Zerstörte Kirche in Syrien | © Kirche in Not
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Zerstörte Kirche in Syrien | © Kirche in Not

Helfer in Syrien beklagt Gleichgültigkeit in Europa

Damaskus, 19.3.18 (kath.ch) Angesichts des Syrienkrieges beklagt der Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) im Nahen Osten, Nawras Sammour, eine Gleichgültigkeit europäischer Länder. Staaten wie Deutschland, Frankreich und England hätten eine «so glorreiche Geschichte der Aufklärung und gleichzeitig eine leidvolle der Kriege. Diese Geschichte erlaubt es ihnen nicht, dass sich das wiederholt und man sich all die Jahre gleichgültig zeigt gegenüber dem Syrienkrieg», sagte Sammour in einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem Internetportal weltkirche.katholisch.de.

Europa wird seiner Meinung nach einen hohen Preis dafür zahlen. «Vor allem die reichsten Länder Europas zahlen am meisten Geld, um uns zu unterstützen, humanitäre Hilfe und natürlich auch bei der Aufnahme der Flüchtlinge.» Die Flüchtlinge stünden vor den Toren Europas oder seien schon dort.

Europa müsse eine Lösung finden, damit die Menschen in Würde in ihrer Heimat leben könnten. «Daran sollte Europa arbeiten und nicht nur Waffen produzieren oder versuchen, Probleme mit Militäreinsätzen zu lösen», forderte Sammour.

Eine absurde Maskerade

An ein baldiges Ende des Krieges glaube er nicht: «Überhaupt nicht, da bin ich ganz und gar pessimistisch. Die Situation ist so komplex und kompliziert und wird immer komplizierter. Es ist ein Chaos.» Es sei nicht nur ein Bürgerkrieg unter Syrern, «sondern es kommen auch viele Menschen aus dem Ausland, um an dieser komplett irrationalen und absurden ‘Maskerade’ mitzuwirken.»

Es handele sich nicht um eine Revolution oder einen Religionskrieg – «es ist alles zusammen, auf unverständliche Weise miteinander vermengt.» Sammour ergänzte: «Krieg ist der Tod der Vernunft.»

Kinder möchten in die Schule

Wegen Kämpfen in Damaskus sind seinen Angaben zufolge derzeit etwa 500 Kinder von der Arbeit des JRS abgeschnitten. «Wir hoffen, dass wir unsere Arbeit bald wieder aufnehmen können, wenn der Frieden zurückkehrt.» Normalerweise lernten Kinder mit Unterstützung des JRS grundlegende Dinge wie Lesen, Schreiben, Rechnen.

«Wir unterrichten auch Jugendliche, die nicht die Möglichkeit haben, die Schule zu besuchen.» Der Unterricht sei nicht das Wichtigste, die Kinder würden begleitet und mit Bildung versorgt. «Wenn wir sie bitten, zuhause zu bleiben, weil es zu gefährlich ist, sind sie traurig.» (kna)

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