Schweiz

Im Wallis erinnert Gedenktafel an Missbrauch

In einer Kapelle in Monthey ist am Samstag eine Gedenktafel für Opfer von sexuellem Missbrauch angebracht worden. Der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, und der Abt von Saint-Maurice, Jean Scarcella, baten die Opfer im Namen der Kirche um Vergebung.

Die Tafel in der Kapelle von Closillon in Monthey soll an das Leid der Menschen erinnern, die Opfer sexueller Übergriffe durch Priester wurden. Sie wurde auf Wunsch eines Opfers angebracht. Dieses hatte auch den Ort ausgewählt: Die sexuellen Übergriffe durch einen Ordensmann hatten in der Gemeinde Monthey stattgefunden.

Bischof erinnert an Bussfeier von 2016

Gedenktafel für Missbrauchsopfer in der Kapelle von Closillon in Monthey VS

Der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, erhofft sich von dem Akt des Gedenkens eine «Zukunft der Befreiung», wie er im Rahmen der Feier vor rund 100 Personen sagte. Im Namen der Kirche bat er die Opfer um Vergebung.

Lovey erinnerte zudem an die Bussfeier der Schweizer Bischöfe in der Basilika von Valeria in Sitten im Dezember 2016. Diese erste Feier habe gewisse Opfern dazu ermutigt, ihr Schweigen zu brechen, so Lovey. Auch der ebenfalls anwesende Abt von Saint-Maurice, Jean Scarcella, bat im Namen der Kirche um Vergebung.

Opfervertreter fordert Rechte ein

Jean-Marie Fürbringer, Vizepräsident der Westschweizer Opferhilfegruppe Sapec, prangerte die Vertuschung der Übergriffe durch die Kirche an, die dazu gedient habe, das Image der katholischen Kirche zu wahren. «Jahrelang konnten perverse Personen unbehelligt ihre Verbrechen begehen. Sie wurden weder vor Gericht gebracht noch bestraft.»

Es sei wichtig, die Geschichte der sexuellen Übergriffe zu verstehen und daran zu erinnern. Fürbringer betonte weiter, die Opfer hätten das Recht auf Wissen, das Recht auf Gerechtigkeit, das Recht auf Wiedergutmachung und das Recht auf die Garantie, dass alles getan werde, damit «solche Verbrechen» sich nicht wiederholten.

Opfer berichtet von seinem Schicksal

Bei der Zeremonie in der Kapelle ergriff auch der Mann, der die Übergriffe durch den Ordensmann erlitten hatte, das Wort. Die Übergriffe lägen 46 Jahre zurück. Stattgefunden hätten sie in der Schule, dem Pfarrhaus und schliesslich in einer Wohnung in Monthey, berichtete der Mann, den das Westschweizer Newsportal cath.ch «Stéphane» nennt. Die Übergriffe hätten ihn jeden Tag verfolgt. Bis vor drei Jahren hätten ihn Schuldgefühle geplagt, obwohl er selber nichts getan habe. Zur Wende kam es, als Stéphane am Radio den Bericht eines Opfers hörte und einen Zeitungsartikel zur Thematik las.

Roland Gruber, der Obere der Marianisten, zeigte sich an dem Anlass schockiert und traurig. Er sagte, der Ordensmann, der Stéphane missbraucht habe, sei wegen ähnlicher Vorkommnisse vor Gericht gestanden und verurteilt worden. Vor 40 Jahren sei er verstorben. «Er hat das Vertrauen dieser jungen Menschen zerstört und ihren Lebensweg verdunkelt», sagte Gruber. Zum Schluss seiner Ansprache bat er im Namen seiner Gemeinschaft um Vergebung.

Bistum informiert über Präventionsmassnahmen

Die Diözese nahm die Feier auch zum Anlass, um ihre Präventionsbemühungen zu informieren. «Das Bistum Sitten verfolgt eine Politik der Null-Toleranz in Sachen Missbrauch», sagte Richard Lehner, Generalvikar für den deutschsprachigen Teil des Bistums. Es gebe eine Charta, die von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pastoral unterzeichnet werden müsse.

Pierre-Yves Maillard, Generalvikar für den französischsprachigen Teil des Bistums, erinnerte seinerseits an den im Februar 2019 eingeführten «Workshop zur Prävention des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Kontext». Diese Weiterbildung ist für alle französischsprachigen Pastoralarbeitenden, Priester, Diakone und Laien obligatorisch.

Zirka 15 Täter und mehrere Dutzend Opfer

Das Bistum Sitten schätzt die Zahl der Priester, die sexuelle Übergriffe begingen, für den Zeitraum von 1958 bis 1992 auf etwa fünfzehn. Vier von ihnen sind noch am Leben, arbeiten aber nicht mehr. Alle Fälle sind verjährt. Ein weiterer Fall aus dem Jahr 1962 ist 2019 aufgedeckt worden. Insgesamt sind mehrere Dutzend Opfer betroffen. «Alle Fälle werden der zivilen Justiz gemeldet, auch die verjährten», sagte Lovey in Monthey. (cath.ch/sda/bal)


Bischof Jean-Marie Lovey an der Veranstaltung in Monthey | © Fabrice Zwahlen
23. Februar 2020 | 15:03
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