Jesus als Mädchen und Lippenstift-Flecken – geht nicht

Der Augsburger Bischof Bertram Meier lehnt weibliche Jesus-Bilder ab. Es sei richtig, die frohe Botschaft in die Kulturen einzuführen, aber: «Inkulturation hat Grenzen.»

«Das geht für einen christlichen Theologen nicht, wenn das Jesuskind in der Krippe als Mädchen dargestellt wird», sagte Meier am Dienstagabend in Augsburg zu der Frage, inwiefern die Eigenart einer Kultur bei der Mission beachtet wird. Dies höhle den Kern des Glaubens aus, Jesus sei als Gottes Sohn geboren.

Man dürfe das Evangelium nicht «in scheinbar idealer Weise» präsentieren und «Exkulturation» betreiben. Ein «europäischer Mainstream des Christentums» könne «Verengung» bergen. Meier äusserte sich im Rahmen des Kulturprogramms zum Augsburger Friedensfest am 8. August (siehe Kasten).

Auch bei vertrauten Ritualen genau hinschauen

Ein prägendes Ritual in seinem Leben sei das Handauflegen, so Meier. Schon bei der Taufe habe ihm der Priester die Hand aufgelegt – «wohl zur Beruhigung, weil ich so laut geschrien habe». Später hätten seine Eltern ihm vor dem Weg zur Schule ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet.

Schliesslich habe er die Hände bei seinen kirchlichen Weihen aufgelegt bekommen. «Das Handauflegen darf aber kein Automatismus werden», warnte Meier. Bei Diakon- und Priesterkandidaten versprach er, «künftig genau hinschauen» zu wollen, «wem ich die Hände auflege».

Nach Gottesdienst von Lippenstift gezeichnet

Meier berichtete zudem von ihm fremden Ritualen. Nach seiner Priesterweihe habe er einst in Italien einen Gottesdienst gefeiert. Hinterher seien zahlreiche Menschen zum Gratulieren gekommen. Er sei sehr lange und sehr viel geherzt worden. Schliesslich habe er «alle Nuancen und Farbtöne der Lippenstifte» an sich gehabt, «ich musste mich abputzen». Andere Länder, andere Sitten, auch wenn sie geografisch Rom sehr nahe sind. (kna)

5. August 2020 | 16:53
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Bekanntgabe des Friedenspreisträgers

Höhepunkt des seit Juni laufenden Augsburger Friedensfest-Programms ist am Samstag die Bekanntgabe des neuen Friedenspreisträgers. Der Friedenspreis wird seit 1985 alle drei Jahre vergeben. Mit ihm ehren die Stadt Augsburg und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern besondere Leistungen zur Förderung interkonfessioneller Gemeinsamkeiten und Verdienste zur Verständigung zwischen den Religionen. Zuletzt ging der Preis 2017 an Martin Junge, den Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB).

Das Hohe Friedensfest am 8. August wird seit 1650 in Augsburg gefeiert und ist dort gesetzlicher Feiertag. Es kam auf, nachdem die Protestanten das Recht zur Religionsausübung und ihre Kirchen wiedererlangt hatten. Das Friedensfest steht im Bayerischen Landes- und im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Unesco. (kna)