Harrisburg, Hauptstadt des US-Bundesstaates Pennsylvania | © pixabay.com / mikespixels CCO
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Harrisburg, Hauptstadt des US-Bundesstaates Pennsylvania | © pixabay.com / mikespixels CCO

In den USA werden alle Bischöfe zum Rücktritt aufgefordert

Washington, 19.8.18 (kath.ch) In den USA haben rund 140 Theologen und engagierte Christen die Bischöfe aufgerufen, dem Papst wegen des jüngsten Missbrauchsskandals geschlossen ihren Rücktritt anzubieten. Sie sollen sich dabei ein Beispiel an den Bischöfen Chiles nehmen.

Das allgemeine Systemversagen der Kirche im Umgang mit dem Missbrauch durch Priester erfordere einen kollektiven Amtsverzicht «als öffentlichen Akt der Reue und des Bedauerns vor Gott und dem Volk Gottes», heisst es in einer am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Erklärung.

Chilenische Bischöfe als Vorreiter

Als Vorbild verweisen die Unterzeichner auf Chile, wo im Mai 29 Ortsbischöfe wegen eines ähnlich weit reichenden Skandals ihre Amtsenthebung angeboten hatten. Papst Franziskus nahm inzwischen fünf Rücktritte an.

Zwar gebe es unter den US-Bischöfen «bescheidene Diener und wohlmeinende Hirten», so der auf Englisch und Spanisch formulierte Aufruf. Aber: «Systemische Sünde kann nicht durch individuellen guten Willen beendet werden. Ihre Wunden werden nicht geheilt durch Erklärungen, interne Untersuchungen oder PR-Kampagnen, sondern eher durch kollektive Verantwortlichkeit, Transparenz und das Aussprechen der Wahrheit.»

Bericht sorgt weiter für Erschütterung

Der am Dienstag vorgestellte Bericht einer staatlichen Jury zum Missbrauch in sechs Bistümern des US-Bundesstaats Pennsylvania erschüttert derzeit die USA. Der Report beschuldigt rund 300 zumeist verstorbene Priester, in den vergangenen 70 Jahren mindestens 1000 Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben.

In den untersuchten Diözesen des Bundesstaates habe eine «Kultur des Vertuschens» durch ranghohe Kirchenobere geherrscht, die den massenhaften Missbrauch erst ermöglicht habe. Am Freitag äusserte Vatikansprecher Greg Burke in Rom, für die Geschehnisse gebe es «nur zwei Worte: Scham und Trauer». (kna)

Amerikanischer Erzbischof reist nicht nach Dublin

Der Washingtoner Erzbischof Donald Wuerl hat laut irischen Medienberichten seine Teilnahme am Weltfamilientreffen in Dublin abgesagt. Über die Gründe wurde bisher nichts bekannt. Laut Programm sollte er eine Rede über das Wohlergehen der Familie halten.

Vor seiner Ernennung zum Erzbischof der US-Hauptstadt war Wuerl 18 Jahre lang Bischof der Diözese Pittsburgh. In dem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Generalstaatsanwalts von Pennsylvania über Missbrauchsfälle und deren Vertuschung wird sein Name oft genannt.

Der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, sagte am Sonntag bei einem Gottesdienstdienst der irischen Hauptstadt: «Es reicht nicht, sich nur zu entschuldigen. Es ist nicht nur Wut über den Schrecken des Missbrauchs, sondern auch Wut über die Rolle der Kirchenleitung, die das Leiden so vieler Menschen in Einrichtungen für Kinder, unverheiratete Mütter und Frauen verschlimmert hat.»

Dublin ist ab Dienstag Schauplatz des diesjährigen katholischen Weltfamilientreffens. Zu den beiden Abschlusstagen wird am 25./26. August auch Papst Franziskus in Irland erwartet. (kna/kap)

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