte Studie der bischöflichen Kommission unabhängig, wissenschaftlich und transparent über die Situation in der Schweiz informieren wird.»

Auch der SKF sei ein Verein, der sich ausserhalb kirchlicher Strukturen für eine gerechte katholische Kirche einsetze. Der SKF begrüsst die Gründung des Vereins «umsteuern! RobinSisterhood» und wünscht den Initianten und Initiantinnen viel Erfolg, Kraft und Ausdauer bei ihrer wichtigen Arbeit.

Ausgetretene ansteuern

Der Verein «umsteuern! RobinSisterhood» wird eigenen Angaben zufolge am Montag offiziell gegründet. Er unterstütze Selbsthilfegruppen und Einrichtungen, die Menschen helfen, denen Gewalt und Diskriminierung innerhalb und ausserhalb der Kirche angetan worden sei.

Der Verein spreche gezielt auch diejenigen an, die aus der Kirche ausgetreten seien, «weil sie ihr Geld nicht mehr einer Institution zur Verfügung stellen möchten, die im Falle der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs versagt hat und die Betroffenen in jahrelangen Verhandlungen zermürbt», sagte Gründungsmitglied Lisa Kötter, eine der Mit-Initiatorinnen der katholischen Reformbewegung Maria 2.0. Sie selbst gab im März bekannt, dass sie austreten wolle.

Kirche links liegen lassen

«Aus Gesprächen mit Betroffenen sexueller Gewalt weiss ich, dass es vielen schwerfällt, über die Taten zu sprechen. Sie möchten sich nicht wieder der Institution Kirche aussetzen», erklärte der ehemalige Sprecher des Betroffenenbeirats des Erzbistums Köln, Karl Haucke.

«Mit den Vereinsgeldern können wir Gruppen unterstützen, die kirchenunabhängige Anlaufstellen für Menschen schaffen.» Weiterer Schwerpunkt ist laut Angaben die Hilfe für Frauen- und Kinderschutzhäuser. Die römisch-katholische Kirche leiste durch ihre Struktur einem System Vorschub, das Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Lebensführung oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiere und verletze, so die Vereinsgründerinnen und -gründer.

Zu ihnen zählen auch das frühere Mitglied des Betroffenenbeirats des Erzbistums Köln, Winfried Ponsens, sowie die Sprecherin von Maria 2.0 Rheinland, Maria Mesrian. Mit Blick auf «umsteuern! RobinSisterhood» erklärte die Gruppe: «Der Name ist Programm: Gelder umsteuern zu denen, die Hilfe brauchen.» (kna/gs)


Sarah Paciarelli, Kommunikationsbeauftragte des SKF | © zVg
19. Juni 2021 | 18:05
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